Wissen in Unternehmen: implizit und explizit

Kleine und mittelständische Unternehmen sind von dem Sachverstand und den Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter abhängig. Besonders wertvolle Fachkenntnisse und Kompetenzen sind jedoch oft auf wenige Köpfe im Unternehmen verteilt – scheidet einer dieser Experten einmal aus, kommt es schnell zu erheblichen Know-how-Verlusten.

Das Mitarbeiterwissen in Unternehmen lässt sich in zwei Kategorien einordnen: das implizite und das explizite. Beim expliziten Wissen handelt es sich um Kenntnisse, die in ausdrücklicher Form – zum Beispiel als Notizen, Anleitungen oder Dokumentationen – vorliegen. Infolgedessen lassen sich diese Informationen recht unkompliziert auf neue Mitarbeiter im Unternehmen übertragen. Leider liegen in den meisten Fällen nur etwa 20 Prozent des für das Unternehmen relevanten Wissens in expliziter Form vor. Das ist die Herausforderung!

Die übrigen 80 Prozent des vorhandenen Know-hows bestehen aus implizitem Wissen. Geprägt durch den persönlichen Erfahrungsschatz und die verbundenen Emotionen ist es die relevantere Form von Informationen – diese finden wir aber nur direkt gespeichert in den Köpfen der Mitarbeiter. Zwar greifen sie intuitiv im Alltag auf diesen Wissensschatz zu, generell lässt er sich aber nur oberflächlich oder überhaupt nicht in Worte fassen. Das erschwert den Zugang für Kollegen.

Einige Beispiele:

Das Aufpumpen eines Fahrradreifens ist ein simples Beispiel für explizites Wissen. Wir können diesen Vorgang leicht in einer Dokumentation oder Anleitung abbilden. Im Gegensatz dazu werden Sie keine ausführliche Dokumentation darüber finden, wie man Fahrradfahren lernt. Dieses Wissen entsteht erst durch die eigene Erfahrung.

Ich selbst habe diese auch schon gemacht: Bei meinem vorherigen Arbeitgeber musste ich meinen Nachfolger anlernen. Das Problem: Ich selbst kannte die relevanten Themengebiete sehr gut und traf intuitiv richtige Entscheidungen. Dennoch fiel es mir schwer, das entsprechende Wissen zu vermitteln. Im Gegenzug dazu konnte mein Nachfolger den Wert der in mir gespeicherten impliziten Informationen genauso wenig einschätzen wie ich. Das Ergebnis? Als ich das Unternehmen verließ, nahm ich für die Organisation relevantes Wissen mit.

Die Aufgabe einer Führungskraft: Implizites Wissen explizit machen

Die gute Nachricht jedoch ist: Implizites Wissen lässt sich explizit abbilden. Das ist soweit klar. Dieser Vorgang kann beispielsweise anhand von Dokumentationen oder Demonstrationen erfolgen. Ebenfalls klar. Offen bleibt das „Wie?“. Es gibt unterschiedliche Methoden, die den Mitarbeitern dabei helfen können, die eigene Arbeit zu reflektieren und sich ihrem implizitem Wissensanteil bewusst zu werden.

Um auf mein persönliches Beispiel zurückzukommen: Heute verstehe ich, dass wir im alten Unternehmen vieles richtig gemacht haben. Jeder Mitarbeiter hinterließ sein Wissen in einem unternehmensweiten Netzwerk – Wikipedia nicht unähnlich. Dadurch verwandelten wir implizites Wissen in explizites. In der Folge verbesserten sich die Mitarbeiter nicht nur und arbeiteten sicherer in ihrem Bereich, sondern sie konnten auch fast problemlos neue Aufgaben übernehmen. Dabei halfen ihnen die Checklisten, Dokumentationen oder Anleitungen ihrer Kollegen.

Das Problem an einem internen Wikipedia ist aber, dass Erfahrungswerte nicht immer explizit festgehalten werden können. Meine Expertise liegt beispielsweise im Marketing. Hier beruht vieles auf dem Prinzip „Versuch und Fehlschlag“. In den meisten Fällen ist es dabei schlicht nicht möglich, die Vorgänge explizit festzuhalten.

Ein Lösungsansatz

Von meinem Kollegen Herrn Hummel habe ich hier im Grundl Leadership Institut einen spannenden Weg gelernt, um Erfahrungswerte weiterzugeben. Verpacke ich die relevanten Informationen in einer Geschichte – im Marketing wird das auch Storytelling genannt – kann sich mein Gegenüber die Erfahrung merken, indem er oder sie auf die Geschichte zurückgreift.

Der Schutz des impliziten Mitarbeiterwissens ist grundlegend für den Erfolg eines Unternehmens. Dementsprechend ist es von großer Bedeutung, implizites Wissen sichtbar zu machen und zu explizieren – so dass es für möglichst viele Mitarbeiter frei zugänglich ist und genutzt werden kann.

Ihr Marcel Roll

Bildquelle: © Pexels Pixabay

Über den Autor

Marcel Roll
Marcel Roll

Marcel Roll verantwortet das Marketing im Grundl Leadership Institut.

Als Head of Marketing verstärkt der 21-Jährige seit Februar 2019 das Team mit Fachwissen und frischen Ideen. Mit seiner Karriere hat Marcel Roll früh begonnen: Bereits im jungen Alter arbeitete er mit namhaften Herstellern wie EA Sports und LG Electronics zusammen. Mit 16 Jahren erfüllte er sich seinen Wunsch und machte sich mit seiner eigenen Online-Marketing-Agentur selbständig. Im Alter von 18 absolvierte er „ganz nebenher“ eine Ausbildung als Kaufmann für Marketingkommunikation – und kam dann zum GLI.

Marcel Roll wurde, begründet durch seinen Werdegang, schon in jungen Jahren mit dem Thema Verantwortung konfrontiert. In seiner eigenen Agentur hat er Freelancer beschäftigt, Geschäftspartner gefunden und Projekte realisiert. „Als Performance Marketer habe ich früh Verantwortung über hohes Budget gehabt“, blickt er zurück. „Der richtig großen Verantwortung bin ich mir aber erst durch das Grundl Leadership Institut bewusst geworden.“ Mit seiner Marketing-Arbeit möchte er nun die Philosophie des Instituts anderen vermitteln und das Bewusstsein für Verantwortung weitergeben.

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