„Nein“ sagen: So lernen Sie bewusste Zurückweisung

Wie wichtig ist es Ihnen, was andere Menschen von Ihnen denken? Was tun Sie, damit Sie gut dastehen? Können Sie zu dem stehen, wer Sie wirklich sind? Oder erwischen Sie sich häufiger dabei, eine Rolle zu spielen, von der Sie denken, dass andere sie sehen möchten? Weil wir einem Image entsprechen möchten.

Wie verändern wir unser Verhalten, unser Aussehen oder gar unsere eigene Geschichte, um vor anderen Menschen vermeintlich besser dazustehen. Welche Auswirkung hat das auf die Fähigkeit, unsere Meinung zu äußern – und damit auch „Nein“ sagen zu können?

Die Anerkennung anderer bestimmt unser Handeln

„Nein“ sagen. Wir lernen es in unseren frühesten Kindertagen, und doch fällt es vielen Menschen im weiteren Leben schwer, bewusst ablehnend zu reagieren. Einige haben dagegen keine Schwierigkeiten damit, sich zurückweisend zu äußern.

Um zu erkennen, wieso Menschen so verschieden mit dem Neinsagen umgehen, schauen wir auf das menschliche Bedürfnis nach Anerkennung. Es gibt zwei verschiedene mentale Zustände, die uns unterschiedlich mit Anerkennung und ihren Folgen umgehen lassen: Den äußeren Bezugsrahmen der Anerkennung und den inneren Bezugsrahmen der Anerkennung. Beide sind bei jedem Menschen sowohl einzeln als auch im Verhältnis zueinander unterschiedlich stark ausgeprägt. Aber was bedeutet „Bezugsrahmen unserer Anerkennung“?

Wir erfahren Anerkennung, indem wir uns so verhalten, wie oft außen gewünscht und das sagen, was andere hören möchten.

Wir alle kennen Situationen, in denen wir auf das Lob und die Zustimmung anderer angewiesen sind. Sei es für eine Leistung, die wir erbracht haben oder für unser äußerliches Erscheinen und Auftreten. Durch eine positive Rückmeldung von außen, fühlen wir uns auch innerlich besser. Genauso funktioniert es auch mit negativem Feedback. Wir orientieren uns an den Aussagen anderer und stellen uns so vor, wie andere uns gerne sehen möchten. Daran richten wir dann unser weiteres Vorgehen aus. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ist das völlig normal und kann darüber hinaus auch hilfreich sein. Doch was ist, wenn wir dadurch ein Bild unseres Selbst kreieren, das wir gar nicht sind?

Durch innere Anerkennung lernen wir, „Nein“ zu sagen

Indem wir ständig darum bemüht sind, unserer Umwelt zu gefallen, verlieren wir nach und nach unsere wahre Identität, und damit auch unsere Fähigkeit, „Nein“ zu sagen. Oft ist uns das gar nicht bewusst. Wir verhalten uns unbewusst inkompetent.

Doch auch die Ausrichtung unseres Bezugsrahmens der Anerkennung nach innen beeinflusst unser Erscheinen vor anderen. Die Ausrichtung nach innen bedeutet, sich vorrangig auf eigene Erfahrungen und Empfindungen aus der Vergangenheit zu verlassen und intrinsisch zu handeln. Menschen mit dieser Eigenschaft tragen ihre Anerkennung von innen nach außen und sind so weniger auf die Rückmeldung anderer angewiesen. Das kann sowohl positive als auch negative Folgen nach sich ziehen.

Beziehen wir alles, was wir in der Welt erleben, nur auf unsere eigenen Erfahrungen, kann es uns schwerfallen, mit anderen Menschen in einen Austausch zu treten und so verschiedene Sichtweisen zu erlangen. Jedoch: Diese charakterliche Eigenschaft hilft, ein „Nein“ zu äußern und zu sich selbst zu stehen.

