Ressourcenzustand: Wie Sie Ihre Ziele effektiver erreichen

„Nur Idioten unterwegs.“ Heute stehen Sie mit Kollegen und Vorgesetzten auf Kriegsfuß. Doch ausgerechnet in ein paar Stunden soll ein wichtiges Gespräch mit Ihrem Chef stattfinden. Jetzt können Sie versuchen, sich „einfach zusammenzureißen”. Und darauf hoffen, dass das Gespräch trotzdem erfolgreich ablaufen wird. Oder Sie ändern gezielt Ihren Ressourcenzustand.

Der Ressourcenzustand eines Menschen beschreibt, wie gut es ihm gelingt, von innen heraus Energie zu schöpfen, seine Fähigkeiten abzurufen und seine Stärken auszuspielen. Wir können zwischen ressourcenarmen und ressourcenreichen Zuständen unterscheiden. In wichtigen Gesprächen, wie das mit Ihrem Chef, wollen Sie natürlich immer in einem ressourcenreichen Zustand gehen. Denn je nach Ressourcenzustand verändert sich unsere Wahrnehmung, unser Denken und unser Handeln. Auch unsere Bereitschaft, uns auf andere einzustellen, ist von unserem Ressourcenzustand abhängig.

Die drei Bereitschaftszustände

Um unsere Ziele besser erreichen zu können, damit Gespräche nach unserer Absicht ablaufen und wir gelungene Beziehungen erleben, hilft es, unser Bewusstsein zu schärfen, in welchem Ressourcen- und damit Bereitschaftszustand wir und andere sich befinden. Für diese Selbstüberprüfung lassen sich vereinfacht drei Bereitschaftszustände unterscheiden:

Keine Bereitschaft: In diesem Zustand ist unser Körper auf Kampf und Konflikt eingestellt. Unsere Aufnahmebereitschaft ist auf ein Minimum gesunken. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass wir unsere eigenen Anliegen erfolgreich vermitteln, ist herabgesetzt.

Ablehnende Bereitschaft: Hier haben wir eine etwas höhere Aufnahmebereitschaft. Doch wir sind nicht wirklich zugänglich und stehen der Welt abweisend gegenüber. Am liebsten wollen wir in Ruhe gelassen werden.

Offene Bereitschaft: In diesem Zustand begegnen wir unserer Umwelt zugewandt und offen. Wir haben Zugriff auf unsere inneren Ressourcen. Wir sind aufnahmebereit und tendenziell aufgeschlossen, anderen die Berechtigung zur Führung zu geben.

Den Ressourcenzustand verändern

In welchem Ressourcenzustand und Bereitschaftsmodus wir uns befinden, unterliegt natürlichen Schwankungen, je nach Tageszeit und Kontext. Wollen wir Situationen erfolgreich meistern, gelingt uns dies in einem ressourcenreichen Zustand leichter. Natürlich ist es auch hilfreich, wenn sich unser Gegenüber in einem Zustand befindet, der seine Aufnahmebereitschaft positiv beeinflusst.

Zwar können wir die Schwankungen unseres Ressourcenzustands nicht verhindern. Doch wir können aktiv auf unseren Zustand und den unseres Gegenübers Einfluss nehmen. Dafür steht eine ganze Reihe von unterschiedlichen Techniken zur Verfügung. In diesem Artikel möchte ich Ihnen jeweils drei Beispiele aufzeigen, wie Sie positiv auf sich und andere einwirken können.

Den eigenen Ressourcenzustand verändern

Assoziations-/Dissoziationstechnik: Erinnern Sie sich an eine Situation, in der es Ihnen richtig gut ging. Lassen Sie dieses Erlebnis vor Ihrem inneren Auge ablaufen. Nehmen Sie es mit allen Sinnen war: Was haben Sie gesehen, gefühlt, gehört, gerochen? Damit verändern Sie Ihre innere Haltung und versetzen sich automatisch in einen ressourcenreicheren Zustand. Wenn Ihnen keine reale Situation einfällt, können Sie auch eine fiktive Situation erschaffen, in der Sie Ihre Ressourcen wieder aufladen.

Embodiment: Nicht nur unsere Gedanken haben Einfluss auf unsere körperliche Verfassung. Unser Körper beeinflusst umgekehrt auch unsere Gedanken und Gefühle. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um Ihre Mimik und Körperhaltung wahrzunehmen und diese bewusst zu verändern. Eine aufrechte Körperhaltung, eine entspannte Stimme und Mimik wirken sich positiv auf Ihren emotionalen Zustand und Ihren Ressourcenzustand aus.

Sinnfokussierung: „Wer ein starkes Warum hat, erträgt fast jedes Wie.“ Machen Sie sich den Wert eines Gesprächs bewusst, bevor Sie in die Situation gehen. Allein das kann Ihnen neuen Zugang zu Ihren Ressourcen ermöglichen. Thematisieren Sie den Sinn des Gesprächs, um auch Ihr Gegenüber positiv zu beeinflussen. Je nach Kontext kann es notwendig für ein gutes Ergebnis sein, dass nicht nur Sie, sondern auch Ihr Gesprächspartner sich in einem ressourcenreichen Zustand befindet.

