Mehr Wirkung in der Kommunikation – Andere verstehen

Wir befinden uns auf dem Spielplatz. Frau Recht diskutiert heftig mit Frau Unrecht.

Frau Recht sagt: „Die heutige Erziehung ist doch keine Erziehung mehr. Mütter lassen ihre Kinder einfach machen, ohne ihnen Grenzen zu setzen. Dadurch verlieren die Kinder den Respekt vor den Erwachsenen und machen, was sie wollen.

Frau Unrecht ist anderer Meinung: „Da reden Sie jetzt aber großen Unsinn. Mit der modernen Erziehung von heute werden unsere Kinder stärker, unabhängiger und sie haben viel mehr Selbstvertrauen, als wir das damals hatten.

Frau Recht: „Das hat doch nichts mit Selbstvertrauen zu tun, sondern mit Respektlosigkeit.

Frau Unrecht: „Jetzt machen Sie aber mal einen Punkt. Ich bin im Sozialwesen tätig und da weiß ich genau, wovon ich rede…

Liebe Leser, kommen Ihnen solche Gespräche bekannt vor? Wollen Sie wissen, wie Sie einer solchen Diskussion anders begegnen können? Dann habe ich für Sie folgenden Impuls: „Verstehen heißt nicht, einverstanden zu sein.

Was bedeutet überhaupt, „den anderen verstehen“?

Um den ersten Schritt in diese Richtung gehen zu können, müssen Sie sich zuerst einmal fragen: WOLLEN Sie den anderen überhaupt verstehen? Denn das ist absolute Voraussetzung für weitere wirkungsvolle Kommunikation. Ist dieser Wille gegeben, geht es im nächsten Schritt darum, die Perspektiven zu wechseln. Das heißt, Sie verlassen Ihren eigenen Standpunkt und nehmen den Standpunkt Ihres Gegenübers ein. Ich weiß, das ist oft leichter gesagt als getan.

In unserer Geschichte zur Kindererziehung würde das zum Beispiel bedeuten, dass Frau Unrecht ihren Standpunkt erst einmal loslässt und die Perspektive von Frau Recht einnimmt. Auf diese Weise bekommt Frau Unrecht eine andere Sichtweise. Nur solch ein Perspektivenwechsel kann überhaupt dazu führen, dass sie besser verstehen kann, warum die andere Person so denkt, wie sie denkt. Das heißt nicht, dass Frau Unrecht mit dieser Art zu denken einverstanden sein muss.

Wechseln Sie die Perspektive!

Gehen wir einen Schritt weiter. Nehmen wir an, Sie haben nun als Frau Recht (moderne Erziehung) die Perspektive von Frau Unrecht (konservative Erziehung) eingenommen. Das, was Sie von dort nun erkennen können, macht für Sie keinen Sinn. Sie sind also nicht einverstanden. Was tun Sie? Sie bleiben bei Ihrem eigenen Standpunkt, richtig? Das ist auch in Ordnung. Was aber hat sich jetzt verändert? Sie haben einen Eindruck gewonnen, WARUM Frau Recht die moderne Erziehung so nicht akzeptieren kann. Beim Perspektivenwechsel geht es also darum, für das Denken anderer Verständnis aufzubringen und zu lernen, andere Sichtweisen zu akzeptieren.

Denken Sie nun „das ist doch alles kalter Kaffee“!? Dann stellen Sie sich selbst die Frage:

  • Wie gut gelingt es mir, in emotional geladenen Situationen die Perspektiven zu wechseln?

oder:

  • Wie oft kommt es vor, dass ich in Gesprächen recht haben will?

Bestimmt haben Sie es auch schon einmal umgekehrt erlebt: dass andere Ihnen gegenüber unbedingt recht haben wollten. Wie ging es Ihnen damit und wie haben Sie darauf reagiert?

Meist enden solche Gespräche im Nirwana, weil beide Parteien auf ihr Recht bestehen. Zum Schluss geht derjenige als Sieger aus dem Gespräch, der mehr Ausdauer hatte. Doch welche Wirkung hinterlassen Sie, wenn Sie nur damit beschäftigt sind, entweder recht haben zu wollen oder andere ins Unrecht zu setzen?

