gEWOHNhEITEN

Da hat wohl der Korrekturleser etwas übersehen, denken Sie jetzt vielleicht. Doch dem ist nicht so. Das war Absicht. Wie viele von Ihnen haben sich über diese Schreibweise gewundert oder an ihr gestört? Kann es sein, dass diese Darstellung Sie dazu veranlasst hat, genauer hinzuschauen? Und/oder hätten Sie es vielleicht sogar gerne sofort geändert? Weitergedacht: Was würde passieren, wenn Sie auf diese Weise auf Ihre alten, eingeschliffenen Gewohnheiten schauen würden?

Ein Werbeslogan auf YouTube hat mich zum Nachdenken gebracht. Diesen Gedanken will ich Ihnen nicht vorenthalten. Achten Sie einmal darauf, welche Gedanken folgender Text bei Ihnen auslöst:

„Du kennst mich. Ich bin der Grund, warum du jeden Morgen den Wecker dreimal klingeln lässt, bevor du aufstehst. Der dafür sorgt, dass du das Wasser in der Dusche schon fünf Minuten vorher laufen lässt. Ich bin der Grund, warum du jeden Morgen in die Küche läufst, um dir deinen Espresso rauszulassen. Ich sorge auch dafür, dass du jeden Tag zum gleichen Bäcker läufst und dasselbe Gebäck kaufst. Dass du immer spät dran bist und zur Bahn rennen musst. Dich dazu verleitet, regelmässig auf dein Mobile zu schauen, um die neuesten Nachrichten zu prüfen.“

I C H B I N D I E M A C H T D E R G E W O H N H E I T !

Haben Sie bei der einen oder anderen Gewohnheit genickt oder sich ertappt gefühlt? Viele Handlungen in unserem Leben sind automatisiert. Das ist sehr hilfreich. Diese gewohnten Abläufe sorgen dafür, dass die Vielfalt an Aufgaben, die jeder Tag mit sich bringt, geordnet ist. Zudem sorgen sie für Beständigkeit und steigern unsere Produktivität, da wir nicht mehr viel Nachdenken müssen.

Kurzum: Es gibt also gute Gewohnheiten, die uns unterstützen und Gewohnheiten, die uns ausbremsen und uns am Wachstum hindern. Lassen Sie uns einmal auf ein paar gute und ein paar schlechte Gewohnheiten schauen.

Gute Gewohnheiten sind:

  • rechts und links schauen, bevor Sie die Strasse überqueren
  • am Abend eine To-Do-Liste schreiben
  • am Morgen duschen, um wach zu werden
  • erst Zähne putzen und dann das Hemd (Bluse) und den Schlips anziehen
  • Tankanzeige im Auto checken
  • Terminkalender prüfen

Schlechte Gewohnheiten sind:

  • den Wecker so einzustellen, dass er dreimal klingelt, bevor Sie aufstehen
  • in der Bahn nicht warten, bis die Leute ausgestiegen sind
  • destruktive Kommentare abgeben
  • unangenehme Dinge aufschieben
  • jammern anstatt zu handeln
  • andere nicht ausreden lassen – ins Wort fallen

Was sind Ihre Gewohnheiten? Welche bringen Sie weiter? Welche behindern Sie? Bevor Sie nun weiterlesen, lade ich Sie ein, zwei Din-A4-Seiten vor sich hinzulegen. Auf dem linken Blatt notieren Sie die schlechten Gewohnheiten und auf dem rechten die guten.

Was fällt Ihnen jetzt auf? Oder haben Sie etwa schon weitergelesen?

Bestimmt haben Sie die eine oder andere schlechte Gewohnheit entdeckt, die Sie gerne loslassen wollen. Vielleicht haben Sie es auch schon versucht und sind gescheitert. Warum ist es so schwer, Gewohnheiten aufzugeben? Theoretisch hört sich das so einfach an. Es braucht guten Willen, viel Disziplin und genügend Geduld. Dann sind Sie Ihre schlechten Angewohnheiten los. Wenn es so einfach wäre: Warum scheitern wir so oft und quälen uns auch noch mit einem schlechten Gewissen?

Dazu habe ich folgende Antwort: Jede Angewohnheit erfüllt einen Zweck oder stillt ein Bedürfnis. Zum Beispiel nach Aufmerksamkeit: Wenn Sie sich in der langen Schlange vor der Kasse lauthals beschweren, wollen Sie Aufmerksamkeit. Ein anderes Beispiel: Kennen Sie Senfmenschen? Das sind Menschen mit der schlechten Gewohnheit, in Diskussionen ständig ihren Senf dazu geben zu müssen. Dahinter kann das Bedürfnis nach Anerkennung stehen.
Diese Angewohnheiten erfüllen also einen für Sie wichtigen Zweck. Deshalb lassen Sie auch nicht davon ab. Wenn Sie jedoch erkennen, welche Ursache dahinterliegt, haben Sie die Möglichkeit, das Bedürfnis beizubehalten und die schlechte Angewohnheit abzutrainieren.

Jetzt werden Sie denken: Gut und schön, aber wie mache ich es, damit es auch zum Erfolg führt? Und ich nicht wieder scheitere? Das Wichtigste überhaupt ist: Sie müssen es WOLLEN!  Dann gebe ich Ihnen eine Idee, wie Sie es in sechs Schritten schaffen, schlechte Gewohnheiten abzulegen.