Den Ressourcenzustand des Gegenübers erkennen

Um zu wissen, wann wir auf den Ressourcenzustand unseres Gegenübers einwirken sollten, müssen wir diesen zunächst einschätzen. Beobachten Sie bei Ihrem Gegenüber Ausdruck (Mimik, Gestik, Körperhaltung), Verhalten (hört aufmerksam zu, dreht sich weg) und Körperreaktionen (Schwitzen, Zittern …).

Wenn Sie Hinweise finden, dass sich Ihr Gesprächspartner in einem ressourcenarmen Zustand befindet, sollten Sie versuchen, das Gespräch zu verschieben. Ist dies nicht möglich, können Sie seinen ungünstigen Ressourcenzustand hinnehmen oder versuchen, positiv zu beeinflussen. Bei Ersterem gehen Sie davon aus, dass seine Aufnahmebereitschaft niedrig ist und legen Sie nicht jedes seiner Worte auf die Goldwaage.

Den Ressourcenzustand des Gegenübers verändern

Wollen Sie den Ressourcenzustand Ihres Gesprächspartners positiv beeinflussen, können Sie teilweise auf Techniken zurückgreifen, die Sie für das Management Ihrer eigenen Ressourcen anwenden. Manche Techniken eignen sich sowohl für die Selbst- als auch die Fremdanwendung. Andere Techniken zielen vor allem auf das Gegenüber ab.

Symptombehandlung: Manchmal sind die pragmatischen Dinge am effektivsten. Beobachten Sie Zeichen von Müdigkeit bei Ihrem Gesprächspartner? Bieten Sie einen Kaffee an oder gehen Sie kurz an die frische Luft. Ihr Gesprächspartner wirkt gestresst? Fragen Sie, ob er eine kurze Gesprächspause einlegen möchte.

Empathisches Zuhören: Beobachten Sie Gestik, Mimik und Körperhaltung Ihres Gesprächspartners und gleichen Sie sich dieser an. Fühlen Sie sich in seine Situation ein. Stellen Sie entwickelnde Fragen, um ihn besser zu verstehen. Nur, wenn sich Ihr Gesprächspartner verstanden fühlt, wird er auch emotional aufnahmebereit sein.

Musterunterbrechung: Machen Sie bewusst etwas anders als normalerweise. Im geschäftlichen Kontext schleichen sich nach einer Weile typische Interaktionsmuster zwischen Kollegen oder Vorgesetzten ein. Diese Muster schonen Ressourcen, weil sie Handlungen und Haltungen automatisieren, schränken aber auch die Aufmerksamkeit und Aufnahmebereitschaft ein. Bei Ihnen und Ihrem Gesprächspartner. Eine bewusste Musterunterbrechung kann Präsenz und Aufnahmebereitschaft auf beiden Seiten wiederherstellen.

Wie wir unsere eigenen Ressourcen und die unserer Gesprächspartner managen, ist ein wichtiger Aspekt für erfolgreiche Kommunikation. Weitere Strategien und ausführliche Praxistipps zum Thema finden Sie in unserem Buch: www.kommunizieren-heisst-scheitern.de

Erfolgreiche Kommunikation

Wenn Sie das nächste Mal vor einem wichtigen Meeting stehen und Sie einen schlechten Tag haben, halten Sie einen Moment inne und erinnern Sie sich an die drei Bereitschaftszustände aus diesem Artikel. Ist Ihr aktueller Zustand hinderlich für einen erfolgreichen Verlauf, nutzen Sie Ihr Wissen, um sich wieder Zugriff auf Ihre inneren Ressourcen zu verschaffen. Denn am Ende haben Sie es jederzeit in der Hand, auch einen bis dahin schlechten Tag zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen.

Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg.

Ihr Atilla Vuran

Über den Autor

Atilla Vuran
Atilla Vuran

Seit 2003 ist Atilla Vuran Geschäftsführer der Inhouse Akademie und setzt das Führungssystem Leading Simple© in Unternehmen um.

Was ihn dazu bewegte bei der Grundl Leadership Akademie zu beginnen, waren zunehmende Schwierigkeiten während seiner Zeit als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens in der Schweiz. Damals begann Atilla Vuran, sich stärker mit dem Thema Menschen- und Unternehmensführung auseinanderzusetzen. Doch anstatt Führung zu vereinfachen, machte das Gelernte alles nur noch komplexer, und die nachhaltigen Führungserfolge blieben aus. Das änderte sich, als er im Jahr 2000 Boris Grundl kennenlernte.

Fasziniert wie dieser mit dem Thema Führung umgeht, begleitete er Boris Grundl fortan, lernte von ihm und hospitierte in Seminaren und Vorträgen. Schließlich sprang Atilla Vuran häufig als Vertretung ein, übernahm einzelne Themenblöcke und baute nach und nach die Inhouse Akademie mit auf, die er heute leitet.

Zudem entwickelte er zusammen mit Dr. Nina Harbers die interne Trainerausbildung.

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