Verantwortung tragen – Selbstwirksamkeit leben

Der Newsroom bildet die Herzkammer der Kommunikation. Hier werden Nachrichten empfangen, weitergegeben und verarbeitet. Neben Strategieteam, Medien- und Themendesks sitzt hier der CvD, der Chef vom Dienst. Er ist für die Leitung des Kommunikationsprozesses verantwortlich. Er trägt Verantwortung, leitet an und muss gleichzeitig Vertrauen leben.

Führen, Moderieren, Leiten. Das Aufgabenspektrum eines CvD ist groß. Der Chef vom Dienst bekleidet im Newsroom die Rolle des Bindeglieds zwischen Themendesk und Mediendesk und ist damit Vermittler zwischen Unternehmen und Medium. Er leistet die nötige Kommunikationsarbeit, indem er Arbeitsaufträge an Themendesks und Mediendesks weiterleitet.

Die Leitung einer Redaktionskonferenz erfordert sowohl Autorität als auch Verständnis. Daher ist es wichtig, die Position mit einer erfahrenen Persönlichkeit zu besetzen. Der CvD muss journalistisch denken, entscheidungsstark handeln und darf nie den Überblick verlieren. Es ist eine Aufgabe, die Fingerspitzengefühl und mitunter Entscheidungsgewalt erfordert – nicht selten verbunden mit daraus entstehendem Konfliktpotenzial.

Der CvD als Führungskraft trägt also Verantwortung, muss sie aber gleichzeitig weitergeben. Er lebt Selbstwirksamkeit, will diese gleichzeitig aber auch bei anderen hervorrufen.

Verantwortung als Begriff

Die Psychologie beleuchtet mit Blick auf den Begriff Verantwortung gleich mehrere Aspekte: Die Attribution spielt dabei eine wichtige Rolle, denn sie bezeichnet das Zuschreiben von Ursachen zu Ereignissen und Verhalten. Kurz: Sie stellt ganz konkret die Frage, wer hat welche Erwartungen an den Verantwortlichen in seiner jeweiligen Rolle?

Die Normen, nach denen hier gehandelt wird, richten sich dabei immer auf zwei Werteräume. Der erste ist die Gesellschaft, die äußere Welt, in der das Thema Verantwortung sichtbar angenommen wird. Der zweite Wertungsraum dagegen ist das Selbst, die inneren Vorgänge des Menschen, die eigenen Gedanken zur Verantwortung.

Im Falle des CvD steht die Aufmerksamkeit auf sein eigenes Verantwortungsbewusstsein im Vordergrund, um sich als selbstverantwortliche Person öfter und stärker einzubringen. Diese hohe Verantwortungsorientierung bedeutet aber gleichzeitig eine hohe Ergebnisorientierung.

Die Position des CvD erfordert einen mehrdimensionalen Blick auf Verantwortung

Im Zuge der Betrachtung des äußeren Verantwortungsbewusstseins, gilt es hingegen, die Aufmerksamkeit den Mitarbeitern und ihrem Verantwortungsbereich zu widmen. Es ist wichtig, mit ihnen gleichermaßen über Verantwortung zu sprechen und ein Erleben der Selbstwirksamkeit hervorzurufen.

Eine Führungsperson, deren Verantwortungsqualität hoch sein soll, muss Projekte so an Mitarbeiter weiterleiten, dass das Resultat zufriedenstellend und wirkungsvoll ist. Dazu bedarf es der richtigen Einschätzung. Identifizieren sich Mitarbeiter erst einmal mit der an sie herangetragenen Verantwortung, ist das Resultat eine steigende Motivation im Unternehmen sowie eine bessere Qualität der Arbeit.

Der CvD ist im Kern ein Gestalter – mit einer klaren Vorstellung von Verantwortung.

Und um Selbstwirksamkeit zu leben, muss er an sie glauben.

Wie entwickeln wir eine solche Führungskraft?

Führungskräfte und Nicht-Führungskräfte unterscheiden sich noch immer kaum in ihrer Verantwortungsqualität“, sagt Boris Grundl. Unterschiede finden sich lediglich in der Erfahrung und gegebenenfalls im Alter. Die daraus resultierende Frage muss also lauten: Ist eine Führungskraft noch Vorbild und muss sie überhaupt noch als solches agieren?

Es ist die Aufgabe einer Führungskraft, wie dem CvD, den Unternehmenserfolg zu steigern, Verantwortung abzugeben und durch den eigenen Umgang mit dem Thema ein Vorbild zu sein. Daraus entsteht eine Vertrauenskultur, ein Austausch auf allen Ebenen. Denn obwohl das Aufgabenspektrum eines CvD das Leiten beinhaltet, ist es in diesem Fall mehr ein Anleiten und Heranführen an die einzelnen Aufgaben. Begründet durch das eigene Selbstwertgefühl ist es immer schwerer, die eigenen Grenzen zu erkennen, als die anderer Menschen. So ist der CvD ein Vorbild im Tragen der eigenen Verantwortung und Zuge dessen eben auch für das Erleben der Selbstwirksamkeit.

Führen, Moderieren und Leiten. Sich seiner Verantwortung bewusst sein und gleichzeitig durch das Erleben der Selbstwirksamkeit Grenzen erkennen und Aufgaben weitergeben. Verantwortung tragen und sie tragen lassen – das ist Leadership.

Ihr Christoph Moss
Mitarbeit: Sophie Moss

Bildquelle: © Pexels Pixabay

Über den Autor

Christoph Moss
Christoph Moss

Prof. Dr. Christoph Moss unterrichtet Kommunikation und Marketing an der International School of Management in Dortmund und Köln. Er gilt als Experte für Newsroom-Organisation und hat schon zahlreiche Projekte dazu umgesetzt – etwa bei Siemens, Fraport oder Datev. Seine Kernbotschaft lautet: „Der Newsroom beginnt im Kopf“. Unternehmen müssen lernen, Themen zu steuern. Dies bedeutet Vertrauen, Transparenz, Planung und Veränderung.

Neben Stationen an weiteren Hochschulen arbeitete Christoph Moss bei der Deutschen Bank sowie bei Sendern und Zeitungen in Düsseldorf, Passau, Dresden, Dortmund, Brüssel und Paris. Er war Verantwortlicher Redakteur beim Handelsblatt und leitete die Georg-von-Holtzbrinckschule für Wirtschaftsjournalisten. Christoph Moss ist Buchautor sowie geschäftsführender Gesellschafter der Newsroom-Agentur Mediamoss in Dortmund und Stuttgart. Er betreut dort Mandate für Porsche, Bosch, Grundl Leadership Institut, Signal Iduna und Borussia Dortmund. Er ist Mitglied der Handelsblatt-Akademie und unterstützt die Juries von Best of Content Marketing, Econ Awards und Fox Awards.

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