Disziplin und Konsequenz

Wie mühsam es sein kann, den eigenen Anweisungen zu folgen.

Beruflich mangelte es mir noch nie an Disziplin. Was ich mir vornehme, erledige ich mit großer Zuverlässigkeit. Ich gehöre zu jenen Menschen, die im Büro die „Macher“ sind. Ohne dabei selbst auf große innere Widerstände zu stoßen, folge ich meiner Arbeit. Und das gerne.

Schauen wir hingegen in mein Privatleben, sieht das Ganze anders aus. Vor allem was meine Gesundheit angeht. Hier verstricke ich mich immer wieder in denselben Ausreden und gescheiterten Versuchen. Es will mir zum Beispiel einfach nicht gelingen, Sport in meinen Alltag als festen Bestandteil zu integrieren. Das ärgert mich enorm. Mit jedem Versuch, der wieder im Nichts verebbt, werde ich deprimierter und hoffnungsloser. Gefangen in dem Gefühl, „es wieder nicht geschafft zu haben“, entwickelt sich zunehmend eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, die zum wiederholten Scheitern verurteilt ist. In unserem Institut bin ich nun erstmals auf eine sehr inspirierende Sichtweise gestoßen, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte:

Disziplin ist lernbar

Wir vom Grundl Leadership Institut gehen davon aus, dass Disziplin lernbar ist. Stellen Sie es sich wie mit einem „geistigen Muskel“ vor. Bei starker Vernachlässigung erschlafft er, bei konstanter Übung kann er zu neuer Größe wachsen – durch Wiederholung und Konsequenz. Um Disziplin in meinem Leben zu verankern, muss ich also ein neues Verhalten etablieren. Das kostet Kraft und Energie. In genau diesem Zustand befinde ich mich regelmäßig, bevor ich doch wieder völlig entkräftet aufgebe.

Doch so anstrengend bleibt es nicht: Würde es mir gelingen, das neue Verhalten (zum Beispiel Joggen oder Yoga) in einer gewissen Regelmäßigkeit (zweimal die Woche) zu festigen, braucht es nur noch Konsequenz. Dann zeigt sich das neu erlernte Verhalten zwar noch nicht von ganz alleine, trotzdem muss ich mich nicht mehr so anstrengen wie zu Beginn. Ich kann einfach meinen neuen Regeln folgen. Ist das nicht toll? Der „Disziplin-Muskel“ ist dann bereits so gekräftigt, dass er gut funktioniert, ohne weh zu tun. Wow, was für eine Erkenntnis.

Der Weg zur Transformation

Gehen wir noch einen Schritt weiter: Wenn wir uns mit dem Ziel vereinen und in das Ergebnis verlieben, es „emotional durchdringen“, kann es durchaus passieren, dass aus dem konsequent ausgeübten Verhalten eine Überzeugung wird. Aus anfänglichem Leiden und enormem Energieinvestment wird Überzeugung. Das neu erlernte Verhalten wird zur logischen Schlussfolgerung. Wenn aus diszipliniertem Handeln Überzeugung wurde, ist echte Transformation gelungen.

Diese Erkenntnis hat mich, liebe Leser, zum Nachdenken bewegt. Ich frage mich: Wo stehe ich in dieser Kette gerade? Warum scheitere ich trotz nahezu täglicher Bemühung? Natürlich ist mein Selbstvertrauen durch die vielen misslungenen Versuche nicht gewachsen. Aber das reicht mir als Erklärung nicht. Dazu muss ich genauer in mich hineinhorchen und ehrlich zu mir sein. Dann wird es mir klar.

Ich bin nicht mit meinem Ziel verbunden. Ich habe es noch nicht emotional durchdrungen. Ich sehe es nicht und kenne mein Wofür nicht präzise genug. Kein Wunder, dass ich die Zügel immer wieder loslasse. Ich sehe nicht, wohin die Reise gehen soll. Was genau will ich eigentlich erreichen? Sportlich werden? Marathon laufen? Medaillen gewinnen? Mehr Ausdauer? Beweglichkeit? Gesunder Blutdruck? Entspannter Atmen?

Bin ich bereit, den Preis zu zahlen?

Diese Gedanken führen mich zu der fast noch wichtigeren Frage: Bin ich bereit, für mein Ziel den entsprechenden Preis zu bezahlen? Bin ich offen dafür, für mein Ziel durch Mühe und Anstrengung hindurch zu gehen? Traue ich mir zu, für mein Ziel zu kämpfen? Ich muss es zugeben: Immer dann, wenn es unbequem wurde, habe ich meine Selbstführung aufgegeben. Kein Wunder also, dass ich mit diesem „Wohlfühlprogramm“ immer wieder an derselben Stelle stehe – nämlich am Anfang.

Es führt kein Weg daran vorbei, liebe Leser: Wenn Sie sich wirklich entwickeln wollen, müssen Sie mit sich selbst ins Gespräch gehen. Wenn ich also disziplinierter im Umgang mit meinem Körper und meiner Gesundheit sein möchte, werde ich um den Wachstumsschmerz nicht herumkommen. Wenn ich bereit dafür bin, jetzt zu kämpfen, wird mein Weg in der Zukunft nicht mehr so hart und beschwerlich sein. Wenn ich jetzt durch den kurzzeitigen Schmerz gehe, erreiche ich mittel- und langfristig meine Ziele.

Liebe Leser, wo befinden Sie sich gerade auf dem Weg?

Wie gelingt es Ihnen, Ihrem eigenen Willen zu folgen und Ihre Ziele umzusetzen?

Ich möchte Sie an dieser Stelle ermutigen, sich diese Frage in einer ruhigen Minute zu stellen und Ihre – vielleicht verlorene – Fährte zu einem selbstbestimmten Leben wieder aufzunehmen. Es lohnt sich.

Ihre Johanna Kersten

Bildquelle: © skeeze Pixabay

Über den Autor

Johanna Kersten
Johanna Kersten

Johanna Kersten arbeitet und wirkt im Grundl Leadership Institut als Assistentin der Geschäftsleitung. In dieser Funktion behält sie alle internen Abläufe im Blick. Sie stellt Dinge klug infrage und schaut kritisch auf Abläufe und Vorgänge. Das Grundl Leadership Institut erforscht und lehrt hochwertige Unterscheidungen. Als wertvolles Teammitglied möchte Johanna Kersten daher die Blog-Leser gerne an ihren eigenen Erfahrungen zu diesem Thema teilhaben lassen – ihren ganz persönlichen Unterscheidungen und Herausforderungen im Alltag.

Mit ihrer Grundausbildung zur Logopädin bringt Johanna Kersten besondere Erfahrungen im Thema „Führung und Verantwortung“ mit. Ihr ist bewusst und sie erfuhr selbst, was Führung im therapeutischen Setting bedeutet sowie welch hohen Stellenwert das Thema Verantwortung in Kommunikation und Interaktion einnimmt. Mit ihrem körpertherapeutischen Hintergrund interessiert sich Johanna Kersten besonders für das „Wie“ und die Umsetzung persönlicher Veränderungsprozesse.

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