Konzentration und Aufmerksamkeit

Wer ein erfolgreiches und erfülltes Leben führen will, braucht die Fähigkeit zur Konzentration. Dabei ist es entscheidend, die verschiedenen Arten von Konzentration zu kennen und zu beherrschen.

Haben Sie schon einmal versucht, gegen ein Kind im Memory zu gewinnen? Es wird Ihnen kaum gelingen. Denn Kinder beherrschen es auf ganz natürliche Weise, in einer Aktivität zu versinken, während wir Erwachsene gedanklich abschweifen, unsere nächsten Aufgaben oder das Wochenende planen.

Drei Formen der Konzentration

Das Memory-Beispiel zeigt Konzentration im uns geläufigsten Sinn. Konzentration als willentliche Ballung unserer Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Aktivität. Dabei lassen sich insgesamt drei Formen von Konzentration unterscheiden, je nachdem, in welche Richtung wir unsere Aufmerksamkeit lenken:

  • auf einen Punkt
  • nach außen oder auf andere
  • nach innen

Beim Lesen anspruchsvoller Inhalte beispielsweise liegt unsere volle Aufmerksamkeit zielgerichtet auf dieser einen Tätigkeit (auf einem Punkt). Wenn Sie ein Meeting moderieren oder eine fremde Stadt erkunden, ist unsere Aufmerksamkeit als breite Wahrnehmung auf die Umwelt beziehungsweise unsere Zuhörer gerichtet (nach außen). Damit wir uns orientieren können. Ein Mönch richtet während der Meditation hingegen seine ganze Aufmerksamkeit bewusst auf seinen Atem (nach innen). Wir brauchen alle drei Formen von Konzentration. Die Kunst besteht darin, sie zielgerichtet und bewusst anzuwenden.

Konzentration und Aufmerksamkeit

Konzentration verbessern: Lernen Sie von Profisportlern!

Die Fähigkeit zur Konzentration ist uns in unterschiedlichem Maße in die Wiege gelegt. Die gute Nachricht: Wir alle können unsere Konzentrationsfähigkeit trainieren. Die schlechte: Das erfordert kontinuierliche Disziplin.

Konzentration ist wie ein Muskel, der je nach Beanspruchung ermüdet. Beobachten Sie Profisportler oder Berufsmusiker und Sie haben einen guten Anhaltspunkt, wie Sie mit Ihrer Konzentration umgehen sollten: Sportler und Musiker trainieren in der Regel nicht mehr als vier Stunden intensiv am Tag und bauen regelmäßige Erholungspausen sowie Ausgleichsaktivitäten in ihren Trainingsplan ein. Was können Sie daraus für Ihre Tagesplanung ableiten?

Sieben einfache Tipps, um Ihre Konzentration zu steigern

Um die Konzentration auf eine bestimmte Aufgabe zu verbessern, gibt es viele Möglichkeiten. Fangen Sie mit diesen sieben einfachen, aber wirkungsvollen Tipps an und beobachten Sie Ihre Veränderung.

  1. Achten Sie in Ihrem Büroalltag darauf, wichtige Entscheidungen mit ausgeruhtem Konzentrationsmuskel zu treffen und legen Sie wichtige Termine in Ihre leistungsstarken Tagesphasen.
  2. Machen Sie alle 30 Minuten eine kurze Pause von fünf Minuten. Wenn Sie es einrichten können, gönnen Sie sich zwischendurch sogar ein paar Minuten Schlaf (Power Naps). Wichtig: Machen Sie die Pausen auch dann, wenn Sie sich noch fit fühlen.
  3. Entscheiden Sie sich bewusst, konzentriert zu arbeiten. Konzentration passiert nicht zufällig.
  4. Konzentrieren Sie sich immer auf eine Sache. Multitasking ist ein Mythos, der mittlerweile wissenschaftlich widerlegt worden ist. Wir können uns nicht auf mehrere Sachen gleichzeitig konzentrieren. Stattdessen springt unser Fokus schnell hin und her. Bessere Ergebnisse erzielen Sie, wenn Sie eine Sache nach der anderen erledigen.
  5. Achten Sie auf eine gesunde Ernährung. Brauchen Sie Ihre volle Konzentration, verzichten Sie auf schweres Essen, damit Ihr Körper seine Energie Ihrem Gehirn zur Verfügung stellen kann und nicht unnötig mit der Verdauung beschäftigt ist.
  6. Gerade bei unangenehmen oder herausfordernden Tätigkeiten fällt die Konzentration oft schwer. Dann hilft es, sich das eigene Wofür klar zu machen: Je stärker Ihnen das präsent ist, umso leichter können Sie sich konzentrieren. Machen Sie sich klar, für welche positiven Auswirkungen Sie die Anstrengung auf sich nehmen.
  7. Machen Sie sich bewusst, welchen Preis Sie zahlen, wenn Sie sich nicht konzentrieren.

