Kluge Menschen fassen leichter Vertrauen

Zu diesem Schluss kommt eine Studie um den Soziologen Noah Carl von der Universität Oxford. Hierzu wurden Daten des General Social Survey analysiert – eine Umfrage, mit deren Hilfe seit 1972 das soziale Verhalten von Amerikanern untersucht wird. Zusätzlich wurden die Teilnehmer einem Intelligenztest unterzogen.

Ergebnis war: Je intelligenter die Person, desto eher war sie bereit, anderen zu vertrauen. Intelligente Menschen verfügen wohl über eine bessere Menschenkenntnis und können deshalb sowohl Menschen als auch Situationen besser einschätzen, so die Forscher. Deswegen würden sie eher mit Personen in Kontakt stehen, von denen sie nichts Schlimmes zu erwarten haben.

Doch wann ist Vertrauen wirklich klug und wann wäre Kontrolle besser?

Ich denke eines ist klar: Allen zu vertrauen, ist ein ebenso großer Fehler, wie niemandem zu vertrauen. Zwischen den beiden Extrempolen des Argwohns und der Naivität gibt es einen Bereich, den es mit intelligenter Analyse zu füllen gilt.

Ob Sie jemandem in einer Sache vertrauen, wird von zwei Seiten beeinflusst: Eine Seite ist der Grad Ihrer grundsätzlichen Bereitschaft, anderen zu vertrauen. Das ist eine Sache der inneren Einstellung (Vertrauensfreudigkeit). Die zweite Seite ist die Analyse mit Ihrem Verstand, um die möglichen Konsequenzen der Vertrauensentscheidung zu beurteilen (Analyse). Nur wenn beide Seiten wirkungsvoll genutzt werden, ist es möglich, kluge Entscheidungen zu treffen und tragfähige Lösungen zu finden.

Vier Quadranten des Vertrauens

Die beiden Dimensionen „Vertrauensfreudigkeit“ und „Analyse“ lassen sich in vier Quadranten zusammenfassen:

  • Der erste Quadrant „Blindes Vertrauen“ zeichnet sich durch eine geringe Analyse und eine hohe Bereitschaft aus, anderen zu vertrauen. Das birgt große Risiken. Es wird blind vertraut, ohne die Konsequenzen zu hinterfragen. Menschen, die sich in diesem Quadranten aufhalten, tendieren beispielsweise dazu, auf unseriöse Angebote hereinzufallen.
  • Der zweite Quadrant „Kein Vertrauen“ ist durch eine geringe Bereitschaft zu vertrauen und wenig Analyse charakterisiert. Diese Menschen haben die Tendenz, niemandem zu vertrauen – oft nicht mal sich selbst. Das resultiert in Unentschlossenheit, Zögern, defensivem Verhalten und Unsicherheit.
  • Im dritten Quadranten „Misstrauen“ zeigen sich eine geringe Vertrauensfreudigkeit sowie eine hohe Analyse. Diese Menschen haben die Tendenz, Dinge zu Tode zu analysieren. Sie vertrauen oftmals nur sich selbst. Sie neigen zu Perfektion und Mikromanagement. Dadurch sinkt die Schnelligkeit von Prozessen, die Kosten steigen.
  • Im vierten Quadranten „Kluges Vertrauen“ halten sich Menschen auf, die grundsätzlich eine hohe Vertrauensfreudigkeit aufweisen und Situationen gleichzeitig umfassend analysieren. Sie schenken Vertrauen, jedoch nicht allen Menschen uneingeschränkt. Je nach Situation vertrauen Sie auch mal nicht oder nur begrenzt.

Kluges Vertrauen ist wirkungsvoll. Menschen, die klug vertrauen, nehmen grundsätzlich erst mal die Glaubwürdigkeit von Menschen an. So nutzen sie Chancen und Möglichkeiten. Gleichzeitig halten sie aber auch durch gezielte Kontrolle die Risiken gering. Werden sie enttäuscht, können sie verzeihen und machen dem anderen keine schlechten Gefühle. Gleichzeitig setzen sie aber klare Grenzen. Ganz nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle auch.

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Über den Autor

Grundl Leadership Institut

Die Redaktion der Grundl Leadership Institut schreibt über verschiedene Facetten von Führung wie Führungsverantwortung und systematische Menschenentwicklung. Das Redaktionsteam transferiert in den Beiträgen relevante Managementlehren in die Praxis und greift damit wirkungsvoll den Leading Simple©-Gedanken des Grundl Leadership Institut auf: Menschen fördern – mit System.

Der intensive Austausch mit Boris Grundl und den Trainern des Grundl Leadership Institut liefert kontinuierlich neue Impulse, einzelne Aspekte von Führung zu beleuchten und Handlungsempfehlungen aufzuzeigen.

Ein Kommentar

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  • Ihre Zusammenfassung ist für eine persönliche Bestandsaufnahme und / oder Reflexion ganz interessant.
    Die in der Studie dargestellte Kausalität zwischen Vertrauen und IQ ist ist mir persönlich zu einfach gestrickt.
    So heißen: Das Leben und die sozialen Interaktionen sind zu komplex für diese Darstellung.

    Vertrauen ist die Basis von allem – leider wird dieses Wissen imer weiter aus dem wirtschaftlichen Geschehen verdrängt.

    Mit herzlichen Grüßen,
    Hans-Jörg Eyl

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