Führung ist in den Unternehmen noch nicht etabliert

Vor ein paar Monaten stand ich vor einem Regal in einem Supermarkt und suchte gerade etwas. Plötzlich nahm ich eine Stimme wahr. Sie kam aus dem Lautsprecher. Zuerst hörte ich gar nicht richtig hin, weil ich dachte, es sei eine Durchsage für irgendwelche aktuellen Aktionen. Doch dann schnappte ich folgenden Satz auf: „An alle Mitarbeiter: Wir stehen bei den Bioprodukten in starker Konkurrenz zu anderen Anbietern. Wir können zurzeit mit unseren Konkurrenten nicht mithalten, deshalb liegt es an Ihnen, wie Sie unsere Kunden behandeln. Es ist nicht selbstverständlich, dass die Kunden bei uns einkaufen. Sie, liebe Mitarbeiter, haben es in der Hand, den Umsatz zu beeinflussen. Deshalb appelliere ich an Sie: Behandeln Sie die Kunden freundlich. Gehen Sie auf ihre Wünsche ein. Helfen Sie den Kunden, wenn sie nicht weiter wissen, stehen Sie ihnen zur Seite…

Ich habe aufgehört zuzuhören. Zuerst dachte ich, jetzt kommt gleich eine Durchsage, dass dies ein Scherz sei… Doch das blieb aus. Mir ging dieses Erlebnis lange nicht mehr aus dem Kopf und ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht.

Dieses Beispiel zeigt auf, dass sich das Thema Führung in den Unternehmen immer noch nicht etabliert hat. Immer wieder kommt es vor, dass kompetente und wertvolle Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, weil Führungskräfte die psychologischen Gründe wie Arbeitsunzufriedenheit und professionelle Motivation weder kennen noch mit ihnen umgehen können. Die bewusste Gestaltung der Arbeitsbedingungen wie zum Beispiel der Arbeitsinhalt (Sinn) kann Mitarbeiter zufrieden stellen. Übrigens ist der Arbeitsinhalt ein wesentlicher, intrinsischer Motivator. Je genauer die Erwartungen und die Kompetenz des Mitarbeiters übereinstimmen, desto höher sind seine Zufriedenheit und Motivation.

Ich erlebe es immer wieder in Unternehmen, dass Führungskräfte keine Zeitfenster für Führung haben. In manchen Fällen beschäftigen sie sich weniger als 10% ihrer Zeit mit ihren Mitarbeitern. Ist es nicht erstaunlich, wie wenig Aufmerksamkeit dem Thema Führung in Unternehmen gewidmet wird, obwohl mittlerweile bekannt ist, dass der wirtschaftliche Erfolg eng mit der Qualität der Führung zusammenhängt?

Eine Führungskraft, die die Werte und Stärken der Mitarbeiter kennt, hat einen deutlich besseren Zugang zu deren (intrinsischer) Motivation. Je besser Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern umgehen, desto länger kann ein Unternehmen nachhaltig erfolgreich sein. Es lässt sich leicht vergleichen mit einem Auto: Wenn Sie das Auto selten pflegen und nur dann in die Werkstatt bringen, wenn es nicht mehr anspringt – was denken Sie, wie lange die Lebensdauer dieses Wagens sein wird?

Wie viel Zeit verbringen Sie damit, Ihre Mitarbeiter und somit auch Ihr Unternehmen zu führen? Haben Sie motivierte und unabhängige Mitarbeiter, die auch bereit sind Verantwortung zu übernehmen? Oder müssen Sie alle Arbeiten selber erledigen und schlagen sich immer wieder mit Mitarbeitern herum, die ohne Sie nicht weiterkommen?

Eine professionelle Führungskraft verbringt 40 % ihrer Zeit damit, ihre Mitarbeiter zu führen, sie zu fördern, zu fordern und weiterzuentwickeln. Sie sind das Wertvollste, was Unternehmen besitzen. Nur wenn Mitarbeiter wachsen, kann auch das Unternehmen wachsen.

Über den Autor

Grundl Leadership Institut
Grundl Leadership Institut

Die Redaktion der Grundl Leadership Institut schreibt über verschiedene Facetten von Führung wie Führungsverantwortung und systematische Menschenentwicklung. Das Redaktionsteam transferiert in den Beiträgen relevante Managementlehren in die Praxis und greift damit wirkungsvoll den Leading Simple©-Gedanken des Grundl Leadership Institut auf: Menschen fördern – mit System.

Der intensive Austausch mit Boris Grundl und den Trainern des Grundl Leadership Institut liefert kontinuierlich neue Impulse, einzelne Aspekte von Führung zu beleuchten und Handlungsempfehlungen aufzuzeigen.

Ein Kommentar

Kommentar hinterlassen
  • Ich bin nicht mehr im Arbeitsprozess. Trotzdem hat mich das was Sie vor dem Regal erlebt haben und das was Sie darüber schreiben sehr interessiert und gefreut. Wenn ich an meine aktive Arbeitszeit zurückdenke muss ich leider feststellen (ich hatte bisher noch nie darüber nachgedacht), dass meine Vorgesetzen von „Führen“ so wie Sie es verstehen recht wenig wussten oder umsetzten. Ihr Ziel war eher sich selbst in ein gutes Licht zu stellen als Mitarbeiter zu führen und zu motivieren, leider.
    Ich freue mich schon darauf, von Ihnen wieder zu lesen und grüsse Sie freundlich
    Hans Wellenreiter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sie können folgende HTML-Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>