Durch bildhafte Sprache Menschen leichter erreichen

Eine Seminarteilnehmerin fragte mich vor einiger Zeit um Rat: „Während meiner Meetings gibt es immer wieder Teilnehmer, die sich dermaßen im Detail verrennen, dass das Meeting aus allen zeitlichen Vorgaben platzt. Es ist schwer, die Teilnehmer wieder zurückzuholen.“ Auf die Frage, wie sie diese Situationen derzeit lösen würde, antwortete sie: „In der Regel halte ich es aus, ärgere mich und sage nichts.“

Ich empfahl ihr daraufhin, das Meeting mit einer Metapher oder einem bildhaften Einstieg zu starten. Daraufhin leitet sie das nächste Treffen wie folgt ein: „Willkommen zum heutigen Meeting. Für einen reibungslosen Ablauf werden wir heute erst auf Reiseflughöhe gehen. Das heißt, wir werden uns wie ein Passagier-Jet zwölf Kilometer über der Erde fliegend, die Themen im Überblick anschauen. Sobald wir das gemacht haben, wird Platz sein, um einzelne Bereiche nochmals aus der Helikopter-Sicht zu betrachten. Hier ist Raum für Detailfragen, genauso wie ein Helikopter die Welt wesentlich detaillierter sieht. Ist das Vorgehen so für die Teilnehmer in Ordnung?“

Nach zwei Wochen rief sie mich an und erklärte: „Die Flugzeug-Metapher ist jetzt in Meetings der Running-Gag. Die Teilnehmer richten sich öfter danach und rutschen weniger ins Detail ab …“ Lassen Sie uns in diesem Beitrag erörtern, wie es zu diesem Ergebnis kommen konnte …

Was ist eine Metapher?

Zunächst schauen wir darauf, was Metaphern im ursprünglichen Sinne sind: Das Wort „Metapher“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Übertragung“. Man spricht von einer Metapher, wenn ein Satz / Wort nicht wörtlich, sondern im übertragenen Sinne, also bildhaft, gemeint ist. Beispiele:

  • „Ich bin hin- und hergerissen.“
  • „Ich bin aus allen Wolken gefallen.“
  • „Er wird sein blaues Wunder erleben.“
  • „Seine Art und Weise bricht mir das Herz.“

Warum sind Metaphern wirkungsvoll in der Kommunikation?

Über Metaphern und Sprachbilder erreichen wir andere Menschen wesentlich schneller. Sie aktivieren, motivieren und beleben die Kommunikation. Gleichzeitig tragen bildhafte Aussagen dazu bei, komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären. Um sicherzustellen, dass Informationen beim anderen zügiger ankommen, sind sie optimales Transport-Vehikel. Das hat verschiedene Gründe, die sich durch die Hirnforschung besser erklären lassen.

Je stärker das Gehirn Dinge an bereits Vorhandenes an- und miteinander verknüpfen kann, desto leichter gelingt es, sich etwas zu merken. Die schönste Form, sich etwas zu merken, ist, es in Bildern auszudrücken. Wir denken sehr gerne in Bildern. Sie sind nicht nur kognitiv, sondern auch emotional reichhaltiger. Deshalb nutzen beispielsweise Politiker auch Metaphern so gerne. In Wirklichkeit helfen wir uns damit gegenseitig, Bilder in unserem Hirn zu erzeugen. Ziel: ein höheres und schnelleres Verständnis!

„Emotion is the fast lane to the brain!“ – Doug Stevenson –

Nachstehen finden Sie drei Beispiele, die spielerisch und einfach darstellen, wie man einen rationalen Sachverhalt emotional und in Bildern erklären kann:

Bild 1: „Der Marathon“

Sachverhalt: Ein Jugendlicher denkt aufgrund eines schlechten Zeugnisses an das frühzeitige Abbrechen der Schullaufbahn.