Jeder will verstanden werden – Die Seiten wechseln, erfordert Mut

Jeder Mensch will verstanden werden. Aber genau damit tun wir uns in der Kommunikation schwer. Warum beharren Menschen eigentlich so gerne auf Ihrer Meinung? Ganz einfach: Es ist der Weg des geringsten Widerstands. Denn die Seiten zu wechseln, erfordert Mut und Selbstvertrauen. Mut, sich mit der Meinung anderer auseinanderzusetzen und das Vertrauen in sich, den eigenen Standpunkt, sprich sein gewohntes Umfeld, zu verlassen.

Jede Ansicht eines Menschen entwickelt sich aus seinen Erfahrungen und den daraus erzielten Ergebnissen. Deshalb ist es für diese Person die Wahrheit. Genauso wie es für Sie Ihre Wahrheit gibt. Somit gibt es weder ein Recht noch ein Unrecht. Alle haben aus ihrer eigenen Sicht gesehen recht.

Ich möchte Sie nun auf ein Gedankenexperiment einladen

Stellen Sie sich vor: Welche Auswirkung hätte es in der Führung, geschweige denn in der Welt, wenn es mehr Menschen gäbe, die auch in emotional geladenen Situationen die Perspektive wechseln können. „Warum denkt derjenige so und warum ist seine Sichtweise so entstanden?“ Was würde sich verändern mit mehr Führungskräften, die auch unter Stress Verständnis für das Gegenüber aufbringen könnten?

Wenn Ihnen das gelingen würde, liebe Leser, würden Sie dazu beitragen, eine Grundlage für ein besseres Verständnis und gesünderes Miteinander zu schaffen. Fragen Sie sich daher: Was ist Ihnen wichtiger, gut dazustehen oder Wirkung zu erzielen?

Wenn Sie darüber mehr erfahren wollen, empfehle ich Ihnen eines unserer Führungskräftetrainings.

Nun wünsche ich Ihnen mit dieser Herausforderung viel Freude und Erfolg in der Kommunikation mit anderen Menschen.

Mit wirkungsvollen Grüssen

Nicole Rieder

Bildquelle: © everypixel.com

Über den Autor

Nicole Rieder
Nicole Rieder

Senior Trainerin Nicole Rieder arbeitete vor ihrer Zeit bei der Grundl Leadership Akademie 18 Jahre in einer Bank, wo sie nach 12 Jahren von einem auf den anderen Tag Führungsverantwortung bekam. Das erste Mal mit einer solchen Aufgabe konfrontiert, wusste sie nicht, wie sie andere Menschen führen sollte und imitierte daher den Führungsstil ihrer Vorgesetzten. Als diese Herangehensweise über längere Zeit nicht funktionierte, war sie kurz davor aufzugeben. Nach einem Fortbildungsseminar machte Nicole Rieder zwar mit neuen Ideen und etwas Aufschwung weiter, mit ihren Leistungen war sie jedoch noch nicht zufrieden.

In dieser Zeit stellte ein Kollege die entscheidende Frage: „Gibst Du Dir denn selbst die Berechtigung zu führen?“ Erst da wurde ihr bewusst, dass sie einem Glaubenssatz folgte, der ihr das Recht absprach, Menschen zu führen, die eine bessere Ausbildung genossen hatten, älter oder höhergestellt waren. An dieser Stelle begann die eigentliche Arbeit.

Als sie über Freunde dann zusätzlich von Boris Grundl erfuhr, war ihr klar, dass sie diesen Weg auch für sich einschlagen wollte – einen Weg zu mehr Selbstführung. Nicole Rieder führte sich regelmäßig und diszipliniert selbst und hatte es schließlich geschafft: Andere Menschen ließen sich von ihr führen.

Heute gibt sie ihre Erfahrungen als Trainerin bei der Grundl Leadership Akademie weiter.

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