Reiz vs. Reaktion

„Das Grundl Leadership Institut erforscht und lehrt hochwertige Unterscheidungen, damit Ihr Leben zum besten Lehrer wird.“

Diese Aussage ist der Kern unseres „Mission Statements“ und bildet den Grundstock unserer Arbeit. Mit „Unterscheidungen“ sind die Grundtätigkeiten unseres Denkens und Handelns gemeint. Wie wir über die Dinge denken und wie wir unser Denken ins Handeln und Wirken bringen.

Als wir den Teamentschluss fassten, uns mit unseren eigenen und ganz persönlichen Unterscheidungen für unsere Leser zu öffnen, wusste ich sofort, dass ich daran mitwirken würde. Wie für meine Teamkollegen begann auch für mich eine spannende Zeit des Reflektierens und Hinterfragens. Es folgten Eingeständnisse, viel Emotionen und eine große Erkenntnis.

Mein Name ist Johanna Kersten

Ich besetze im Institut die Stelle der Assistenz der Geschäftsleitung und möchte Sie im Folgenden ein wenig an meinem persönlichen Weg zur Transformation teilhaben lassen. Als Assistenz liegen unterschiedliche Bereiche in meiner Verantwortung. Vom Controlling über buchhalterische Tätigkeiten bis hin zum Kundenkontakt. An meiner Arbeit schätze ich vor allem die Abwechslung, die vielseitigen Bereiche und die Spontanität der Arbeitsaufträge.

Aber auch in meiner Position als Mutter eines zweijährigen Sohnes und Hausfrau in Teilzeit bin ich es gewohnt, schnell auf Reize zu reagieren und die Arbeit so zu nehmen, wie sie anfällt. In meinem Alltag ist es wichtig, die Dinge in die Hand zu nehmen. Darin liegt meine Stärke. Ich bringe Prozesse schnell voran. Wer sich an mich wendet, bekommt innerhalb kürzester Zeit Ergebnisse. Und das gibt mir Befriedigung. Es gibt kaum einen Tag, an dem ich nicht auf so einiges Geleistetes zurückblicken kann. Dieses Tempo gehört zu meinen Stärken. Und doch – beim genauen Hinsehen und Reflektieren – stoße ich mit dieser Herangehensweise immer wieder an Grenzen.

Gefahr des unterbewusst gesteuerten Handelns

Denn das Prinzip des „Reagierens“ und des unterbewusst gesteuerten Handels birgt seine Gefahr. So kommt es immer wieder dazu, dass ich mich „gehetzt“ fühle und mit meiner Strategie des „Abarbeitens“ ins Straucheln gerate. Was ich mir für den Tag vornehme, wird nicht selten von den Plänen und Vorhaben anderer durchkreuzt. Ich verliere meine eigenen Ziele aus dem Blick und mache durch mein hohes Arbeitstempo immer wieder Leichtsinnsfehler. Das frustriert und ärgert mich.

Ich möchte Entscheidungen bewusst treffen. Meine eigenen Vorhaben klar und deutlich vor Augen bewahren. Ich möchte selbst Herr über mein Handeln sein und an der einen oder anderen Stelle auch gestalterisch wirken. Doch wie?

Reiz vs. Reaktion

Freiheit für bewusste Entscheidungen

Um die unbewusste Reiz-Reaktionskette zu durchbrechen, braucht es einen Raum. Eine Art Pause, in der eine bewusste Entscheidung getroffen werden kann. Diesen Raum nennen wir im Institut „Freiheit“. In der Pause gewinne ich die Freiheit, bewusste Entscheidungen zu treffen und mich in meinem Handeln neu auszurichten.

Das bedeutet konkret, immer wieder vor der Reaktion auf einen Reiz (zum Beispiel ein unerwarteter Arbeitsauftrag) geistig einen Schritt zurückzutreten und durchzuatmen. Manchmal diesen auch hinten an zu stellen, um eine neue Perspektive gewinnen zu können. Es bedeutet, abzuwarten und anstelle einer vorschnellen Reaktion, die Dinge in eine neue Richtung zu lenken.

Die Ergebnisse sprechen für sich

Ich arbeite täglich an meiner Unterscheidung und möchte ehrlich sein: Manchmal fühlt es sich an, als würde ich mich selbst ausbremsen. Ich spüre regelrecht den Widerstand, der in mir entsteht, wenn ich zwei Gänge zurückschalte, um dann kurz ganz ins Stehen zu kommen (denn aktiv und mit hohem Tempo fühle ich mich so viel produktiver!). Es fällt mir auch manchmal richtig schwer, von der kognitiven Ebene des Reflektierens auf die Ebene des Handelns und somit des Wirkens zu kommen. Aber die Ergebnisse sprechen für sich und spornen mich an, dran zu bleiben. Pausen in meine Arbeit zu integrieren, um immer wieder innehalten, nachdenken und entscheiden zu können, gehört nun zu meinen neuen alltäglichen Herausforderungen. Und zwar nicht nur im Arbeitsalltag, sondern auch in meinem privaten Kontext.

