Schaffen Sie Raum für Identifikation

„Sie müssen sich mit den Werten der Firma und ihren Produkten identifizieren!“, proklamiert die Führungskraft. Oft zitiert. Leicht gesagt. Schwer erreicht. Die Frage ist: Wie entsteht Identifikation? Muss sich das Unternehmen seinen Mitarbeitern so aufdrängen, dass aus Identifikation ohne deren Zutun sogar Infektion werden kann? Oder ist Identifikation eine Holschuld? Jedes Unternehmen wünscht sich Mitarbeiter, die sich mit ihrem Arbeitsplatz, ihren Führungskräften, den Produkten, den Kunden und dem Unternehmenszweck identifizieren. Aber kaum eines beschäftigt sich systematisch mit diesem Kernthema.

Die Verantwortung bezüglich Hol- und Bringschuld lässt sich mit einem Blick in eine Patchworkfamilie erfassen. Wie lerne ich, ein Kind zu lieben (identifizieren), das nicht meine Gene hat (Ziel von jemandem anderen vorgegeben)? Der Schlüssel: indem ich mich mit dem Kind beschäftige. Denn je mehr ich mich ihm gegenüber öffne und mich ihm widme, desto eher wächst es mir ans Herz (Identifikation). Aber wenn sich das Kind nicht auf mich einlässt, wird daraus ebenfalls nichts. Der Wille beider ist also nötig. Übertragen auf das Geschäftsleben heißt das: Beide Seiten müssen sich bemühen – unter Orientierung an der Führungskraft.

Mit Veränderungen beschäftigen

Wie geht das? Geben Sie Ihren Mitarbeitern Raum und Zeit, sich mit neuen Ideen, Produkten und Veränderungen zu beschäftigen. Aber fordern Sie dieses Beschäftigen auch ein. Schon interessant: Manche Führungscrew zieht sich am Ende einer Findungsphase auf den Berg Sinai zurück, um sich auf einen Wandel einzuschwören. Zurück vom Berg sollen die Mitarbeiter sofort den Wandel mitgehen, obwohl ihnen die Zeit des „sich länger damit beschäftigen“ nicht gegeben wurde. Dass es dann Widerstände gibt, liegt auf der Hand. Sich selbst die Zeit geben, den anderen aber nicht: Wie soll das funktionieren? Das geht nur, wenn die Mitarbeiter als unmündige Leibsklaven gehalten werden.

Auch die Identifikation mit einem Menschen entsteht nach einer klaren Systematik. Geben Sie sich stimmig! Mit Ihren Stärken und Ihren Schwächen. Für Ihre Stärken werden Sie respektiert, für Ihre Schwächen geliebt! Doch bitte stehen Sie zu ehrlichen Schwächen, nicht zu Schwächen, die eine verkappte Stärke sein sollen wie etwa Ungeduld. Nur, wenn Sie zeigen, wer Sie wirklich sind, können Ihre Mitarbeiter selbst herausfinden, was sie an Ihnen nachahmenswert finden. Menschen brauchen zur Orientierung heute keinen Supermann (Idealismus), sondern Ehrlichkeit (Realismus).

Aktiv bemühen

Lassen Sie mitreden und mitgestalten, ohne sich in alles hineinreden zu lassen. So schaffen Sie Raum für Identifikation. Doch der Mitarbeiter muss sich auch identifizieren wollen. Machen Sie das klar, und fordern Sie dies auch ein! Sich aktiv um Identifikation zu bemühen, ist ein Zeichen von Klugheit. So schafft jeder seine eigene Antriebsquelle und macht sich weniger abhängig von äußeren Faktoren.

Auch Produkte sind Identifikationsquellen! Ein Opelaner, der einen Golf fährt, setzt ein schlechtes Zeichen. Wenn ein paar Opelaner einen Golf fahren, ist das ok. Wenn es aber eine Mehrzahl macht, dann stimmt etwas mit dem Markenkern nach innen nicht. Stimmt er nach innen nicht, ist es nur eine Frage, bis es im Außen (beim Kunden) ankommt. Deswegen braucht es tolle Produkte, und es braucht Mitarbeiter, die sich gerne auf die tollen Produkte einlassen wollen.

Identifikation als enorme Kraftquelle

Nur, wer sich tiefer auf Aufgaben, Ideen und Werte einlassen kann, erfährt Erfüllung und reifes Glück – privat und beruflich. Dabei geht es nicht um totale Überschneidung, sondern um eine passende, stimmige Schnittmenge. Führungskräfte sollten den Raum dafür geben, und Mitarbeiter sollten diese Einladung dankend annehmen. Das ist klug und smart. Dumm ist es dagegen, zu viel vom Unternehmen oder zu viel vom Mitarbeiter zu fordern. Einfach gesagt. Schwer umgesetzt. Nur, wenn sich beide Seiten ständig an dieser Verantwortung orientieren, wird ein hohes Maß an Identifikation erreicht und damit eine sich selbst nährende Kraftquelle. Gestatten Sie mir eine Frage: Wie viel Raum für Identifikation ermöglichen Sie jeden Tag?

