Wie Sie Ihr Unterbewusstsein stärker für sich nutzen können

Clara ist Mutter von vier schulpflichtigen Kindern. Ihr jüngster Sohn war in der Schule schlechter als seine Geschwister. Clara pflegte dem Jüngsten zu sagen, dass er einfach nicht das Zeug hätte, um in der Schule zu bestehen. Er müsse sich deswegen immer mehr anstrengen. Er hätte laut seiner Mutter nicht das Zeug, Abitur zu machen. Weil er dazu nicht geschaffen sei.

Diese Sätze hörte der junge Schüler immer wieder. Irgendwann war er von den Sätzen seiner Mutter selbst überzeugt. Das Resultat: Er zog es nie in Erwägung, Abitur zu machen. Schon früh hatte er es ausgeschlossen. Nachdem sich Clara viele Jahre später Wissen über die Funktionsweise des Unterbewusstseins aneignete, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Sie verstand: Ihr jüngster Sohn wäre genauso fähig gewesen wie sein Bruder und die Schwestern.

Wie oft haben andere Menschen ähnliche Sätze schon zu Ihnen gesagt? Dinge, die Sie vermeintlich nicht können oder schaffen?

Wie sich aus psychologischer Sicht Aussagen wie von Clara bei anderen Menschen manifestieren und auswirken, und wie sie selbst gegensteuern können, das erfahren Sie im heutigen Blog-Artikel.

Unterbewusstsein als Schallplatte

Stellen Sie sich Ihr Unterbewusstsein als eine Langspielplatte vor. Geboren werden wir mit einer glänzenden, reinen Vinylplatte, in die noch nie eine Rille geprägt wurde. Jeder Mensch ist bei seiner Geburt frei von Vorstellungen, was sich erreichen lässt und was nicht. Jeder Mensch ist frei von Vorurteilen, von schlechten Angewohnheiten, von Konditionierungen. Sobald wir auf der Welt sind, beginnt die Rille. Mit jedem Wort, das wir hören, und jedem Gedanken, den wir denken, wird die Rille in dieser Platte fortgeschrieben. Mit der Zeit werden bestimmte Abschnitte immer tiefer. Und wir neigen dazu, die Verhaltensmuster zu wiederholen, die sich am tiefsten eingegraben haben. Am stärksten geprägt werden Menschen zu Beginn ihres Lebens von ihrem direkten Familienumfeld. Später von den Menschen, mit denen wir uns am häufigsten umgeben. Wir sind dann „programmiert“.

Programmiert zu sein, bedeutet auch: Unsere Wahlmöglichkeiten sind erheblich eingeschränkt. Die ganze Kraft Ihres Gehirns wird dafür sorgen, dass Sie nach den Programmen leben, die momentan in Ihrem Unterbewusstsein verankert sind. Diese Gedanken sind dann die Wurzel für Ihr Handeln.

Eine faszinierende Zahl

Wie schätzen Sie das Verhältnis von Ihrem Bewusstsein zu Ihrem Unterbewusstsein ein? Die meisten Menschen denken spontan an das Eisbergmodell, bei dem circa zehn Prozent unseres Verhaltens durch das Bewusstsein (zum Beispiel Gedanken, Gefühle, Wünsche) gesteuert wird, und 90 Prozent durch das Unterbewusstsein (zum Beispiel Erbanlagen, Instinkte, traumatische Erlebnisse, Persönlichkeitsmerkmale, verdrängte Konflikte oder Ängste).

Neueste Studien belegen, dass die Diskrepanz zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein weitaus größer ist. Vera. F. Birkenbihl prägte in ihren Kursen der Erwachsenenbildung das Verhältnis elf Millimeter (Bewusstsein) zu elf Kilometer (Unterbewusstsein).

Wie geht es Ihnen dabei, wenn Sie dieses Zahlenverhältnis lesen?

75 Prozent der Selbstgespräche arbeiten gegen uns

Wussten Sie, dass Menschen ständig mit sich selbst sprechen? Im inneren Dialog. Negative Beispiele für Selbstgespräche sind:

  • Ich komme mit meiner Arbeit einfach nicht voran.
  • Ich habe heute einen schlechten Tag.
  • Jedes Mal, wenn ich mit ihr / ihm rede, bekommen wir Streit.
  • Wenn ich etwas Günstiges sehe, kann ich einfach nicht widerstehen.
  • Ich kann nicht tanzen / flirten / vor Leuten sprechen.
  • Morgens schaffe ich es nie, pünktlich aufzustehen.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass 75 Prozent der Selbstgespräche gegen uns arbeiten. Ihrem Unterbewusstsein ist es dabei gleichgültig, woher die Programmierung kommt. Es wird einfach die Informationen für wahr halten, die ihm durch bewusste Gedanken zugeführt werden. Wie ein Trichter, der unten das rauslässt, was oben hineingegeben wurde. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Informationen richtig oder falsch sind oder ob sie zu unserem Wohl oder Schaden sind. Ihr Unterbewusstsein wird alles dafür tun, dass die Programme wahr werden, welche Sie in Form von Gedanken am häufigsten denken.

Wie reden Sie im Stillen zu sich selbst?

