Verständlich sprechen – erfolgreich führen

Führungskräfte tragen Verantwortung. Die Gesellschaft erwartet von ihnen, dass sie beeindruckende Leistungen vollbringen. Gleichzeitig zeigen sie in vielerlei Hinsicht ein kurioses Verhältnis zur deutschen Sprache – und das beeinflusst ihren Umgang mit Mitarbeitern.

Um den Erwartungen gerecht zu werden, wollen Führungskräfte ernst genommen werden. Sie möchten diejenigen sein, die als überdurchschnittlich erfolgreiche Persönlichkeiten wahrgenommen werden. Häufig führt dieses Bestreben aber zu einer Kunstsprache mit leeren Worthülsen und hochtrabenden Wortneuschöpfungen. Es lässt sich nicht leugnen, dass Sprache wie kein anderes Gut für kulturelle Entwicklung steht. Denn zu einer offenen Gesellschaft gehört auch die Offenheit für neue Einflüsse. Das bedeutet aber nicht, dass wir unverständlich kommunizieren müssen. Zwar sprechen viele deutsche Führungskräfte exzellentes Englisch. Dennoch ergibt der Gebrauch englischer Wörter im deutschen Wortschatz nicht in jeder Situation auch wirklich Sinn. Amerikaner benutzen kein Handy, sondern ein Smartphone. Und ein Public Viewing wird in England meist veranstaltet, wenn jemand gestorben ist. Also: Wenn Englisch, dann richtig. Und ansonsten ist Klarheit in der Sprache angesagt.

Ihr USP ist Verständlichkeit

Ein (zugegebenermaßen extremes) Beispiel:

„Liebes Team, ich habe dieses Meeting angesetzt, weil ich die Awareness für unsere Brands supporten will. Wir haben eben im Briefing gehört, dass unser Business Model noch nicht zur der Performance geführt hat, die ich mir wünsche. Wir sind noch immer nicht break even. Daher müssen wir as soon as possible unseren USP pushen. Das bedeutet konkret: Unser mindset muss künftig fully sales oriented sein und wir werden in nächster Zeit verstärkt downsizen.“

In formvollendeten Denglisch drückt diese Führungskraft ihre Unzufriedenheit aus – mit den Mitarbeitern ebenso wie mit dem wirtschaftlichen Erfolg des gegenwärtigen Projekts. Gleichzeitig versteckt sich in diesen wenigen Sätzen die Ankündigung, in Zukunft Stellen abzubauen. Möglicherweise kann nicht jeder Mitarbeiter diesen Ausführungen im Detail folgen. Und manch einer sehnt sich nach einer Erklärung oder zumindest einer Einordnung. Im schlimmsten Fall fühlt sich der betroffene Mitarbeiter ausgegrenzt. Er wünscht sich, direkt angesprochen zu werden. Wenn Sie Ihre Mitarbeiter motivieren wollen, können Sie es sich nicht leisten, lediglich mit kreativer Nutzung des deutsch-englischen Sprachgebrauchs zu beeindrucken.

Starke Rede – tiefer Sinn

Boris Grundl sagt: „Starke Rede – tiefer Sinn.“ Diese Worte beschreiben ein Zielbild, das Führungskräfte anstreben sollten: Die Sprachwissenschaft kann längst nachweisen, dass ein und dieselbe Botschaft unterschiedliche Rückschlüsse auf Charakter und Kompetenz einer Führungskraft zulässt. Und dies hängt nur davon ab, wie der Sprechende seine Sätze aufbaut. Negativ gesprochen: Das falsche Wort hat unerwünschte Folgen. Positiv formuliert bedeutet das: Erstklassige Ausdrücke bringen erstklassige Wirkung.

Verständlichkeit ist hier das entscheidende Kriterium. Der inflationäre Gebrauch von Pseudo-Fachwörtern ist aber nur ein prominentes Beispiel für die fehlerhafte Nutzung von Sprache. Dabei reichen schon einige wenige Grundsätze, die das Verhältnis zu Ihren Mitarbeitern mit Sicherheit verbessern werden:

  • Seien Sie verständlich – nicht hochtrabend.
  • Seien Sie ehrlich – nicht beschönigend.
  • Seien Sie gradlinig – nicht sprunghaft.

Machen Sie sich immer bewusst, dass Sie zu jeder Zeit des Tages kommunizieren. Mit Körpersprache, Mimik, schriftlich und mündlich. Jede Form von Verhalten ist Sprache.

Es liegt in der Natur der Sprache

Wollen Sie informieren oder imponieren? Mitarbeiter spüren sehr schnell, ob Sie offen und direkt mit ihnen sprechen oder ob Sie sich hinter einer Ansammlung von Kunstwörtern verstecken. Dies führt häufig zu einem Verlust von Glaubwürdigkeit und Vertrauen, was für eine funktionierende Unternehmenskultur fatale Folgen haben kann. Gehen Sie klar mit unangenehmen Themen wie etwaigem Stellenabbau um, erfahren Sie möglicherweise Rückschläge. Langfristig fahren Sie mit dieser Strategie besser, weil Mitarbeiter lernen, sich auf Ihr Wort zu verlassen.

Führungskräfte tragen Verantwortung. Sie müssen effektiv führen. Dabei liegt es in der Natur der Sprache, ob Sie eine positive, nachhaltige Wirkung mit Ihren Worten erzielen können. Das gilt gleichermaßen für Lob, Kritik und Motivation – wenn es Ihnen gelingt, sich als Führungskraft glaubwürdig und kompetent bei Ihren Mitarbeitern zu etablieren, gehen Sie einen entscheidenden Schritt in die richtige Richtung – „und werden der Beste, der Sie sein können“.

Ihr Christoph Moss

Bildquelle: © robinsonk26  Pixabay

Über den Autor

Christoph Moss
Christoph Moss

Prof. Dr. Christoph Moss unterrichtet Kommunikation und Marketing an der International School of Management in Dortmund und Köln. Er gilt als Experte für Newsroom-Organisation und hat schon zahlreiche Projekte dazu umgesetzt – etwa bei Siemens, Fraport oder Datev. Seine Kernbotschaft lautet: „Der Newsroom beginnt im Kopf“. Unternehmen müssen lernen, Themen zu steuern. Dies bedeutet Vertrauen, Transparenz, Planung und Veränderung.

Neben Stationen an weiteren Hochschulen arbeitete Christoph Moss bei der Deutschen Bank sowie bei Sendern und Zeitungen in Düsseldorf, Passau, Dresden, Dortmund, Brüssel und Paris. Er war Verantwortlicher Redakteur beim Handelsblatt und leitete die Georg-von-Holtzbrinckschule für Wirtschaftsjournalisten. Christoph Moss ist Buchautor sowie geschäftsführender Gesellschafter der Newsroom-Agentur Mediamoss in Dortmund und Stuttgart. Er betreut dort Mandate für Porsche, Bosch, Grundl Leadership Institut, Signal Iduna und Borussia Dortmund. Er ist Mitglied der Handelsblatt-Akademie und unterstützt die Juries von Best of Content Marketing, Econ Awards und Fox Awards.

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