Die Motive der anderen

Die Fakten liegen auf dem Tisch – eine Alternative gibt es nicht. Seit 20. Januar ist Donald Trump der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Schon während seiner Kandidatur hat ihn eine hohe Medienpräsenz begleitet. Meistens negativ. Hat ihn das vielleicht am Ende sogar noch aufgewertet? Trumps Motive liegen für viele auf der Hand: Er sei ein Sexist, ein Narzisst, ein Egomane. Er verzerre die Wirklichkeit, lügt, betrügt und widerspricht sich selbst. Nur ein Narr hätte geglaubt, dass die Gemüter hier nicht hochkochen. Und was macht er jetzt? Trifft Entscheidungen im Akkord und polarisiert weiter.

Und natürlich überschlägt sich die Öffentlichkeit mit Theorien, Prognosen und verzweifelt daran, Trumps wahre Motive zu entschlüsseln. Jeder spekuliert über die unterschiedlichsten Beweggründe. Gleiches Bild zeichnete sich bei Sigmar Gabriel ab. Die erste Frage nach seiner Rücktrittsverkündung war die nach dem „Warum“. Und nicht nach dem „Was verändert das?“.

Bezüglich Trump steht zurzeit fest: Wir wissen nicht, was er wirklich alles umsetzen wird – und kann. Denn je nach Zusammenhang sind Aussagen anders zu bewerten. Fachleute sprechen hier vom jeweiligen Kontext. Doch sobald sich Trump äußert, beginnt das Rätselraten: Warum macht er dieses? Warum sagt er jenes? Was beabsichtigt er mit seinen Worten? Welche Ziele verfolgt er wirklich? In Summe: Was sind seine Motive? Was treibt ihn wirklich an?

Warum nur – die Frage nach fremden Motiven

Die Antwort aller Fragen liegt allerdings woanders. Ist es für Ihr Leben wichtig, genau zu wissen, was andere antreibt? Können Sie mit dieser Erkenntnis irgendetwas beeinflussen? Ausschlaggebend sind nicht fremde Triebfedern, sondern immer nur das entsprechende Handeln und die Ergebnisse. Wie bei Ihnen selbst. Und die Ergebnisse von Trump werden sich erst zeigen. Wie bei Ihnen selbst.

Am Ende zeigt die öffentliche Suche nach fremden Motiven nur eins: Jeder blickt durch seine eigene Brille und bewertet. Mit Äußerungen wie „Er will bestimmt…“ oder „Er plant auf jeden Fall…“, „In Wirklichkeit versucht er…“ übertragen Menschen meist unbewusst ihr eigenes Weltbild und ihre eigenen Ängste auf eine Projektionsfläche. In diesem Fall heißt sie „Trump“. Er bietet eine ideale Angriffsfläche, weil extrem polarisierend. Natürlich ist es wichtig, sich über andere Gedanken zu machen. Natürlich sollten wir Trumps Handeln beobachten. Doch bitte gestatten Sie mir an dieser Stelle einen Gedanken: Woher kommt all die Menge an Energie, die inneren Antreiber anderer zu erfassen? Warum kandidiert Angela Merkel noch einmal? Warum kauft mein Nachbar sich ein größeres Auto? Warum stellt diese Frau mit jenem Kleid ihre Brüste so zur Schau? Das alte Spiel: „Wenn jemand das sagt oder tut, muss er wohl so sein!“ Interessant! Die Frage ist: Erkennen wir tatsächlich die Motive der anderen oder erfassen wir nur, was wir bis jetzt selbst erfasst haben? Oder anders: Schauen wir die Motive der anderen an und sehen am Ende nur vieles von uns selbst? Ist es nicht viel wichtiger, zu wissen, was einen selbst antreibt? Ohne Ausreden, Selbstmitleid, Opferhaltung, Schöpferwahn oder Dominanzstreben?

Lassen Sie mich daher eine andere Frage stellen: Legen Sie genauso viel Energie in die Erforschung Ihrer eigenen Beweggründe wie in die Ergründung der Motive von anderen – wie Donald Trump? Von Ihrem Partner? Ihren Mitarbeitern? Ihren Nachbarn? Ihrem Chef? Und, was dominiert Ihr erfassen? Eher negatives Bewerten oder tieferes Verstehen?

Bremsklotz für die eigene Entwicklung

Für mich ist dieses intensive Beschäftigen mit fremden Motiven reine Zeit- und Energieverschwendung. Es ist ein Bremsklotz für die eigene Entwicklung. Trumps wahre Absichten zu kennen, würden weder Ihr noch mein Leben entscheidend beeinflussen. Das kann auch eine wichtige Erkenntnis sein.

Es lohnt sich einfach nicht, stundenlang den Antreibern anderer hinterherzujagen, zu grübeln, zu mutmaßen. Es sei denn, Sie wollen von sich selbst ablenken oder in Gesprächen vor anderen besonders klug und clever erscheinen. Doch dieser Schein bringt nur kurz ein gutes Gefühl, wie eine warme Dusche. Irgendwann werden Ihre Lebensergebnisse lauter sprechen als alles andere. Deswegen investieren Sie diese Zeit besser in Weiterbildung und Selbstfindung. Ein Buch zum Thema „Die eigenen Motive ergründen“ würde Sie auf jeden Fall wesentlich weiterbringen. Oder darf ich Ihnen einen Vorschlag machen? Besuchen Sie unser nächstes Intensiv-SeminarLeading Simple“ oder „Steh auf!“ im März. Das bringt Sie weiter. Diese Investition lohnt sich. Garantiert!

Bildquelle: ©  Alex_Po Fotolia.com #91116618

 

Über den Autor

Boris Grundl

Boris Grundl durchlief eine Blitzkarriere als Führungskraft und gehört als Führungsexperte und mitreißender Kongress-Redner zu Europas Trainerelite. Er ist Management-Trainer, Unternehmer, Autor sowie Inhaber des Grundl Leadership Institut.

Boris Grundl perfektionierte die Kunst, sich selbst und andere auf höchstem Niveau zu führen. Er ist ein gefragter Referent, Gastdozent an Universitäten und erforscht das Thema Verantwortung (www.verantwortungsindex.de). Seine Referenzen bestätigen seine Ausnahmestellung unter den Spitzen-Referenten. Keinem wird eine so hohe Authentizität und Tiefgründigkeit bescheinigt. Er redet Klartext, bleibt dabei stets humorvoll und bringt die Dinge präzise auf den Punkt. Boris Grundl ist als prominenter Experte gern gesehener Gast und Protagonist in Fernsehen und Radio (u.a. ARD, ZDF, WDR, MDR, 3sat, SWR, RBB, FFH). In Großvorträgen gibt er Schülern wegweisende Impulse für ein eigenverantwortliches Leben. Boris Grundl ist „der Entwickler“ (Harvard Business Manager). Starke Rede – tiefer Sinn.

Sein Grundl Leadership Institut befähigt Unternehmen, ihrer Führungsverantwortung gerecht zu werden. Aus der Praxis für die Praxis. Die Akademie macht mit der Menschenentwicklung dort weiter, wo die meisten Managementlehren aufhören. Menschen fördern – mit System.

Mehr Informationen unter www.grundl-institut.de.

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