In einem unserer Führungskräftetrainings entdeckte eine Teilnehmerin bei sich eine „falsche“ Programmierung: Ihre Eltern suggeriertem ihr als Kind, sie könne nicht singen, obwohl es ihr damals großen Spaß machte und sie eine tolle Stimme hatte. Aufgrund der Bewertung ihrer Eltern hörte sie daher damit auf. Sie dachte: „Ich kann es ja nicht!“ Dieser Satz begleitete die Frau jahrelang. 30 Jahre später entdeckte sie die Wurzel dieser Programmierung. Sie war von außen gesteuert, von ihren Eltern, das Gesagte entsprach nicht der Realität. Heute singt die Teilnehmerin wieder im Kirchenchor, sehr erfolgreich – dank ihrer neuen Programmierung: „Ich kann singen.

Gibt es auch bei Ihnen Themen, bei denen Sie sich sagen: „Ich kann das sowieso nicht“, „Da bin ich nicht gut“ oder „Das habe ich noch nie gekonnt“? Ich lade Sie ein, zu überprüfen, woher diese Gedanken kommen. Sind Sie womöglich von außen an Sie herangetragen worden? Entsprechen sie der Realität?

Neue Programme mit Autosuggestionen

Die Stärke des Programms hängt davon ab, wie oft die gleichen oder eine ähnliche Information vorgegeben wurden. Was heißt das genau? Je öfter wir uns neue, „vorteilhafte“ Sätze vorsagen, desto größer ist die Beeinflussung des Unterbewusstseins und daraus resultierend unser Handeln. Diese Sätze werden auch Autosuggestionen genannt – die gezielte Beeinflussung des Unterbewusstseins.

Richard Branson

Der britische Unternehmer und Milliardär Richard Branson, Gründer der Virgin-Group, hatte sein halbes Leben Angst, vor Menschen zu sprechen. Er mied es unter allen Umständen. Er hatte regelrecht Panik, malte sich vor Auftritten gedankliche Horrorszenarien aus, wie ihn das Publikum ablehnen würde. Nachdem er seine Programmierung erkannte, seine Denkweise bewusst durch neue Gedanken änderte („Ich liebe es, vor Menschen zu sprechen. Sie sind interessiert an dem, was ich sage.“), kam er zu neuen Resultaten. Heute ist Branson ein leidenschaftlicher Redner. Dank der Autosuggestionen.

Beispiele für neue Autosuggestionen:

  • Ich mache Fortschritte bei der Arbeit.
  • Heute ist ein großartiger Tag.
  • Jedes Mal, wenn ich mit ihm / oder ihr rede, verstehen wir uns besser.
  • Wenn ich etwas Günstiges sehe, kann ich nein sagen.
  • Ich habe Talent zum … / ich bin dabei, aufzuholen … / Ich werde jeden Tag ein bisschen besser …
  • Sobald ich morgens aufwache, bin ich fit und ausgeschlafen.

Es ist wichtig, dass Routinen geschaffen werden, Gelegenheiten zum Üben. Wir können zum Beispiel einige Autosuggestionen direkt nach dem Aufwachen sprechen. Oder regelmäßig beim Autofahren. Jede rote Ampel ist eine willkommene Gelegenheit. Oder beim Sport, beim Spaziergang, nach dem Meditieren. Vor dem Mittagsschläfchen oder kurz danach. Abends kurz vor dem Einschlafen …

Ich lade Sie dazu ein, auf Schatzsuche zu gehen. Welche verborgenen Schätze können Sie finden, die für Sie bisher vergraben waren?

Viel Freude beim Finden Ihres persönlichen Schatzes!

Ihr Arian Steinkopf

Bildquelle: © Pixabay – DKunert

Über den Autor

Arian Steinkopf
Arian Steinkopf

Seit November 2015 unterstützt Arian Steinkopf die Grundl Leadership Akademie als studentischer Mitarbeiter und ist mitverantwortlich für die interne Kommunikation. Er macht an der Fachhochschule für angewandtes Management in Erding seinen Master in Wirtschaftspsychologie. In diesem Zusammenhang schreibt er an seiner wissenschaftlichen Abschlussarbeit über das Führungssystem Leading Simple.

Die Basis für sein Interesse an Führung entstand bereits während seines ersten dualen Studiums im Bereich Hotelmanagement am Tegernsee. Dort kam Arian Steinkopf immer wieder mit dem Thema in Berührung. Schnell war ihm klar, dass die Fähigkeit, Kollegen oder Kunden zu führen, viel bedeutsamer ist, als er anfänglich erwartet hatte. In dem „Menschen-Business“ Hotellerie war er häufig mit Herausforderungen konfrontiert, so dass er sich immer wieder fragte, wie Kollegen nachhaltig zu führen sind. Auf der Suche nach Antworten stieß er auf das Buch Leading Simple. Das hat seine Leidenschaft für das Führungssystem und die Grundl Leadership Akademie entzündet. Nachdem er an Seminaren wie „Kraft der Sprache“ und „Steh auf!“ teilgenommen hatte, ist der Wunsch, sich und andere effektiver zu führen, noch größer geworden.

Arian Steinkopf schaut vor allem aus einem theoretisch-wissenschaftlichen Blickwinkel auf das Thema Führung und gibt allen Lesern Einblicke in die Perspektive der Generation Y.

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