So durchbrechen Sie Ihre Reiz-Reaktions-Muster

Stefan und Marianne möchten seit langem mal wieder einen schönen gemeinsamen Abend in ihrem Lieblingsrestaurant verbringen. Dafür haben sie extra die Kinder zu Mariannes Mutter gebracht. Sie freuen sich sehr auf den Abend und wollen sich besonders schick anziehen. Stefan kann allerdings seine Schuhe nicht finden.

Marianne, hast du irgendwo meine Schuhe gesehen?“ Statt der erhofften Hilfe erntet er eine barsche Reaktion: „Schau gefälligst selbst nach deinen Sachen. Ich bin nicht deine Mutter!“ Völlig von den Socken, dass seine harmlose Frage so einen Ärger bei Marianne ausgelöst hat, fühlt er sich ungerecht behandelt. Er ist stinksauer.

Der Abend ist im Eimer … Was ist passiert?

Fühlt Marianne sich wegen der Tischreservierung womöglich unter Zeitdruck, selbst rechtzeitig fertig zu werden? Oder verlegt Stefan des Öfteren etwas und Marianne ist davon grundsätzlich genervt? Hat Mariannes Mutter ihr vielleicht Vorhaltungen gemacht, als sie die Kinder abgegeben hat, dass sie sich zu wenig um den Nachwuchs kümmert?

Situationen wie diese kennen Sie vielleicht – ob nun privat oder in der Zusammenarbeit mit Kollegen, Mitarbeitern und Vorgesetzten: Es gibt einen Reiz (in diesem Fall Stefans Frage), auf den eine automatische Reaktion folgt. Diese ist für die Situation mal mehr oder mal weniger wirkungsvoll.

Wie Sie persönlich auf solche Situationen reagieren, hängt stark von Ihren angeeigneten Reiz-Reaktions-Mustern ab. Trifft ein Reiz auf einen Menschen, kommt es – neben der bewussten Bewertung in der Großhirnrinde – zu einer spontanen Mandelkern-Erregung im Gehirn. Diese weckt Emotionen ohne Beteiligung des bewussten Denkens und Beurteilens und ist stark durch Ihre persönlichen Grundüberzeugungen wie Werte und Wertekonflikte geprägt. Auf einen als unangenehm empfundenen Reiz („rote Knöpfe“) erfolgt oftmals eine blitzschnelle Reaktion, was negative Folgen haben kann.

Nutzen Sie Freiheit zwischen Reiz und Reaktion

Begründer der Logotherapie („logos“ = der Sinn) Viktor Frankl war überzeugt, dass es immer, selbst in scheinbar ausweglosen Situationen, eine Möglichkeit gibt, die eigenen Reiz-Reaktions-Muster zu durchbrechen und sein Leben selbst zu gestalten:

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“

Dieser Gedanke scheint allerdings schon älter zu sein. Er geht auf den persischen Mystiker Rumi zurück, der im 13. Jahrhundert lebte:

„Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum: Nur dort kann Begegnung stattfinden. Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum: Nur dort findet Heilung und Entwicklung statt. Zwischen Richtig und Falsch gibt es einen Ort. Dort werden wir uns begegnen.“

Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, heißt, Freiheit zwischen Reiz und Reaktion zu gewinnen. Gelingt es Ihnen, nach einem Reiz die Zeit „anzuhalten”, können Sie Ihr Verhalten bestimmen und sich von automatisch ablaufenden Reiz-Reaktions-Mechanismen befreien. Das ermöglicht Ihnen, bewusst aus einer Vielzahl unterschiedlicher Reaktionen aus Ihrem Verhaltensrepertoire zu wählen.

Wie können Sie das in der Praxis umsetzen?

  • Akzeptieren Sie, dass Sie am Reiz selbst in der Regel nichts verändern können, nur an der Reaktion darauf.
  • Machen Sie sich bewusst, dass es eine Freiheit zwischen einem äußeren Reiz und einer inneren Reaktion gibt. Diese ermöglicht Ihnen, bewusst eine andere Reaktion zu wählen.
  • Reflektieren Sie, in welchen Situationen Sie auf einen bestimmten Reiz nicht wirkungsvoll (zum Beispiel ärgerlich/ängstlich/desinteressiert …) reagieren.
  • Fragen Sie sich, wann vermutlich die nächste Situation dieser Art sein wird.
  • Geraten Sie wieder in solch eine Lage, halten Sie kurz inne. Atmen Sie durch und machen Sie sich klar: „Aha, hier ist der Reiz, wie möchte ich darauf reagieren?

Sie sehen: Die viel gelobte Spontanität ist nicht immer das Mittel der Wahl! Welches Reiz-Reaktions-Muster möchten Sie durchbrechen?

Gerne unterstützen wir Sie hier in unseren Führungskräftetrainings und Coachings.

Ich freue mich auf Ihre Erfahrungen.

Ihre Nina Harbers

Über den Autor

Dr. Nina Harbers
Dr. Nina Harbers

Seit 2011 arbeitet Dr. Nina Harbers als Leiterin in der Trainerausbildung der Grundl Leadership Akademie.

Ihr Weg in Richtung Akademie bahnte sich an, als sie bereits mit 26 Jahren Führungsverantwortung in einem Medizintechnikunternehmen bekam. Schnell war sie mit Widerständen konfrontiert von älteren und erfahreneren Mitarbeitern, die sich von einer so jungen Frau nicht führen lassen wollten. Zwar hatte sie viel Know-How während ihres Studiums und der Zeit ihrer Promotion erworben, doch das Führen von Menschen hatte sie dabei nicht gelernt. Auch Wille und Disziplin reichten nicht aus, um ihre Mitarbeiter erfolgreich zu führen und zu entwickeln. Um als Führungskraft wirkungsvoller zu werden, bildete sie sich weiter und machte unter anderem einen MBA sowie NLP- und Coaching-Ausbildungen. Dabei setzte sie das erste Mal bei sich selbst an, durchlief ihren persönlichen Transformationsprozess und erzielte dadurch Erfolge als Führungskraft.

Nach und nach reifte bei Dr. Nina Harbers der Wunsch dies auch an andere Menschen weiterzugeben. Zunächst Teilnehmerin einer Leading Simple©-Umsetzung war sie im Anschluss von der Einfachheit und Klarheit des Konzepts überzeugt, sodass sie schließlich über akademieinterne Ausbildungsschritte zu ihrer heutigen Tätigkeit als Trainerin kam.

Gemeinsam mit Atilla Vuran entwickelte sie zusätzlich die interne Trainerausbildung, die sie heute koordiniert und begleitet.

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