Fußball-WM: Identifikation leitet Motivation

Zum Thema Identifikation – und wie daraus Motivation entstehen kann – spreche ich auch in meiner Videoserie „Grundls Gründe“. Aktueller Anlass? Natürlich die Fußball-Weltmeisterschaft! Aus welcher Motivation heraus schauen Sie zum Beispiel die WM-Spiele? Weil Sie sich mit einer Nation identifizieren? Weil Ihnen die Qualität einer Mannschaft oder ein bestimmter Fußballspieler gefallen?

Die Identifikation mit einer Nation, einer Mannschaft oder einem Spieler kann ganz unterschiedlich sein und Ihre Motivation leiten. Im Video lade ich Sie ein, die Frage nach der Identifikation auf Ihren Alltag zu übertragen und Ihre Motivation zu hinterfragen. So können Sie sehr viel über sich selbst lernen und Ihre Aufmerksamkeit gezielt lenken – damit Sie der Beste werden, der Sie sein können. Das Video finden Sie hier.

Bildquelle: © Free-Photos Pixabay

Über den Autor

Boris Grundl
Boris Grundl

Boris Grundl durchlief eine Blitzkarriere als Führungskraft und gehört als Führungsexperte und mitreißender Kongress-Redner zu Europas Trainerelite. Er ist Management-Trainer, Unternehmer, Autor sowie Inhaber der Grundl Leadership Akademie.

Boris Grundl perfektionierte die Kunst, sich selbst und andere auf höchstem Niveau zu führen. Er ist ein gefragter Referent, Gastdozent an Universitäten und erforscht das Thema Verantwortung (www.verantwortungsindex.de). Seine Referenzen bestätigen seine Ausnahmestellung unter den Spitzen-Referenten. Keinem wird eine so hohe Authentizität und Tiefgründigkeit bescheinigt. Er redet Klartext, bleibt dabei stets humorvoll und bringt die Dinge präzise auf den Punkt. Boris Grundl ist als prominenter Experte gern gesehener Gast und Protagonist in Fernsehen und Radio (u.a. ARD, ZDF, WDR, MDR, 3sat, SWR, RBB, FFH). In Großvorträgen gibt er Schülern wegweisende Impulse für ein eigenverantwortliches Leben. Boris Grundl ist „der Entwickler“ (Harvard Business Manager). Starke Rede – tiefer Sinn.

Seine Grundl Leadership Akademie befähigt Unternehmen, ihrer Führungsverantwortung gerecht zu werden. Aus der Praxis für die Praxis. Die Akademie macht mit der Menschenentwicklung dort weiter, wo die meisten Managementlehren aufhören. Menschen fördern – mit System.

Mehr Informationen unter www.borisgrundl.de.

3 Kommentare

Kommentar hinterlassen
  • Sehr geehrter Herr Grundel,
    Als Abteilungsleiter lese und schätze ich Ihre Themen sehr. Ich habe über den zweiten Bildungs Weg bis hin zum eBBA viele Weiterbildungen durchlaufen. Daher weiß ich, das in all diesen Ausbildungen nicht das gelehrt wird was Führungsräfte und ihre Mitarbeiter zu einem effektiven Team zusammenschweißt. Mir selbst ist der Durchbruch erst mit meiner NLP Ausbildung gelungen und es ist noch weiterhin Luft nach oben. Aus meiner Erfahrung gehört von Seiten der Firmen auch die Gestaltung des Umfeldes ganz stark mit dazu. Und dazu gehört das Thema „Macher, Mitmacher und Miesmacher“ dazu. Was würden Sie dies bezüglich Firmen raten?
    Es würde mich freuen wenn sie zu den 3M einen Blog machen würden.

    MfG
    Wilfried Back

  • … ein wunderbares Thema, das gleich mehrere Mitglieder meiner Familie, mich eingeschlossen, begleiten und sicherlich hilfreich sein wird in den nächsten Wochen. Viele Veränderungen stehen an, z. B. 2 Kinder und ein drittes, das sich dazu gesellen wird… Start einer Ausbildung meiner Tochter… ein Freund, der vor einer beruflichen Veränderung steht. Mein Mann, die Führungskraft, liest ihn hoffentlich auch. 😉
    Ich werde sie alle mit Ihrem Beitrag versorgen und…
    Ihnen allen wünsche ich eine gute Woche.

    Freundliche Grüße aus Berlin
    ingrid glodde

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sie können folgende HTML-Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>