Liebe Leser, falls Sie sich durch meinen persönlichen Bericht angesprochen fühlen oder mit mir ins Gespräch kommen wollen, können Sie dies sehr gerne über die Kommentarfunktion.

Ich würde mich auf einen Austausch mit Ihnen sehr freuen.

Ihre Johanna Kersten

Bildquelle: Pixabay © alfcermed

Über den Autor

Johanna Kersten
Johanna Kersten

Johanna Kersten arbeitet und wirkt im Grundl Leadership Institut als Assistentin der Geschäftsleitung. In dieser Funktion behält sie alle internen Abläufe im Blick. Sie stellt Dinge klug infrage und schaut kritisch auf Abläufe und Vorgänge. Das Grundl Leadership Institut erforscht und lehrt hochwertige Unterscheidungen. Als wertvolles Teammitglied möchte Johanna Kersten daher die Blog-Leser gerne an ihren eigenen Erfahrungen zu diesem Thema teilhaben lassen – ihren ganz persönlichen Unterscheidungen und Herausforderungen im Alltag.

Mit ihrer Grundausbildung zur Logopädin bringt Johanna Kersten besondere Erfahrungen im Thema „Führung und Verantwortung“ mit. Ihr ist bewusst und sie erfuhr selbst, was Führung im therapeutischen Setting bedeutet sowie welch hohen Stellenwert das Thema Verantwortung in Kommunikation und Interaktion einnimmt. Mit ihrem körpertherapeutischen Hintergrund interessiert sich Johanna Kersten besonders für das „Wie“ und die Umsetzung persönlicher Veränderungsprozesse.

4 Kommentare

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  • Hallo Johanna,

    ein toller Artikel mit einem pragmatischen Rezept, welches sich in verschiedensten Lebensbereichen effektiv umsetzen läßt – sowohl beruflich als auch privat. Der Schritt zurück hilft tatsächlich im gefühlten Chaos den Überblick und die Ruhe zu bewahren bei der Strukturierung und Priorisierung/Fokussierung auf wesentliche (insbes. wertschöpfende) Tätigkeiten und beim gezielten Einsatz der verfügbaren Energie (im Sinne ‚weniger ist oft mehr‘ oder auch ‚Brennglas anstatt Gießkanne‘). Weiter so!

    Viele Grüße
    Thomas

    • Hallo Thomas,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      Genau, es geht um den „inneren Schritt zurück“, der überhaupt erst „Raum“ für Veränderung entstehen lässt.
      Dank für diese treffende Zusammenfassung.

      Viele Grüße zurück,

      Johanna

  • Guten Morgen Johanna Kersten,
    Ihr Text kommt mir heute morgen genau richtig, mir geht es genauso.
    Mutter , Arbeit in unterschiedlichen Bereichen,
    „An meiner Arbeit schätze ich vor allem die Abwechslung, die vielseitigen Bereiche und die Spontanität der Arbeitsaufträge“
    Ich fühle mich gerade abgehetzt und Abgearbeitet…….mir fehlt die Freude und Leidenschaft, die ich immer hatte.
    Wie sind Sie diesen Weg zurückgegangen Pause, gedanklich …
    Wie ist Ihnen das gelungen..
    Wie hat es gewirkt…
    Das würde mich sehr interessieren.
    Beste Grüße aus Wuppertal
    Christine Bornträger

    • Guten Morgen Frau Bornträger,

      vielen herzlichen Dank für Ihre Nachricht.

      Was mir besonders dabei hilft, mich in meinem Tempo zu bremsen sind im Wesentlichen zwei Dinge:

      – verstärkt Verbindlichkeit mir selbst gegenüber einzugehen (ganz klassisch über „To – Do“ Listen) und
      – mich auf den Tag im Voraus „einzustellen“. „Was will ich heute Abend getan haben, wenn ich auf den Tag zurückblicke?“

      Meine Erfahrung ist, wenn erst mal die innere Hektik und die Geschwindigkeit nachlassen, sind Pausen einfacher zu etablieren.

      Mich würde sehr interessieren, ob Sie damit etwas anfangen können und wie Ihr Weg aussieht.

      Beste Grüße zurück

      Johanna Kersten

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