Dem Konzentrationskiller „Angst” begegnen

Ängste können die Konzentrationsfähigkeit massiv stören. Wenn Sie Angst vor negativem Feedback auf Ihre Arbeit haben, werden Sie sich selbst sabotieren, um zum Beispiel die Abgabe Ihrer Präsentation oder Ihres Reportings hinauszuzögern. Manche Menschen fangen in solchen Situationen regelmäßig an, ihren Schreibtisch aufzuräumen oder ihr Postfach zu sortieren. Sie erledigen scheinbar sinnvolle, aber unwichtige Dinge.

Identifizieren Sie Ihre Übersprungshandlungen und kommen Sie Ihrer Angst auf die Schliche. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nach innen, wenn Sie sich bei einem Ihrer Ausweichmanöver ertappen und forschen Sie nach, was Sie eigentlich vermeiden wollen. Der Schlüssel zur Konzentration liegt im Umgang mit Ihrer Angst.

Nutzen Sie die Kraft von Gewohnheiten

Schaffen Sie sich Rituale, mit denen Sie konzentrationsintensive Arbeitsphasen beginnen. Rituale werden automatisch von unserem Gehirn abgespult und schonen die Willenskraft beziehungsweise den Konzentrationsmuskel. Vielleicht holen Sie sich vorher eine Tasse Kaffee. Vielleicht erledigen Sie offene Telefonanrufe, ehe Sie sich zwei Stunden konzentriert zurückziehen. Je häufiger Sie mit dem gleichen Ablauf starten, desto schneller werden Sie sich konzentrieren können und desto tiefer wird Ihre Konzentration ausfallen.

Was ist Ihr Konzentrationsritual? Experimentieren Sie, welche Gewohnheit zu Ihnen passt. Lernen Sie auch in unseren Führungskräftetrainings, wie Sie sich besser fokussieren können. Wenn Sie dabei die Tipps zur besseren Konzentration berücksichtigen, sollten Sie schon bald einen deutlichen Unterschied wahrnehmen.

Viel Erfolg beim Training Ihrer Konzentrationsfähigkeit!

Bildquelle: ©alphaspirit  Fotolia.com  #141325283

Über den Autor

Atilla Vuran
Atilla Vuran

Seit 2003 ist Atilla Vuran Geschäftsführer der Inhouse Akademie und setzt das Führungssystem Leading Simple© in Unternehmen um.

Was ihn dazu bewegte bei der Grundl Leadership Akademie zu beginnen, waren zunehmende Schwierigkeiten während seiner Zeit als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens in der Schweiz. Damals begann Atilla Vuran, sich stärker mit dem Thema Menschen- und Unternehmensführung auseinanderzusetzen. Doch anstatt Führung zu vereinfachen, machte das Gelernte alles nur noch komplexer, und die nachhaltigen Führungserfolge blieben aus. Das änderte sich, als er im Jahr 2000 Boris Grundl kennenlernte.

Fasziniert wie dieser mit dem Thema Führung umgeht, begleitete er Boris Grundl fortan, lernte von ihm und hospitierte in Seminaren und Vorträgen. Schließlich sprang Atilla Vuran häufig als Vertretung ein, übernahm einzelne Themenblöcke und baute nach und nach die Inhouse Akademie mit auf, die er heute leitet.

Zudem entwickelte er zusammen mit Dr. Nina Harbers die interne Trainerausbildung.

