Millennials in der Führung – Teil 2

Dieser Eintrag ist Teil 2 von 2 der Blogreihe Millennials in der Führung

„Das dauert mir zu lange.“
„Es ist die Mühe ja nicht wert.“
„Das ist mir nicht wichtig.“
„Das schaffe ich sowieso nicht, also kann ich es auch gleich bleiben lassen.“

Kennen Sie Menschen, die ständig ähnliche Sätze von sich geben? Sagen Sie manchmal auch so etwas? Wenn Sie wissen möchten, wie Sie aus sich heraus an Durchhaltevermögen zulegen können, um bei den für Sie wirklich wichtigen Dingen besser dranzubleiben, lade ich Sie zu Teil 2 von „Millennials in der Führung“ ein. Wenn Ihnen noch der Bezug zur Generation der Millennials fehlt, empfehle ich Ihnen zuvor Teil 1.

Wofür diesen Beitrag?

In diesem Beitrag möchte ich mit Ihnen über Ideen für Ihr „Wofür“, Ihren Beweggrund beziehungsweise Ihren Antrieb sprechen. Sie entscheiden, was Sie von alledem umsetzen. Ich glaube, dass Eigenverantwortung und Selbstführung die wichtigsten Faktoren für Führung und Kommunikation sind. In der Schule lernen das jedoch die wenigsten von uns.

Anhand der Millennial-Generation werden diese Prinzipien besonders sichtbar, weshalb die meisten Beispiele auf sie bezogen sind. Die Prinzipien sind jedoch für jede andere Generation ebenso elementar, wie die Erfahrungen aus unseren Führungskräftetrainings und die jüngsten Ergebnisse des Verantwortungsindex deutlich zeigen.

Warum Millennials?

Wenn Sie ab 1980 in Deutschland aufgewachsen sind und durch das allgemeine Bildungssystem auf Ihren beruflichen Werdegang vorbereitet wurden, haben Sie in der Regel drei Probleme:

  1. Sie haben einen hohen Grad an Fachkompetenz.
  2. Sie bleiben in dem Glauben, dass diese allein ausreicht.
  3. Sie haben mitunter völlig unrealistische Erwartungen.

Warum ist es problematisch, eine hohe Fachkompetenz zu haben?

Genauer gesagt ist es natürlich nicht die Fachkompetenz an sich, die problematisch ist. Sie ist selbstverständlich die Grundlage für jede berufliche Laufbahn. Vielmehr ist es das Ungleichgewicht, das zwischen Fach- und Führungskompetenz herrscht. Es lässt uns in der Illusion, dass Fachkompetenz allein ausreicht, um weit zu kommen. Sobald andere Menschen um uns herum sind, wird das allerdings schwierig…

Wenn man eins über die Millennials sagt, dann, dass keiner so richtig weiß, wofür sie eigentlich stehen. Fragt man sie selbst, wissen sie es oft auch nicht. Es mangelt an Klarheit. Sie lassen sich leicht ablenken und bleiben nicht wirklich bei der Sache. Verständlich, dass viele Führungskräfte sich im Umgang mit eben jenen Charakteren schwertun, oder? Warum erscheinen sie so zaghaft, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen und sich festzulegen? Warum fällt es ihnen so schwer, an Themen dranzubleiben?

Es geht um Antrieb und Motivation – also um Bedürfnisse

In der Regel erwerben wir viel Fachkompetenz. Das bedeutet: viel theoretisches Wissen, aber wenig Selbstführungskompetenz. Es fehlen die Antworten auf die Fragen:

  • Wie bringe ich die PS auf die Straße?
  • Wie finde ich überhaupt die richtige Straße für mich?

Wann sind Menschen motiviert?

Menschen sind in der Regel motiviert, wenn sie ihre Bedürfnisse erfüllen oder etwas vermeiden möchten, das ihren Bedürfnissen zuwider läuft. Allgemein handeln Menschen also für die Befriedigung oder für den Schutz eines Bedürfnisses. Entscheidend ist daher, wofür Sie etwas tun möchten.

