Wohin fließt die Energie?

In meinem jüngsten Blogbeitrag hatte ich Ihnen von meinen Erfahrungen zum Thema „Reiz vs. Reaktion“ berichtet. Im Folgenden lade ich Sie erneut ein, mich in meinem Alltag ein wenig zu begleiten:

Als Assistenz der Geschäftsleitung und Mutter eines zweijährigen Sohnes komme ich nach einem langen Tag nach Hause. Ich habe mich heute richtig ins Zeug gelegt und bin erschöpft. Ich setze mich, nehme mir einen kurzen Augenblick Zeit und reflektiere die wesentlichen Tagesereignisse. Dabei fällt mir auf, dass meine Ergebnisse nicht wirklich überzeugend sind. Eigentlich steht mein heutiger Energieaufwand in keiner Relation zu diesen Ergebnissen. Das irritiert mich und führt mich zur logischen Frage: Wohin ist meine Energie geflossen?

Ich bin ein aktiver Mensch. In meinen Arbeitsprozessen nehme ich gerne Tempo auf und genieße es, am Abend auf einen erfolgreichen Tag zurückzublicken. Trotzdem stelle ich immer wieder fest, dass mein aufgebrachtes Energiepensum nicht den daraus resultierenden Ergebnissen entspricht. Das frustriert mich. Es lohnt sich also, hier genauer hinzuschauen.

Im Institut beschäftigen wir uns mit Unterscheidungen. Das Bewusstsein dieser Unterscheidungen gibt Orientierung und eröffnet die Chance, das eigene Denken und Verhalten zu korrigieren. In folgender Unterscheidung, die auch Jochen Hummel in seinem Beitrag beschäftigt hat, finde ich eine erste Antwort auf meine Frage:

Interessenbereich und Einflussbereich

Der Interessenbereich

… umfasst alles, was uns neugierig macht. Er beinhaltet alle Themen, die uns interessieren und unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der Interessenbereich ist ein großer Kreis, bestehend aus allen Themen, die uns in irgendeiner Weise emotional beschäftigen und berühren.

Der Einflussbereich

…. hingegen ist ein überschaubarer Bereich innerhalb unseres Interesses. Er umfasst die Themen, auf die wir tatsächlich Einfluss nehmen und die wir bewegen und mitgestalten können. Es ist der Teil, innerhalb dem wir selbst wirksam werden können.

Interessenbereich-Einflussbereich

Konzentrieren wir uns nun auf den Interessenbereich, den wir nicht beeinflussen können, geht wertvolle Energie verloren. Dann beschäftigen wir uns mehr mit Dingen, die wir nicht ändern können. Und verlieren aus den Augen, was wir imstande sind zu bewegen und mit zu entwickeln. Lassen Sie mich hier eine persönliche Erfahrung als Beispiel anführen:

Sorgenvolle Fragen

Für meine Familie und mich steht in Kürze der Umzug in die Heimat an. Wer bereits einen Umzug mit Kleinkind hinter sich hat, wird sich gut vorstellen können, was uns jetzt vor allem als Eltern beschäftigt.

  • Wie wird sich die Veränderung auf unseren Sohn auswirken?
  • Werden wir wieder eine so vertrauenswürdige Tagesmutter finden? Was, wenn nicht?
  • Wird er sich schnell an das neue Umfeld gewöhnen? Gerade jetzt, in dieser für ihn so emotionalen Entwicklungsphase.
  • Wird die Betreuung rechtzeitig zum Arbeitsbeginn gewährleistet sein?

Sie sehen, diese Fragen sind Ausdruck meines Interessenbereichs. Wenn ich so denke (und ich gebe zu, dass sich meine Gedanken hier immer wieder verlieren), konzentriere ich mich auf das, was nicht in meiner Macht steht. Ich gebe die Verantwortung ab. Meine Emotionen sind von Sorgen und Zweifeln geprägt. Was denken Sie, wird hier das Ergebnis sein?

Die Handlung im Blick

Wenn ich mich hingegen auf meinen Einflussbereich konzentriere, ändert sich der Tenor der Fragen (und Sie sehen deutlich, wie nah sich die beiden Bereiche innerhalb eines Themas stehen können):

  • Was kann ich tun, damit die Eingewöhnung für unseren Sohn in die neue Lebenssituation so einfach wie möglich verläuft?
  • Wie kann ich vorab aktiv werden, damit uns bestenfalls mehrere Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen?
  • Welche Werte sind mir in der Betreuung meines Sohnes wichtig? Sodass ich selbstbewusst entscheiden kann, wer für die Betreuung infrage kommt.

Sie sehen, die sprachlichen Merkmale beziehen sich hier vielmehr auf „mich“ und „mein Tun“, also die Handlung. Hier kann ich selbst wirksam werden, meine Energie fließt. Meine Emotionen sind zuversichtlich und mutig. Sehen Sie, wie kraftvoll die Wirkung dieser Unterscheidung ist? Wie denken Sie, wird hier das Ergebnis aussehen?

Ich kann Sie nur ermutigen, selbst in Ihre persönlichen Systeme einzutauchen. Und sich damit auseinanderzusetzen, wo Sie Ihre Energie in Themen lenken, die außerhalb Ihres Einflussbereichs liegen. Denken Sie dabei auch an die Arbeit: Wann haben Sie Zeit und Kapazität, sich in die Gebiete der Kollegen einzudenken? Und wann ist es sinnvoll, in die eigenen Verantwortlichkeiten einzutauchen? Überlegen Sie, wo Sie sich aus Ihrem überschaubaren Einflussbereich herausbewegen und sich von nicht veränderbaren Themen berieseln lassen.

In diesem Kontext leihe ich mir abschließend ein Sprichwort aus dem Talmud, das uns Mut machen soll und von dem wir lernen können, welche Kraft unseren Gedanken zugrunde liegt:

„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.“

Sie sind Herr über Ihre Gedanken.

Werden Sie der/die Beste, der Sie sein können.

Ihre Johanna Kersten

Bildquelle: © congerdesign Pixabay

Über den Autor

Johanna Kersten
Johanna Kersten

Johanna Kersten arbeitet und wirkt im Grundl Leadership Institut als Assistentin der Geschäftsleitung. In dieser Funktion behält sie alle internen Abläufe im Blick. Sie stellt Dinge klug infrage und schaut kritisch auf Abläufe und Vorgänge. Das Grundl Leadership Institut erforscht und lehrt hochwertige Unterscheidungen. Als wertvolles Teammitglied möchte Johanna Kersten daher die Blog-Leser gerne an ihren eigenen Erfahrungen zu diesem Thema teilhaben lassen – ihren ganz persönlichen Unterscheidungen und Herausforderungen im Alltag.

Mit ihrer Grundausbildung zur Logopädin bringt Johanna Kersten besondere Erfahrungen im Thema „Führung und Verantwortung“ mit. Ihr ist bewusst und sie erfuhr selbst, was Führung im therapeutischen Setting bedeutet sowie welch hohen Stellenwert das Thema Verantwortung in Kommunikation und Interaktion einnimmt. Mit ihrem körpertherapeutischen Hintergrund interessiert sich Johanna Kersten besonders für das „Wie“ und die Umsetzung persönlicher Veränderungsprozesse.

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