Die 3. Säule des Selbstwertgefühls: Eigenverantwortlich leben

Dieser Eintrag ist Teil 4 von 8 der Blogreihe Die 6 Säulen des Selbstwertgefühls

Wenn Sie diese Zeilen lesen, dann sind Sie immer noch mit an Bord. Darüber freue ich mich persönlich natürlich. Noch mehr freue ich mich aber für Sie, da Sie ernsthaftes Interesse daran haben, an sich zu arbeiten. Damit sind wir auch bereits beim heutigen Thema: Eigenverantwortung bzw. Selbstverantwortung. SELBST-ver-ANTWORT-ung. Oft suchen Menschen die Antworten für das, was ihnen passiert, im Außen. Die richtige Antwort ist jedoch stets in mir selbst.

Bitte überlegen Sie sich ganz kurz: Zu wie viel Prozent übernehmen Sie für sich selbst Verantwortung? Lesen Sie erst danach weiter.

Was verstehen Sie unter Selbstverantwortung – wie würden Sie es beschreiben?

Ich gebe Ihnen dazu ein paar Impulse:

  • Ich bin verantwortlich für meine Entscheidungen und mein Handeln.
  • Ich bin verantwortlich für meine Gesundheit.
  • Ich bin verantwortlich für die Erfüllung meiner Wünsche.
  • Ich bin dafür verantwortlich, wie ich eine Botschaft empfange.
  • Ich bin verantwortlich für das Erreichen meiner Ziele.
  • Ich bin verantwortlich für die Ergebnisse meiner Mitarbeiter, meiner Kinder, Partner etc.
  • Ich bin verantwortlich dafür, wer ich heute bin und wie ich die Welt sehe.

Bestimmt haben Sie bei jedem Satz mit dem Kopf bejahend genickt – richtig? Vielleicht haben Sie sogar gedacht: „Ist ja logisch“. Wenn dem so ist, dann ist das theoretisch korrekt.
Wie aber sieht es in der Praxis aus?

Nehmen wir einmal das Beispiel Entscheidungen und Handeln genauer unter die Lupe: Sie erhalten von Ihrem Vorgesetzten eine Aufgabe mit einer klaren Zeitvorgabe. Um die Aufgabe zu erledigen, sind Sie von einem externen Kunden abhängig, der Ihnen bestimmte Teile zuliefern muss – der Kunde ist in Verzug, so dass Sie die Deadline nicht einhalten können. Sie gehen zum genannten Zeitpunkt zu Ihrem Vorgesetzten und teilen ihm mit, dass Sie die Aufgabe nicht abliefern können. Wie schnell ist jetzt der Kunde dafür verantwortlich, dass Sie ihre Deadline nicht einhalten konnten?

Weitere Beispiele:

  • Sie kommen zu spät zu einem Termin oder zu einer Verabredung – wer trägt die Verantwortung? Der Stau, zu wenig Parkplätze, ich wurde aufgehalten?
  • Sie arbeiten seit 20 Jahren in einem Unternehmen und plötzlich erhalten Sie die Kündigung – wie reagieren Sie? Ist das Unternehmen jetzt undankbar, hat es Ihre Arbeit nicht geschätzt?
  • Sie haben keine Lust zur Familienfeier zu gehen – tun es aber Ihrer Frau oder Ihrem Mann zuliebe. Es entsteht Streit und Sie gehen verärgert nach Hause – wer trägt die Verantwortung, wenn Sie sich nun schlecht fühlen oder üble Laune haben?
  • Wissen Sie, wie viele Menschen in einer unglücklichen Beziehung feststecken? Einer der beiden hat längst erkannt, dass es zu Ende ist – sie fühlen nichts mehr – einfach nur Leere. Sie wollen aber nicht den ersten Schritt tun – weil Sie den anderen nicht verletzen wollen – oder Sie wollen nicht der Böse sein. Sie sind total unglücklich und fangen an, den anderen zu manipulieren mit dem Ziel, ihn dahin zu manövrieren, dass er den ersten Schritt tut. Das führt oft zu schmerzhaften Erfahrungen. Selbstverantwortlich handeln bedeutet, es zu erkennen, anzuerkennen und dann zu handeln.
  • Wenn ich immer JA sage aber innerlich NEIN meine, wer trägt dann die Verantwortung dafür, dass ich fast keine Zeit für mich habe?