Manch einer studiert, um Karriere zu machen. Manch einer tut es, weil es heutzutage üblich ist und „zum guten Ton gehört“. Das Kind von Ärzten wird Arzt, weil es damit in der Familientradition steht. Ein anderer möchte abgesichert sein. Den Nächsten treibt es an, unabhängig zu sein und auf eigenen Beinen zu stehen. Ein wieder anderer sehnt sich nach der Anerkennung seiner Vorgesetzten. Es muss nicht immer ein astronomischer Beweggrund à la Steve Jobs „Ich möchte eine Delle ins Universum schlagen“ sein. Das alles sind mögliche Wofürs und ich möchte sie an dieser Stelle bewusst nicht bewerten. Ich glaube, dass jedes Wofür ok ist, solange es zieldienlich ist und Antrieb erzeugt.

Wie genau finden Sie Ihr Wofür?

Können Sie mir auf der Stelle folgende zwei Fragen beantworten?

  • Was sind momentan Ihre fünf wichtigsten Werte?
  • Was ist für Sie derzeit absolut unverhandelbar?

Ein Millennial, der sich wie oben beschrieben „orientierungslos“ oder unklar verhält, kann auf diese Fragen nicht sofort antworten. Hier liegt die Ursache für das, was so viele an dieser Generation stört. Sie wissen genau, was sie nicht wollen, aber stottern, wenn sie sagen sollen, was sie wollen. Wofür sie stehen wollen. Als Ergebnis bemängeln wir Klarheit.

Die Betroffenen beklagen sich über noch nie dagewesene Möglichkeiten, die es schwierig machen, sich zu entscheiden. Mir ist besonders hier eine Unterscheidung wichtig: Es sind nicht so sehr die vielen Möglichkeiten, die es schwer machen (Grund liegt im Außen – schwerer zu beeinflussen). Es ist eher unser fehlender innerer Kompass, also Klarheit über unsere Werte und unser Wofür, der es uns schwer macht, uns festzulegen (Grund liegt im Innen – leichter zu beeinflussen).

Es geht also um wichtige Werte beziehungsweise Lebensprämissen. Ihr Wofür orientiert sich an den Werten, die für Sie momentan relevant sind.

Nach Dr. Hans-Georg Häusel (siehe Bild) gibt es drei grundlegende Bedürfnisse, die für jeden Menschen wichtig sind:

  • Dominanz (Einfluss aufs Umfeld nehmen – wenn nicht erfüllt: Frustration, Wut)
  • Balance (Sicherheit – wenn nicht erfüllt: Angst)
  • Stimulanz (Wachstum, neue Impulse – wenn nicht erfüllt: Langeweile)

Diese drei Bedürfnisse spannen ein Feld auf, in dem sich all unsere Werte befinden und erklären. Jeder Mensch hat hier individuelle Ausprägungen. Ein gewisses Gleichgewicht ist Grundlage für langfristigen Erfolg und Erfüllung.

Schauen Sie sich die Grafik an und suchen Sie sich Ihre persönlichen Top-Fünf-Werte, die momentan höchste Priorität für Sie haben. Falls unvollständig, ergänzen Sie die Liste von Häusel einfach.

Top-Fünf-Werte

Ihr Wofür zielt auf Ihre wichtigsten Werte ab und ist letztlich Selbstzweck. Das Bestimmen Ihrer Top-Fünf-Werte sorgt dafür, dass Sie Ihr Wofür auch wirklich umsetzen können. Zusammen mit Erfolgserlebnissen verschafft uns das subjektives Sinn-Erleben und sorgt maßgeblich dafür, dass wir langfristig am Ball bleiben, Erfüllung und Zufriedenheit erleben und gleichzeitig nicht ausbrennen. Es ist daher von zentraler Bedeutung bei einer Tätigkeit (Studium, Beruf, Karriere, Projekt,…), zu Beginn über das jeweilige Wofür Klarheit zu erlangen. Bei Hindernissen und Rückschlägen, die überall früher oder später auftreten, ist es enorm hilfreich, sich in Erinnerung zu rufen, wofür man begonnen hat. Falls Sie sich in einem Bereich schon entschieden haben – wie sehen Sie jetzt Ihr anfängliches Wofür?

