Verbindungsmuster: Wie Sie blinde Flecken bei sich und anderen aufdecken, damit die Kommunikation besser gelingt

Wie viele Menschen kennen Sie, die ständig etwas an Ihren Ideen auszusetzen haben? Die ständig ein „Ja, aber“ erwidern? Die immer alles kritisch sehen? Bei denen immer alles perfekt sein muss? Die besserwisserisch daherkommen?

Und wie viele Menschen kennen Sie, die leichtgläubig durch die Welt gehen? Unkritisch und naiv neue Wege einschlagen? Die allen beunruhigenden Rahmenbedingungen zum Trotz stets unbekümmert und scheinbar sorglos drauf sind?

Im heutigen Blogbeitrag möchte ich Ihnen zeigen, was diese zwei Einstellungen mit Ihnen zu tun haben. Ich möchte Sie einladen, blinde Flecken bei sich und anderen aufzudecken, damit Sie wirkungsvoller kommunizieren und führen können. Wo ist für Sie der Unterschied zwischen den ersten beiden Abschnitten? Welcher hat Sie mehr angesprochen? Wo sehen Sie Ähnlichkeiten?

Unterschiedliche Wahrnehmung

Was oben beschrieben ist, sind zwei gegensätzliche Pole eines Sprachmuster, das man mit „Matcher / Mismatcher“ bezeichnen kann. Stellen Sie sich folgendes Bild vor:

Matcher-Mismatcher

Die Ist-Situation stellt ein Projekt dar, das zu 80 Prozent abgeschlossen ist. An dieser Linie stehen zwei Männchen. Das eine schaut in Richtung 0 Prozent. Es sieht, was da ist. Das andere Männchen schaut in Richtung 100 Prozent. Es sieht, was fehlt. Wenn Sie das erste Männchen fragen: „Und, wie läuft das Projekt?“, was wird es antworten? Vermutlich etwas wie „Läuft alles, wir haben sogar schon 80 Prozent. Wir sind auf Kurs!“ Fragen Sie dagegen das zweite Männchen, werden Sie etwas völlig anderes hören, nämlich eher: „Katastrophe, es fehlen noch 20 Prozent!

Nun die goldene Frage: Wer von beiden hat recht?

Woher kommt das Verhalten? Die Antwort liegt darin, dass beide eine unterschiedliche Wahrnehmung haben. Der Matcher nimmt eher das wahr, was verbindet. Deshalb sieht er die 80 Prozent, die schon da sind. Der Mismatcher hingegen nimmt das Trennende wahr. Er hat nur den Blick für die 20 Prozent, die fehlen.

Angenommen, Sie steigen in ein Flugzeug und der Flugtechniker sagt: „Guten Flug, das Flugzeug ist zu 80 Prozent einsatzbereit!“ – Würden Sie einsteigen? Und würden Sie sich dagegen bei einem Vorgesetzten auf Augenhöhe behandelt fühlen, wenn dieser ständig nur jeden kleinen Fehler bei Ihnen anspricht? Wenn er nichts anerkennt, was Sie geleistet haben?

Es gibt also weder gut noch schlecht. Entscheidend ist der jeweilige Kontext, in dem es wirkungsvoller ist, sich eher auf Verbindendes oder Trennendes zu fokussieren. In der Praxis ist das Wissen um diese Unterschiede leider kaum präsent. Was glauben Sie, weshalb sich in fast jeder Organisation Vertrieb und Produktion nicht leiden können?

