Feedback ist keine Kritik – sondern das Recht, sich weiterzuentwickeln!

Hat Sie schon einmal jemand auf eine Macke aufmerksam gemacht, die Ihnen noch gar nicht aufgefallen war: an die Nase fassen, räuspern, „hä?“ sagen? Oder hat Sie jemand schon einmal auf ein Talent oder eine Stärke angesprochen, die Ihnen nicht bewusst war? „Du hast ein gutes Händchen für…“, „Du hast eine angenehme Stimme!“. Wir kommen auf die Welt und sind ab dem ersten Tag darauf angewiesen zu lernen. Je nach Situation und Lerntypus lernen wir manchmal einfach durchs Tun oder durch Imitation. Manchmal brauchen wir aber auch eine Rückmeldung von außen. Und damit sind wir beim Feedback.

Wozu dient Feedback?

Feedback hat in unserem Kulturkreis leider einen schlechten Ruf. Zu Unrecht. Denn fälschlicherweise wird es häufig in die gleiche Schublade gesteckt wie „Kritik“. Dabei sind Feedback und Kritik zwei völlig verschiedene Dinge. Kritik ist tendenziell eher die Darstellung eines Mangels. Feedback ist eine generelle Rückmeldung von anderen zur Verbesserung der Selbstwahrnehmung. Wenn Sie ein Feedback erhalten, zeigt der Feedbackgeber Interesse an Ihrer Person und daran, Sie weiterzuentwickeln. Es wäre immer leichter, nichts zu sagen. Durch ein Feedback aber reicht der/die andere Ihnen in dem Moment eine Hand, gemeinsam den nächsten Schritt zu gehen. Und wenn Sie ein Feedback geben, entwickeln Sie Ihr Gegenüber weiter.

Aber wenn das alles so stimmt, warum in aller Welt fällt es vielen Menschen dann so schwer, Feedback anzunehmen? Warum hören wir immer wieder einen Vorwurf heraus statt eines Wunsches oder einer Chance? Ganz einfach: In diesen Momenten fehlt uns etwas, nämlich Selbstvertrauen oder Selbstwert. Manchmal steht uns unser riesengroßes Ego im Weg – „Ich kann nicht zuhören? Soll Frau Müller doch erst mal selbst zuhören lernen!“ Dann mangelt es uns am Selbstvertrauen. Und manchmal lehnen wir uns selbst ab – „Ob ich Lust habe, mal wieder Sport zu machen? Was fällt Dir ein, mir so etwas zu sagen! Ich weiß selbst, dass ich zu dick bin!“ Dann mangelt es uns an Selbstwert.

Ein Feedback ist nur dann wirkungsvoll, wenn der Feedbacknehmer es tatsächlich annehmen kann, wenn er der Aussage eine Berechtigung gibt. Und gerade weil uns immer mal wieder das Selbstvertrauen oder der Selbstwert im Wege stehen, ist es umso wichtiger, ein Feedback behutsam zu geben. Das heißt nicht, dass Sie nicht Klartext reden sollen! Im Gegenteil! Aber es gilt, ein paar Regeln zu beachten, damit das Feedback Wirkung zeigen kann.

Wie gibt man Feedback?

Fünf goldene Regeln:

  1. Offenes Ohr: Achten Sie auf den richtigen Zeitpunkt und versichern Sie sich, dass der andere aufnahmebereit ist: „Darf ich Dir/Ihnen ein Feedback geben?
  2. Gold statt Steine: Sagen Sie nicht zu allem etwas, sondern wählen Sie die Punkte aus, die den anderen wirklich weiterbringen. Lieber eine Sache statt zehn, dafür wirkungsvoll.
  3. Handlung statt Person: Es geht bei Feedback immer um die Handlung, nicht um die Person.
  4. Wünsch Dir was! Sagen Sie präzise, was Sie beobachtet haben und formulieren daraus einen Wunsch, wie der andere seine Handlung verändern kann, um wirkungsvoller zu sein.
  5. Klare Sicht nach vorn: Fragen Sie nach, ob Ihr Gegenüber Ihr Feedback verstanden hat, was seine/ihre Erkenntnisse sind und was er/sie verändern möchte.

Wenn Sie diese Regeln beachten, geben Sie dem anderen die Chance, seine Handlung zu erkennen und sich bewusst für oder gegen eine andere Alternative zu entscheiden.

Und wie nimmt man Feedback an?

Feedback ist ein Geschenk. Lassen Sie sich ruhig Zeit beim Auspacken. Wenn Sie ein Feedback erhalten, sagen Sie „Danke!“, denn der andere hat sich die Zeit genommen und sich Gedanken gemacht, wie er Sie weiterentwickeln kann. Denken Sie in Ruhe darüber nach und entscheiden Sie sich, ob Sie das Feedback annehmen. Und wenn Sie dem anderen eine Rückmeldung geben, wird sein/ihr Feedback an Sie immer präziser und Sie geben sich selbst die Chance, besser zu werden! Im Leading Simple-System nennen wir Feedback übrigens „umleiten“. Mithilfe der „Umleitung“ lassen sich die vier Steuerungsknöpfe Ziele, Selbstvertrauen, Wissen und Erfahrung aktivieren und das Gegenüber dadurch wieder auf dem direktesten Wege zügig zum angestrebten Ziel leiten.

Über den Autor

Grundl Leadership Institut
Grundl Leadership Institut

Die Redaktion der Grundl Leadership Institut schreibt über verschiedene Facetten von Führung wie Führungsverantwortung und systematische Menschenentwicklung. Das Redaktionsteam transferiert in den Beiträgen relevante Managementlehren in die Praxis und greift damit wirkungsvoll den Leading Simple©-Gedanken des Grundl Leadership Institut auf: Menschen fördern – mit System.

Der intensive Austausch mit Boris Grundl und den Trainern des Grundl Leadership Institut liefert kontinuierlich neue Impulse, einzelne Aspekte von Führung zu beleuchten und Handlungsempfehlungen aufzuzeigen.

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