Beispiel: Mein Wofür ist, andere Menschen zu unterstützen, Ihren nächsten Entwicklungsschritt zu gehen und gleichzeitig der Beste zu werden, der ich sein kann. Meine Top-Fünf-Werte sind Entwicklung, Respekt, Freiheit, Familie und Gesundheit. Indem ich mich nach diesen Werten richte und alle wichtigen Entscheidungen hiernach berücksichtige, erlebe ich mein Wofür.

Natürlich entwickelt sich Ihr Wofür kontinuierlich weiter. Es ist daher sinnvoll, sich immer wieder mit dieser Thematik zu beschäftigen. Denn: Nur ein stimmiges Wofür hilft, bei Rückschlägen am Ball zu bleiben. Falls sich Ihr Wofür und Ihre wichtigen Werte ändern, wäre es hilfreich, dass sie das auch mitbekommen.

Eine ideale Möglichkeit, seinem Wofür auf die Schliche zu kommen, ist, von Anfang an das Ende im Blick zu haben. Einen ersten Schritt haben Sie bereits unternommen, indem Sie oben Ihre fünf wichtigsten Werte bestimmt haben. Eine weitere konkrete Übung dazu folgt: Nehmen Sie sich 15 Minuten Zeit sowie einen Stift und etwas zu schreiben.

Beantworten Sie folgende Fragen:

Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihr Ziel (erfolgreiche Promotion, Studium, Karriere, Projekt, etc.) erreicht. Zu Ihren Ehren wird eine Feier ausgerichtet. Ihr Vorgesetzter (Partner, bester Freund, etc.) hält eine Lobrede auf Sie. Was wünschen Sie sich, das er sagt? Wie möchten Sie von Ihrem nahen Umfeld beschrieben werden? Nehmen Sie sich Zeit und schreiben Sie die Rede auf.

Nach der Übung: Wie ist es Ihnen ergangen? Welche wichtigen Werte können Sie aus der Rede erkennen? Welches Wofür zeichnet sich ab? Wenn Sie möchten, ergänzen Sie Ihre Top-Fünf von oben.

Natürlich bietet diese Vorgehensweise keine allumfassende Auseinandersetzung mit der Thematik. Es ist lediglich mein Versuch, Sie dafür zu gewinnen, sich mit Ihrem eigenen Wofür und Ihren Top-Fünf-Werten zu beschäftigen. Es lohnt sich ungemein. Eine hervorragende Möglichkeit bietet auch die kostenfreie Leseprobe zum ersten Kapitel des Buches Promovieren heißt scheitern, das die Grundlage für diesen Beitrag gebildet hat. Falls Sie noch tiefer einsteigen möchten, empfehle ich Ihnen unser IntensivseminarSteh auf!“.

Ich freue mich auf Ihre Erfahrungen,

Ihr Moritz Weilandt

 

Bildquelle: © Pexels.com – Picjumbo

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Über den Autor

Moritz Weilandt
Moritz Weilandt

Seit August 2016 unterstützt Moritz Weilandt die Grundl Leadership Akademie.

Das Thema persönliche Weiterentwicklung interessierte ihn schon während seines Studiums der Psychologie an der Universität Koblenz-Landau. Denn ihm war klar: Allein mit dem Behandeln psychischer Störungen und dem Verringern von Defiziten kann man keineswegs seine Potenziale optimal entfalten oder gar Spitzenleistungen erzielen. Das reine Psychologiestudium war dafür nicht ausreichend.

Neben verschiedenen Weiterbildungen im Bereich „systemische Gesprächsführung“ und einer Ausbildung in wissenschaftlich fundierter Erfolgspsychologie arbeitete Moritz Weilandt selbstständig als Vertriebspartner für ein amerikanisches Unternehmen. In diesem Nebenjob führte er sein erstes Team – und begegnete völlig neuen Herausforderungen. Seine Erkenntnis: Wahrer Führungserfolg basiert auf effektiver Selbstführung. Daraufhin begann Moritz Weilandt sich mit Boris Grundl zu beschäftigen. Er besuchte das Seminar „Steh auf!“, durchlief seinen persönlichen Transformationsprozess. Begeistert von den eigenen Ergebnissen entstand in ihm der Wunsch, ähnliches auch bei anderen freizusetzen.

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