Vertrieb und Produktion – zwei Sichtweiten

Die Vertriebler sehen das, was der Kunde braucht. Und was sie brauchen, um den Kunden noch zufriedener zu stellen. Es fallen Sätze wie: „Ihr da aus der Produktion, der Kunde will Gelb. Macht doch mal das Produkt in Gelb, wir würden viel mehr verkaufen!“ Die Produktion dagegen denkt sich: „Wie kann man nur so naiv sein? Gelb? Bis wir die alte Farbe ausgetauscht haben, die neue Farbe eingezogen haben… und was das alles kostet! Diese Vertriebler sind wirklich nichts als Luftpumpen…

Dieser plakative Dialog ist nicht zwangsläufig weit von der Realität entfernt. Das Problem in der Kommunikation entsteht nicht durch die Unterschiede zwischen Matchern und Mismatchern, sondern durch den unprofessionellen Umgang mit diesen Unterschieden. Anstatt gegenseitiges Verständnis aufzubringen, beharrt jeder auf seiner eigenen Sichtweise – die Konflikte wiederholen sich täglich.

Was, glauben Sie, würde passieren, wenn sich in Ihrer Organisation die Konflikte aufgrund von Matchern und Mismatchern auflösen würden? Hätten Sie mehr Vertrauen? Besseres Betriebsklima? Mehr Schnelligkeit? Ich bin fest davon überzeugt, es würde sich einiges verbessern.

Kontexte wechseln blitzschnell

Aber nicht nur im Beruf ist diese Unterscheidung wirkungsvoll. Stellen Sie sich vor, Sie sind leitender Ingenieur und beseitigen den ganzen Tag Fehler, weil Sie Maschinen perfektionieren. Sie kommen abends nach Hause und Ihr Kind zeigt Ihnen stolz sein Zwischenzeugnis – fünfmal die Note 2, einmal die Note 5. Wo geht sofort Ihre geistige Energie hin?

Dieses Beispiel soll verdeutlichen, wie gefährlich ein unbewusster Umgang mit diesen Sprachmustern sein kann und verdeutlicht: In der heutigen Zeit wechseln die Kontexte blitzschnell, in denen das ein oder andere wirkungsvoller ist. Es geht nicht um besser oder schlechter, sondern darum, beides zu können. Damit Sie besser entscheiden können, wann Sie was einsetzen können. Im Beispiel mit dem Kind wäre ein angemessener Umgang etwa wie folgt: „Super! Fünfmal „gut“! Wie hast du das gemacht? Interessant! Und wie kannst du das nutzen, um von der 5 auf eine 4 zu kommen? Oder noch besser zu werden? Was würde dir dabei helfen?

In der Führung brauchen Sie in erster Linie Matching. Wenn Sie 80 Prozent der Stärken und der wichtigsten Werte Ihrer Mitarbeiter kennen, können Sie diese wirkungsvoll führen und weiterentwickeln. Mismatching brauchen Sie, wenn es darum geht, Ihr Produkt, Ihre Dienstleistung etc. zu perfektionieren. Und auch, um mit dem Mitarbeiter seinen individuellen nächsten Schritt zu besprechen.

Wenn Sie diese Blickweise vertauschen, führt es in die Mittelmäßigkeit – bei Ihnen selber, Ihren Mitarbeitern und Ihrem Produkt. Als Beispiel für maßlos ausgeprägte Pole wäre beim Matcher jemand, der völlig realitätsfremd nur auf Wolke 7 durchs Leben schwebt. Beim Mismatcher hingegen jemand, der extrem verbissen wirkt und kaum in der Lage ist, loszulassen.

Wie betrachten Sie sich selbst?

Hochinteressant ist auch, mit welcher Ausprägung wir auf uns selbst schauen. Wenn Sie abends reflektieren, fällt Ihnen eher auf, was Sie noch besser hätten machen müssen? Was noch gefehlt hat? Oder können Sie stolz auf Ihre Ergebnisse des Tages sein? Müssen es immer 100 Prozent sein? Wie blicken Sie auf Ihre Partnerschaft? Sehen Sie eher, was dem Partner noch fehlt? Oder würdigen Sie, was schon gut klappt?

