Alles zu seiner Zeit!

„Wir sind eine große Familie!“ Dieses Mantra geistert durch zigtausende Firmenflure. Romantisierende Bilder an den Wänden, beschwörende Parolen in den Meetings, motivierende Sinnsprüche im Rundschreiben – all das soll zeigen: Wir sind mehr als ein Unternehmen, wir sind ein Ort der Nächstenliebe. Belegt ist, dass für Beziehungen in der sozialen Norm (privates Umfeld) mehr Einsatz gezeigt wird als in der Marktnorm (beruflich). Hat es da nicht Sinn, diese Schippe „extra Leistung“ mit dem „Familienmantra“ abzurufen?

Marktnorm heißt Marktgesetze: Erbringe Leistung. Erarbeite Nutzen für andere gegen Geld. Diese Welt ist nüchterner, kühler. Soziale Norm beschreibt die Gesetze der sozialen Bindung. Diese Welt ist wärmer, geprägt durch persönliche Nähe und verbindende Werte. In der Marktnorm geht es auch um Macht und Dominanz, im Sozialen um Akzeptanz und Augenhöhe. Warum entfernen wir beim Schenken das Preisschild? Damit das Geschenk Teil der sozialen Norm bleibt. Der Preis gehört zur Marktnorm. Sicher kennen Sie Menschen, die stark in der sozialen Norm sind und in der Marktnorm versagen und andere, bei denen es andersherum ist.

Die Zeit der Macher ist vorbei

In Unternehmen mit „Familienzwang“ erleben wir einen Zusammenprall dieser Normen. Was sich zunächst toll anhört, kommt als Bumerang zurück. Denn Zeiten ändern sich – Normen auch. Zu Zeiten der Industrialisierung gab es einen klaren „Familiendeal“. Der Chef: Ich gebe dir Sicherheit, du himmelst mich an! Die Arbeiter: Ich mach mich für dich, großer Macher, zum Leibeigenen. Du sorgst für mich! Doch diese Zeit ist längst vorbei. Heute scheitern viele daran, beide Normen auf hohem Niveau zu leben. Sie bekommen ihr Leben nicht in eine Balance.

Theodor W. Adorno über die soziale Norm:

„Geliebt wirst du einzig, wo du schwach dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren.“

Das aber funktioniert in einem Wirtschaftsunternehmen nicht. Denn egal wie menschlich es ist: Fehlt das Geld, kann es nicht mehr sozial sein. Menschen hingegen als soziale Wesen brauchen Nestwärme, und jeder muss für sein privates Nest sorgen. Wer dabei scheitert, sucht sein Nest am Arbeitsplatz. Und so sehen die Büros auch aus: Yukka-Palmen, fotografische Ahnengalerie, Gefriertruhe und Espressomaschine. Kein Wunder, dass so viele Probleme mit ihrer Work-Life-Balance haben. Sie brennen aus, ohne es zu bemerken.

Deswegen: Richten Sie Ihren Fokus immer auf beide Normen. Keine ist besser oder schlechter. Beide sind wichtig. Unreife heißt, eine der beiden Normen zu bevorzugen oder abzuwerten. Work-Life-Balance bedeutet nicht, tagsüber intensiv zu arbeiten und am Abend nach dem Jogging ein Glas Wein zu trinken. Die größten emotionalen Belastungen erleben Menschen im Konflikt von sozialer Norm und Marktnorm. Beide sind lebenswichtig, aber jede muss zu ihrer Zeit befolgt und gelebt werden.

Marktnorm definiert sich über Erfolg, soziale Norm über Erfüllung

Nehmen Sie in Ihrem Umfeld wahr, wer stark in der Marktnorm und schwach in der sozialen ist – oder umgekehrt. Es wird Ihnen wie Schuppen von den Augen fallen, wo unnötige Konflikte entstehen. Ab jetzt sind sie gewappnet. Sorgen Sie für klare Abgrenzung. Machen Sie es wie ich: Ich bin Führungsexperte. Ich lebe sehr gut davon. Wenn mir ein Bekannter bei geselliger Gelegenheit eine Karrierefrage stellt, antworte ich: „Wäre ich Zahnarzt, würdest du den Mund öffnen und mich jetzt bitten, dein Zahnfleisch anzusehen?“

Ihr Boris Grundl

Bildquelle: © Gellinger Pixabay

Über den Autor

Boris Grundl
Boris Grundl

Boris Grundl durchlief eine Blitzkarriere als Führungskraft und gehört als Führungsexperte und mitreißender Kongress-Redner zu Europas Trainerelite. Er ist Management-Trainer, Unternehmer, Autor sowie Inhaber des Grundl Leadership Institut.

Boris Grundl perfektionierte die Kunst, sich selbst und andere auf höchstem Niveau zu führen. Er ist ein gefragter Referent, Gastdozent an Universitäten und erforscht das Thema Verantwortung (www.verantwortungsindex.de). Seine Referenzen bestätigen seine Ausnahmestellung unter den Spitzen-Referenten. Keinem wird eine so hohe Authentizität und Tiefgründigkeit bescheinigt. Er redet Klartext, bleibt dabei stets humorvoll und bringt die Dinge präzise auf den Punkt. Boris Grundl ist als prominenter Experte gern gesehener Gast und Protagonist in Fernsehen und Radio (u.a. ARD, ZDF, WDR, MDR, 3sat, SWR, RBB, FFH). In Großvorträgen gibt er Schülern wegweisende Impulse für ein eigenverantwortliches Leben. Boris Grundl ist „der Entwickler“ (Harvard Business Manager). Starke Rede – tiefer Sinn.

Sein Grundl Leadership Institut befähigt Unternehmen, ihrer Führungsverantwortung gerecht zu werden. Aus der Praxis für die Praxis. Die Akademie macht mit der Menschenentwicklung dort weiter, wo die meisten Managementlehren aufhören. Menschen fördern – mit System.

Mehr Informationen unter www.grundl-institut.de.

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