Abschließend will ich Ihnen noch einige Impulse zu dem Punkt „Verantwortung für die Ergebnisse Ihrer Mitarbeiter“ geben. Kennen Sie diese Situation? Sie geben einem Mitarbeiter eine neue Aufgabe – nach einer Weile kommt er zurück und sagt: „Chef, ich krieg das nicht hin. Ich habe mir alle Mühe gegeben mit dieser neuen Aufgabe – Sie können das viel besser. Sie machen das mit einer solchen Leichtigkeit.“ Wie groß ist Ihre Versuchung, dem Mitarbeiter nun unter die Arme zu greifen? Was denken Sie, wenn das öfter vorkommt – welche Auswirkungen hat das auf den Mitarbeiter? Wie hoch schätzen Sie, wird seine Bereitschaft sein, Verantwortung zu übernehmen?
Ein anderes Beispiel – wie oft sagen Sie: „Ach, ich mache es lieber selber, das geht schneller und ich weiß genau, was das Ergebnis sein wird.“
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie mit diesem Führungsstil immer viel zu tun haben werden? Und vielleicht fragen Sie sich dann auch, warum kriegen es die Mitarbeiter nicht hin.

Selbstverantwortlich leben heißt, sich selbst zu reflektieren. Wo habe ich welchen Beitrag geleistet, dass ich da stehe, wo ich stehe? Selbstverantwortung bedeutet für Fehler geradezustehen und nicht anderen oder den Umständen die Schuld dafür zu geben. Sich stets fragen, was ist mein Teil der Verantwortung, dass die Beziehung zu Ende gegangen ist, dass ich die Kündigung erhalten habe, dass ich Mitarbeiter habe, die keine Verantwortung übernehmen wollen etc.

Erinnern Sie sich an meine Frage zu Beginn des Textes? Zu wie viel Prozent übernehmen Sie selbst Verantwortung – prüfen Sie es jetzt noch mal.

Wenn Du einen Verantwortlichen suchst, benutze einen Spiegel und kein Fernglas!

 

Bildquelle: © thingamajiggs Fotolia.com #74200539

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Über den Autor

Grundl Leadership Institut
Grundl Leadership Institut

Die Redaktion der Grundl Leadership Institut schreibt über verschiedene Facetten von Führung wie Führungsverantwortung und systematische Menschenentwicklung. Das Redaktionsteam transferiert in den Beiträgen relevante Managementlehren in die Praxis und greift damit wirkungsvoll den Leading Simple©-Gedanken des Grundl Leadership Institut auf: Menschen fördern – mit System.

Der intensive Austausch mit Boris Grundl und den Trainern des Grundl Leadership Institut liefert kontinuierlich neue Impulse, einzelne Aspekte von Führung zu beleuchten und Handlungsempfehlungen aufzuzeigen.

5 Kommentare

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  • Liebe Frau Rieder
    Endlich möchte ich Ihnen zu Ihrem letzten Blog, für den ich sehr danke, etwas schreiben.

    Zuerst:
    Die „Bilder“ die jeweils ganz am Anfang Ihres Blog stehen finde ich immer sehr spannend und gut passend.

    Dann:
    Die sieben Punkte welche Sie aufgelistet haben: was für ein guter Leitfaden. Zu fast allen Punkten kann ich ein lautes JA sagen. Nur bei Punkt 6 kam ich ins Stocken: „Ich bin verantwortlich für die Ergebnisse meiner Mitarbeiter, meiner Kinder, Partner etc.“

    Da kann ich nicht einmal ein JEIN sagen. Da sage ich NEIN. Die sind (nicht erwachsene Kinder ausgeschlossen) für ihren „Mist den sie geführt haben“ selber verantwortlich. Denn ich habe ihnen ja alles zur Verfügung gestellt was sie brauchen: Einen schönen guten Traktor, ein prächtiges „Gülläfass“ und auch genügend Zeit …

    Liebe Frau Rieder, ich hoffe, dass sie meine Bemerkung einordnen können. Auf jeden Fall freue ich mich schon auf die „nächsten Säulen“. Und ab sofort habe ich nun einen Spiegel auf meinem Pult liegen.

    Mit herzlichen Grüssen
    Hans Wellenreiter

  • Das Konzept der Eigenverantwortung ist für mich der Dreh- und Angelpunkt, für den ich Boris Grundl liebe! Dieser Artikel von Frau Rieder zeigt sehr deutlich, auf wie viele Bereiche des Lebens sich (fehlende) Eigenverantwortung auswirkt. Ich hoffe sehr, dass das (selbstverständliche) Konzept auch außerhalb des Business-Kontextes weitere Verbreitung findet.

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