Rationale Aussage: „Gib nicht auf. Ich glaube du wirst es schon schaffen. Bleib dran!“

Emotionales Bild: „Die Schullaufbahn lässt sich mit einem Marathon vergleichen. Es gibt viele Höhepunkte (Wasserstelle, Beifall der Zuschauer, Gedanken des Sieges), aber auch Tiefpunkte (Krämpfe, Gedanken des Aufgebens, Zweifel). Wichtig ist, sich bewusst zu machen, dass es eben gute und weniger gute Phasen gibt!“

Bild 2: „Das Flugzeug“

Sachverhalt: Eine Person hilft anderen zu viel und vernachlässigt sich dabei selbst.

Rationale Aussage: „Achte mehr auf dich selbst, du kannst nicht immer nur den anderen helfen!“

Emotionales Bild: „Mit dem Helfen anderer Personen ist es wie im Flugzeug bei einem Druckverlust. Dort heißt es: Ziehe erst dir selbst die Sauerstoffmaske über und helfe dann den anderen Personen neben dir. Sorge erst für dich selbst und dann für die anderen.“

Bild 3: „Die Hebamme“

Sachverhalt: Ein Trainer will dem Seminarteilnehmer empfehlen, mehr Fragen in Mitarbeitergesprächen zu stellen, als Ratschläge zu geben (siehe Beitrag von Johannes Rascher „Fragen oder Sagen? Das ist hier die Frage!“).

Rationale Aussage: „In der Führung ist es wichtig, den Anteil der Fragen zu erhöhen und weniger Ratschläge zu geben.“

Emotionales Bild: „Mit dem Fragen und Sagen ist es so wie mit einer Hebamme. Was macht eine Hebamme? Richtig, sie hilft bei der Geburt, Babys auf die Welt zu holen. Sie bringt etwas zum Vorschein und fügt der Mutter nichts Neues hinzu. Das Gleiche gilt bei Mitarbeitern. Es ist wirkungsvoller, durch Fragen Informationen hervorzuholen, als durch ständige Ratschläge neue Sachen aufzubürden!“

Merken Sie den Unterschied zwischen den rationalen und emotionalen Aussagen?

Selbstverständlich sind der Kreativität für die Erstellung von Bildern keine Grenzen gesetzt. Ich lade Sie dazu ein, sich auszuprobieren und Ihren ganz persönlichen Weg zu finden, Ihre Mitmenschen schneller durch eine bildliche Sprache zu erreichen.

Herzlichst,

Arian Steinkopf

Bildquelle: © schmidtie Pixabay

Über den Autor

Arian Steinkopf
Arian Steinkopf

Arian Steinkopf schloss seinen Master in Wirtschaftspsychologie an der Fachhochschule für angewandtes Management in Erding ab. In diesem Zusammenhang schrieb er seine wissenschaftliche Abschlussarbeit über das Führungssystem Leading Simple. Seit 2015 ist Arian Steinkopf Trainer beim Grundl Leadership Institut.

Sein Interesse an Führung entstand bereits während seines ersten dualen Studiums im Bereich Hotelmanagement und seiner Tätigkeit in der Spitzenhotellerie am Tegernsee. Schnell war ihm klar, dass die Fähigkeit, Kollegen oder Kunden zu führen, viel bedeutsamer ist, als er anfänglich erwartet hatte. In dem „Menschen-Business“ Hotellerie war er häufig mit Herausforderungen konfrontiert, sodass er sich immer wieder fragte, wie Kollegen nachhaltig zu führen sind. Auch privat kam er wiederholt an Grenzen, sich selbst wirkungsvoll zu führen.

Auf der Suche nach Antworten stieß er auf das Buch Leading Simple und die Seminare des Grundl Leadership Institut. Das hat seine Leidenschaft für das Führungssystem und die Akademie entzündet. Seitdem durchläuft er seinen ganz persönlichen Transformationsprozess und profitiert von einem erhöhten Bewusstsein zum Thema Führung und verbesserten Ergebnissen. Sein Ziel ist es nun, auch andere Menschen auf diesem Weg zu begleiten.

Arian Steinkopf ist überzeugt: Wer andere führt, sollte zuerst lernen, sich selbst besser zu führen.

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