Wertschätzung – Eine Frage der Norm

Unterscheidungen bezeichnen Spannungsfelder, innerhalb deren Grenzen wir uns tagtäglich bewegen – bewusst und unbewusst. Sie helfen uns dabei, uns in unserem Denken und Handeln zu reflektieren und geben konkreten Anstoß, uns zur besten Version unserer Selbst zu entwickeln. Im Kern sind sie die Essenz, die unserem Leben das entscheidende Maß an Qualität verleiht.

Blicke ich auf das Jahr zurück, so hebt sich für mich eine Kontroverse deutlich hervor. Darüber möchte ich gerne in diesem Beitrag schreiben: Es handelt sich um die Unterscheidung: „Soziale Norm – Marktnorm“.

Zunächst ganz kurz und prägnant ihre Charakteristika:

Die Welt der sozialen Normen ist stark von der Qualität von Beziehungen geprägt. Hier wirken Werte wie „Menschlichkeit“ und gegenseitige Wertschätzung. Es geht um die Anerkennung und die Akzeptanz des Gegenübers um seiner selbst willen. Es wirken Erwartungshaltungen an die menschliche Kompetenz, das Miteinander und die Qualität der Kommunikation. Die Welt der sozialen Normen sucht immer das, was Menschen miteinander verbindet. Respekt gibt es in dieser Welt für das Mensch-Sein.

Ganz anders sieht die Welt der Marktnorm aus. Hier wirkt ein distanzierteres Klima. Es geht um die Qualität der Ergebnisse. Im Geschäftsleben fordern Marktnormen die Arbeitskräfte heraus, effizient und ertragreich zu arbeiten. Ziel ist ganz klar, für das Unternehmen einen Mehrwert – meist finanzieller Art – zu erschaffen. Es wird erwartet, zu liefern und zu performen. Respekt gibt es in dieser Welt für Ergebnisse.

Interessant ist, ganz gleich in welches berufliche Milieu wir schauen: Es wirken immer beide Kräfte.

Lernen Sie, zu differenzieren.

Ein kurzer Exkurs. In meinen beruflichen Anfängen ergriff ich einen therapeutischen Beruf, bewegte mich somit in einem sozialen Umfeld. Man könnte nun meinen, dass dort vorwiegend soziale Normen wirkten. Aber selbstverständlich etablierte sich innerhalb der vergangenen Jahre im Zuge der Ökonomisierung der Gesellschaft auch im Gesundheitswesen, berechtigterweise, das Gesicht der Marktnorm. Die Forderungen der Krankenkassen stiegen, Therapeuten sollten wirtschaftlich und effizient arbeiten. Ergebnisse mussten sichtbar werden, Therapieerfolge transparent und messbar. Der Patient entwickelte sich in seiner Rolle zunehmend in die Rolle des Kunden. Diese Entwicklung ist heute in der Therapeutenlandschaft nicht mehr zu leugnen und fordert die Praxen und Verbände zu mitunter emotionalen Diskussionen auf.

Mit meiner beruflichen Neuorientierung und Weiterentwicklung traf ich dann erstmals auf ein wirtschaftliches Milieu. Die Marktnorm war hier deutlich spürbar. Es wurde ergebnisorientiert (anstatt prozessorientiert, wie ich es aus meiner vorherigen Arbeit kannte) gearbeitet und von mir wurde Leistung auf den Punkt erwartet.

Das war mir fremd und verunsicherte mich. Kritisches Feedback wurde für mich zunächst zur Probe. Ich hatte anfangs Mühe, Kritik nicht persönlich zu nehmen. Ergebnisorientierte Anweisungen erschienen mir aufgrund meines beruflichen Hintergrunds, zunächst am „Menschen vorbei“ zu gehen.

Doch das Bewusstsein um die Unterscheidung zwischen Marktnorm und sozialer Norm half mir in dieser Anfangszeit schnell dabei, diese Verunsicherung aufzulösen und zu transformieren: Wertschätzung durfte ich nicht hier suchen. Kritik war gemeint als Potential für berufliche Entwicklung und nicht zur persönlichen Deformierung bestimmt. Im Unternehmen erfuhr ich Wertschätzung über meine berufliche Leistung, die Ergebnisse, die ich für das Wachstum des Unternehmens erzielte.

Wertschätzung erleben

Ich musste die beiden Welten genauer voneinander abgrenzen. Plötzlich war Kritik nicht mehr schmerzhaft, sondern nachvollziehbar. Ich konnte sie annehmen und entwickelte kontinuierlich ein berufliches Selbstbewusstsein. Ich war nicht mehr auf der Suche nach der Bestätigung meines Selbst. Ich fand Klarheit zur Erwartungshaltung der Chefetage. Heute weiß ich, wie ich meine Arbeit ausführen muss, um Ergebnisse zu erzielen.

Und was den beruflichen Selbstwert betrifft, so hat nur eines geholfen, liebe Leser: Verantwortung übernehmen. Für meine Wirkung im Unternehmen, für meine Ergebnisse, für meinen Mehrwert, den ich meinem Unternehmen zur Verfügung stelle. Für das höhere Ziel, dem das Unternehmen folgt, für die Idee, die hinter allem steht.

Wir wissen alle, dass auch in Unternehmen soziale Kompetenzen gebraucht werden und ein gutes und kollegiales Miteinander essentiell ist, um ein Unternehmen voran zu bringen. Loyalität und Einsatz sind dauerhaft nur zu halten, wenn auch in der Wirtschaftswelt soziale Normen Anerkennung finden. Es geht wahrscheinlich wie immer darum, die Flexibilität zu besitzen, sich in beiden Sphären zurecht zu finden – immer wissend, welche Normen und Erwartungshaltungen innerhalb dieser Räume gelten. Und letztendlich auszuwählen, was im entscheidenden Moment gebraucht wird. Worüber beziehen Sie Wertschätzung, liebe Leser, und wie weit tragen Sie soziale Normen in die Marktnorm?

Gerne lade ich Sie ein, das Thema in unserer Online Akademie zu vertiefen. Sprechen Sie uns an!

Johanna Kersten

Über den Autor

Johanna Kersten
Johanna Kersten

Johanna Kersten arbeitet und wirkt im Grundl Leadership Institut als Assistentin der Geschäftsleitung. In dieser Funktion behält sie alle internen Abläufe im Blick. Sie stellt Dinge klug infrage und schaut kritisch auf Abläufe und Vorgänge. Das Grundl Leadership Institut erforscht und lehrt hochwertige Unterscheidungen. Als wertvolles Teammitglied möchte Johanna Kersten daher die Blog-Leser gerne an ihren eigenen Erfahrungen zu diesem Thema teilhaben lassen – ihren ganz persönlichen Unterscheidungen und Herausforderungen im Alltag.

Mit ihrer Grundausbildung zur Logopädin bringt Johanna Kersten besondere Erfahrungen im Thema „Führung und Verantwortung“ mit. Ihr ist bewusst und sie erfuhr selbst, was Führung im therapeutischen Setting bedeutet sowie welch hohen Stellenwert das Thema Verantwortung in Kommunikation und Interaktion einnimmt. Mit ihrem körpertherapeutischen Hintergrund interessiert sich Johanna Kersten besonders für das „Wie“ und die Umsetzung persönlicher Veränderungsprozesse.

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