Wenn Sie den Matching-Blick auf sich und andere entwickeln möchten, fragen Sie sich: Wie sehe ich mich und meine Mitmenschen, wenn ich sie als Lösung des Problems und nicht als Ursache oder Werkzeug dafür betrachte? Eine andere hervorragende Möglichkeit besteht darin, ein Erfolgsjournal zu führen. Notieren Sie jeden Tag drei Dinge, die gut gelaufen sind und wie Sie dazu beigetragen haben. Für die Mismatcher unter Ihnen: Es dürfen ruhig und gerne auch kleine Dinge sein.

Um Matcher und Mismatcher in der Kommunikation besser zu erreichen und nicht zu verlieren, leiten sich aus den Unterschieden Anwendungsmöglichkeiten ab. Im Folgenden sind einige Beispiele dargestellt:

Matcher:
  • Betonen Sie Ähnlichkeiten.
  • Weisen Sie darauf hin, dass das neue Projekt ähnlich abläuft wie ein erfolgreiches Projekt aus der Vergangenheit.
  • Vermeiden Sie zu starke Unterschiede.
  • Setzen Sie den Fokus auf Chancen und Möglichkeiten.
  • Fragen Sie einen Matcher nicht, was ihm fehlt, sondern wovon er noch mehr braucht.
Mismatcher:
  • Sprechen Sie bewusst ein paar Nachteile an.
  • Mismatcher wünschen sich Andersartig- und Einzigartigkeit.
  • Erklären Sie, weshalb das neue Projekt anders ist als alle dagewesenen Projekte.
  • Vermeiden Sie absolute Sätze. Anstatt „Mismatcher sehen immer nur das Trennende“ könnten Sie sagen „Mismatcher sehen eher das Trennende“.
  • Machen Sie sich bewusst: Der Mismatcher will Ihnen nicht den Traum stehlen, er will nur die andere Seite der Medaille beleuchten.

Abschließend möchte ich noch einmal die wichtigsten Punkte im Umgang mit dieser Unterscheidung betonen:

  • Es gibt kein besser oder schlechter, sondern anders.
  • Jeder Mensch hat beide Seiten. Die Frage ist, in welchem Kontext was bei Ihnen dominiert.
  • Entscheidend ist, beide Seiten bewusst zu leben und wirkungsvoll einzusetzen, sowohl bei uns selbst als auch bei anderen.

Wenn Sie so wollen, gelten in der Führung und Kommunikation bestimmte Spielregeln. Wenn Sie sowieso spielen müssen, sollten Sie wenigstens wissen, wie diese Regeln lauten. Andernfalls wird mit Ihnen gespielt, ohne dass Sie es mitbekommen.

Ihr

Moritz Weilandt

 

Bildquelle: ©PixabayfreeGraphicToday

Über den Autor

Moritz Weilandt
Moritz Weilandt

Seit August 2016 unterstützt Moritz Weilandt die Grundl Leadership Akademie.

Das Thema persönliche Weiterentwicklung interessierte ihn schon während seines Studiums der Psychologie an der Universität Koblenz-Landau. Denn ihm war klar: Allein mit dem Behandeln psychischer Störungen und dem Verringern von Defiziten kann man keineswegs seine Potenziale optimal entfalten oder gar Spitzenleistungen erzielen. Das reine Psychologiestudium war dafür nicht ausreichend.

Neben verschiedenen Weiterbildungen im Bereich „systemische Gesprächsführung“ und einer Ausbildung in wissenschaftlich fundierter Erfolgspsychologie arbeitete Moritz Weilandt selbstständig als Vertriebspartner für ein amerikanisches Unternehmen. In diesem Nebenjob führte er sein erstes Team – und begegnete völlig neuen Herausforderungen. Seine Erkenntnis: Wahrer Führungserfolg basiert auf effektiver Selbstführung. Daraufhin begann Moritz Weilandt sich mit Boris Grundl zu beschäftigen. Er besuchte das Seminar „Steh auf!“, durchlief seinen persönlichen Transformationsprozess. Begeistert von den eigenen Ergebnissen entstand in ihm der Wunsch, ähnliches auch bei anderen freizusetzen.

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