Der erste Schritt: Selbsterkenntnis

Machen Sie sich Ihre schlechten Angewohnheiten bewusst und finden Sie Ihren Nutzen. Ein Beispiel aus der Führungspraxis: Sie sind verärgert und mit einer Situation nicht einverstanden. Sie würden gerne etwas dazu sagen, aber die innere Stimme hält Sie zurück: „Das bringt eh nichts.“ Oder: „Das letzte Mal, als ich etwas gesagt habe, ist er/sie ausfällig geworden. “ Der Zweck dieser schlechten Gewohnheit ist Harmonie. Sie wollen keine Konflikte eingehen.

Zweiter Schritt: Ersetzen Sie alte Gewohnheiten durch Neue

Überlegen Sie sich, wie Sie den Zweck anders erfüllen können. Welche Möglichkeiten gibt es sonst, Aufmerksamkeit und Anerkennung zu gewinnen? Ein Beispiel, Anerkennung einzufordern: Bitten Sie eine vertraute Person, Ihnen zu einer Arbeit oder Ihrem Verhalten Feedback zu geben. Wirkungsvoller ist es, sich selbst die Frage zu stellen, wie sehr Sie selbst Ihre geleistete Arbeit oder Ihr Verhalten anerkennen.

Dritter Schritt: Kopf und Bauch in Einklang bringen

Ihr Kopf wird Ihnen sagen, dass es richtig ist, diese Angewohnheit abzulegen. Aber für Ihren Bauch fühlt sich das nicht gut an. Es entsteht ein Kampf zwischen Kopf und Bauch. Nehmen wir das Beispiel aus der Führungspraxis, lieber nichts zu sagen. Nun nehmen Sie all Ihren Mut zusammen und sagen etwas. Obwohl der Verstand weiß, dass es richtig ist, werden Sie ein komisches Gefühl im Bauch haben. In dieser Phase scheitern die meisten und kehren zurück zur alten Gewohnheit. Wenn Sie es sich jedoch bewusst machen, dass diese Phase kommt, fällt es Ihnen leichter, sie zu durchschreiten. Es ist, wie wenn Sie das erste Mal Kaffee ohne Zucker trinken. Am Anfang schmeckt er Ihnen nicht. Doch mit der Zeit gewöhnen Sie sich daran.

Vierter Schritt: Akzeptieren Sie Rückfälle

Kein Mensch ist perfekt. Jeder, der schon einmal etwas verändert hat, ist auch wieder in alte Muster verfallen. Das gehört zum Prozess. Also verzeihen Sie sich den Ausrutscher. Kasteien Sie sich nicht und machen Sie weiter, indem Sie sich an Ihre Entscheidung erinnern und sich Ihre Vorteile bewusst machen.

Fünfter Schritt: Reflexion

Erinnern Sie sich täglich, wo und in welchen Situationen es Ihnen schon gut gelungen ist und welche Vorteile es Ihnen gebracht hat.

Sechster Schritt: Transformation

Nach und nach werden Sie weitere Erfolge erzielen. Plötzlich werden Sie erkennen, dass Sie sich nicht mehr aktiv an die Veränderung erinnern müssen. Dann ist die neue Gewohnheit automatisiert und Sie haben es geschafft. Sie entscheiden, wie Sie in Ihrem Leben weitergehen wollen. Streben Sie ein zufriedeneres Leben an und wollen ein stärkeres Selbstvertrauen gewinnen? Dann fangen Sie heute damit an, eine Ihrer schlechten Angewohnheiten abzulegen. Gerne helfen wir Ihnen dabei in einem unserer Führungskräfteseminare.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und gutes Gelingen.

Ihre Nicole Rieder

Bildquelle: ©Pixabay 1767892

Über den Autor

Nicole Rieder
Nicole Rieder

Senior Trainerin Nicole Rieder arbeitete vor ihrer Zeit bei der Grundl Leadership Akademie 18 Jahre in einer Bank, wo sie nach 12 Jahren von einem auf den anderen Tag Führungsverantwortung bekam. Das erste Mal mit einer solchen Aufgabe konfrontiert, wusste sie nicht, wie sie andere Menschen führen sollte und imitierte daher den Führungsstil ihrer Vorgesetzten. Als diese Herangehensweise über längere Zeit nicht funktionierte, war sie kurz davor aufzugeben. Nach einem Fortbildungsseminar machte Nicole Rieder zwar mit neuen Ideen und etwas Aufschwung weiter, mit ihren Leistungen war sie jedoch noch nicht zufrieden.

In dieser Zeit stellte ein Kollege die entscheidende Frage: „Gibst Du Dir denn selbst die Berechtigung zu führen?“ Erst da wurde ihr bewusst, dass sie einem Glaubenssatz folgte, der ihr das Recht absprach, Menschen zu führen, die eine bessere Ausbildung genossen hatten, älter oder höhergestellt waren. An dieser Stelle begann die eigentliche Arbeit.

Als sie über Freunde dann zusätzlich von Boris Grundl erfuhr, war ihr klar, dass sie diesen Weg auch für sich einschlagen wollte – einen Weg zu mehr Selbstführung. Nicole Rieder führte sich regelmäßig und diszipliniert selbst und hatte es schließlich geschafft: Andere Menschen ließen sich von ihr führen.

Heute gibt sie ihre Erfahrungen als Trainerin bei der Grundl Leadership Akademie weiter.

Ein Kommentar

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  • Liebe Frau Rieder
    Ihre „Hausaufgaben“ schlechte Gewohnheiten aufzugeben, in gute zu verwandeln, sind recht happig. Aber ich mache mich dran weil ich (ein)sehe, dass es wichtig ist. Ich danke für die Impulse.
    Hans Wellenreiter

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