Erkennen Sie bewusst, dass wir „Nein“ sagen nur lernen können, indem wir …

  • uns die unbewusste Inkompetenz, unser Verhalten nach den Wünschen anderer zu richten, bewusstmachen.
  • den inneren Bezugsrahmen nutzen, um intrinsisch zu handeln.
  • eine Symphonie der beiden mentalen Zustände erschaffen und kein Schwarz-Weiß- Denken stattfindet.

Die Antwort „Nein“ liegt in der goldenen Mitte

Wenn wir wissen, was wir wirklich wollen und wer wir sein möchten, unabhängig von den Meinungen anderer, dann fällt es uns leichter, das zu sagen, was wir wirklich meinen. Wir machen uns frei von dem Bild, anderen gefallen zu wollen und richten unser Verhalten stattdessen nach unserem eigenen Charakter aus, oft unbewusst und ohne eine bestimmte Absicht.

Das kann helfen, aber auch hindern. Denn in einigen Situationen, am Schreibtisch in der Arbeit oder im Alltag zu Hause, ist der äußere Bezugsrahmen wichtig. Verlieren wir diesen vollkommen, kann das auch Selbstzerstörung durch die Entfernung von anderen Mitmenschen bedeuten.

Inwieweit wir unseren Bezugsrahmen der Anerkennung nach außen oder nach innen richten, variiert von Mensch zu Mensch. Erst im Zusammenspiel dieser beiden mentalen Zustände, ergibt sich die Möglichkeit, das „Nein“ zu sagen zu erlernen.

In der goldenen Mitte liegt die Kraft unseres Handelns und unseres Könnens. Wenn wir versuchen, unser Bedürfnis nach Anerkennung bewusst wahrzunehmen, dann können wir der Beste unser Selbst sein.

Die Orientierung an unserer Umwelt und der Ausrichtung unseres Verhaltens in diese Richtung ist nicht grundlegend falsch. Genauso wenig ist es nicht verwerflich, Anerkennung durch sich selbst zu erfahren. Es geht vielmehr darum, die beste Zusammensetzung zu finden und das Richtig-oder-Falsch-Denken abzulegen.

Die Frage, in welcher Situation wir welche mentale Fähigkeit mehr benötigen, können wir selbst nur beantworten, wenn wir uns bewusst dafür entscheiden, unsere Charaktereigenschaften im Wechselspiel stattfinden zu lassen und wir uns auf das Grau zwischen dem Schwarz und dem Weiß einlassen.

Unsere Aufgaben für Sie:

Reflektieren Sie: In welchen Situationen orientieren Sie sich zu stark an Ihrer Umwelt? Kommen Sie bewusst zu sich selbst und lösen Sie sich von der Rolle, die Sie meinen, für andere spielen zu müssen. Ein bewusstes „Nein!“ ist ebenso wichtig wie ein gewolltes „Ja!“.

Schauen Sie auch darauf, wann Sie sich eventuell zu stark auf Erfahrungen aus der Vergangenheit berufen. Erkennen Sie, dass Sie in der Lage sein sollten, Ihr geäußertes „Nein“ auch zu erklären, um Ihrem Gegenüber nicht ein Gefühl der Zurückweisung zu geben.

Nutzen Sie diese Differenzierung der beiden mentalen Zustände, um neue Fähigkeiten zu entwickeln und bereits erlangte zu optimieren.

Ihr Team vom Grundl Leadership Institut

Über den Autor

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Die Redaktion der Grundl Leadership Institut schreibt über verschiedene Facetten von Führung wie Führungsverantwortung und systematische Menschenentwicklung. Das Redaktionsteam transferiert in den Beiträgen relevante Managementlehren in die Praxis und greift damit wirkungsvoll den Leading Simple©-Gedanken des Grundl Leadership Institut auf: Menschen fördern – mit System.

Der intensive Austausch mit Boris Grundl und den Trainern des Grundl Leadership Institut liefert kontinuierlich neue Impulse, einzelne Aspekte von Führung zu beleuchten und Handlungsempfehlungen aufzuzeigen.

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