5 Kommentare

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  • Vielen Dank für Ihr Essay zum Thema Konzentration.
    Ehrlich gesagt hatte ich Schwierigkeiten mich beim Lesen zu konzentrieren.
    Wie soll ein Mensch diese Dutzenden von Ratschlägen befolgen? Beim Lesen des zweiten hatte ich den ersten schon wieder vergessen.
    Wie könnte man das ganze vereinfachen? Ist denn das Thema Konzentration – so wie auch z.Bsp. auch das Thema Geduld – tastächlich so hoch-komplex? Ich habe versucht, es mal ganz einfach zu machen.
    Erste Frage: Was hält einen gerade davon ab sich zu konzentrieren?
    Oft ganz banale Dinge wie Müdigkeit, Hunger und Rückenschmerzen. Dann: Überforderung, Unterforderung, Langeweile, andere Erwartungen an die Veranstaltung, sprich Enttäuschung, drängende Gedanken im Hintergrund („Ich muss heute noch ….. Ich darf nicht vergessen ….“) etc. etc. Und nicht zu vergessen: Abwehr. Ein gefühltes: „Ich mag das nicht.“ Vielleicht ein unbewusstes: „Es geht mir zu nahe.“ Ein zweifelndes: „Was soll das eigentlich alles?“
    Zweite Frage: Wie kann ich mit den Dingen umgehen, die mich von meiner Konzentration abhalten?
    Zum Beispiel lernen, sich auf Dinge einzulassen, ausreichend Schlaf, sich den Nutzen der Konzentration bewusst machen, sich vielleicht dafür belohnen.
    Und last but not least: Üben, üben, üben.
    Das Beispiel des Muskels, der trainiert werden muss, finde ich gut : Konzentration ist anstrengend !! Deswegen ist es oft so schwer. Da kann man innerlich noch so entspannt sein. Wenn das Gegenüber durcheinander spricht, in jedem Satz das Thema wechselt und das alles rasend schnell, muss man sich konzentrieren um folgen zu können und das ist anstrengend! Konzentration kann geübt werden, jeden Tag, immer wieder, wie Geduld auch.
    Vielen Dank für Ihre Anregungen!

  • Lieber Herr Hamann,

    vielen Dank für Ihre interessanten Ergänzungen zum Thema Konzentration.
    Ich stimme Ihnen absolut zu, dass es bei der Konzentration vorrangig um Entspannung und nicht um Anspannung geht. Beleuchtet man das Thema auf diese Weise, kann die von mir gewählte Metapher des Muskels irreführend sein.
    Die Entscheidung diese vereinfachte Metapher zu verwenden habe ich dennoch bewusst getroffen, um bei möglichst vielen Menschen die Emotion zu wecken sich mit dem Thema Konzentration zu beschäftigen – unabhängig davon, wie tiefe Erfahrungen jemand auf dem Gebiet mitbringt.

    Beste Grüße,

    Atilla Vuran

  • Hallo Herr Tepel,

    vielen Dank für Ihre Rückmeldung, ich freue mich darüber.

    Beste Grüsse
    Atilla Vuran

  • Lieber Herr Vuran,

    zunächst einmal Danke für diesen guten und schön gestalteten Artikel.

    Gerne möchte ich noch etwas ergänzend zur Diskussion stellen: Ich persönlich empfinde den Vergleich der Konzentration mit einem Muskel, den man trainieren kann, nicht ganz passend. Sicherlich kann ich Ihnen zustimmen, dass man Konzentration „trainieren“ kann, jedoch auf einer ganz anderen Ebene als sonst, bzw. nicht wie wir Training gewöhnt sind. Denn meiner Erfahrung nach verbinden wir mit Training Körperbewegungen, die mit Muskelanspannung durchgeführt werden. Je härter man trainiert, je größer der Wille, desto besser kann man werden – so das bekannte Konzept. Durch meine tägliche Meditations- und Taiji-Übungen erkenne ich, dass wahre Konzentration nicht in der („Muskel“)-Anspannung und der größeren Anstrengung liegt, sondern gerade im Gegenteil, in der Entspannung und im Loslassen. Es geht nicht darum seine Energie in einem Punkt zu verbrennen (zu „verheitzen“), sondern darum alles andere loszulassen. Und so ist die „wahre Konzentration“ auch nicht mit Anstrengung verbunden, sondern mit Entspannung und ist in ihrer Quelle unerschöpflich.

    Herzliche Grüße
    Gerrit Hamann

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