Die 2. Säule des Selbstwertgefühls: Sich selbst annehmen

Dieser Eintrag ist Teil 3 von 7 der Blogreihe Die 6 Säulen des Selbstwertgefühls

Mich selbst annehmen heißt, auf meiner Seite stehen – jetzt werden Sie vielleicht denken, ja ist doch klar!

Um Ihnen das noch etwas näher zu bringen, möchte ich Sie zu einer Übung einladen. Stellen Sie sich Ihren besten Freund vor. Wie verhalten Sie sich ihm gegenüber? Wie pflegen Sie Ihre Freundschaft zu ihm? Angenommen, es geht Ihrem Freund nicht gut, was tun Sie dann?

Vermutlich reden Sie ihm gut zu, wenn er deprimiert ist. Machen ihm Mut, wenn er mutlos ist. Haben Verständnis, wenn er einen Fehler gemacht hat. Sagen nette Dinge zu ihm, halten auch in schwierigen Zeit zu ihm, machen ihm manchmal Geschenke, respektieren und achten seine Meinung. Sie nehmen ihn ernst, machen sich nicht lustig über ihn, sind ihm gegenüber tolerant und so weiter. Trifft das in etwa zu?

Gut, bis hierhin ist es einfach und verständlich. Wie aber gehen Sie mit sich selbst um, wenn es Ihnen nicht gut geht? Wie sprechen Sie zu sich, wenn Sie einen Fehler gemacht haben? Wie oft belohnen Sie sich, wenn Sie etwas gut gemacht haben? Wie groß ist Ihr Verständnis Ihnen selbst gegenüber? Kann es sein, dass es jetzt nicht mehr so einfach ist?

Wie oft kommt es vor, dass wir unsere Wut, Schmerz oder Angst ablehnen? Ich drücke all das weg, indem ich die Gefühle mir selbst gegenüber leugne, ich versuche, sie weg zu erklären oder suche in meinem Gehirn nach versteckten Winkeln, um die Fakten dort zu begraben.

Auswirkung

Was hat es für eine Auswirkung, wenn ich das, was da ist, abstreite oder verschleiere? Augenscheinlich existiert es nicht für mich. Es ist aber da. Wenn ich mich weigere zu akzeptieren, dass ich manchmal unverantwortlich lebe – wie will ich lernen, verantwortlicher zu leben? Ich kann keine Ängste überwinden, wenn ich deren Realität nicht anerkenne. Wenn ich verdränge, dass ich im Umgang mit einem Arbeitskollegen Probleme habe, kann ich sie nicht ausräumen. Nur wenn dem Problem ins Auge sehe, kann ich die Situation ändern.

Genauso ist es mit möglicherweise ungeliebten Eigenschaften. Wenn ich auf dem Standpunkt beharre, dass ich sie nicht habe, kann ich nichts verändern. Angenommen Sie greifen aus starken Bedürfnissen nach Harmonie immer wieder einmal zu einer Notlüge, um andere nicht zu verletzen. Wenn Sie diese Wirklichkeit Ihres Handelns, nicht akzeptieren, wie wollen Sie dann einen Veränderungsprozess beginnen?

Auch die Schatten gehören zu uns

Selbstannahme

Wie kann ich daran arbeiten, mich so anzunehmen, wie ich bin?

Selbstannahme ist die Bereitschaft, von jeder Emotion oder Verhaltensweise zu sagen „Das bin ich“, ohne zu beschönigen. Jede Reaktion ist Ausdruck von mir. Denken Sie noch einmal an Ihren Freund. Behandeln Sie sich selbst genauso. Vermeiden Sie Selbstverurteilung. Haben Sie für sich selbst Verständnis, wenn Sie einen Fehler machen. Seien Sie geduldig mit sich, gerade dann wenn etwas nicht sofort gelingt. So wie Sie die Freundschaft zu anderen Menschen pflegen, müssen Sie auch die Freundschaft zu sich selbst pflegen. Das funktioniert nicht, wenn Sie das nur einmal tun und dann auf sich beruhen lassen. Sie müssen sich immer wieder aufs Neue um Ihre Freundschaft zu sich selbst bemühen.

Wie wollen Sie Großes von sich erwarten, wenn Sie ständig an sich zweifeln, sich für unfähig und dumm halten und sich ständig kritisieren und klein machen?

Nur wenn wir uns selbst annehmen, uns selbst Mut zusprechen und uns nicht aufgeben, haben wir die Kraft und Ausdauer, Probleme zu lösen und unsere Ziele zu erreichen.

Wie gehen Sie tagtäglich mit sich selbst um? Kritisieren Sie sich und konzentrieren Sie sich darauf, was Ihnen fehlt oder hegen und pflegen Sie selbstbejahende Gedanken und blicken auf das, was Sie bis jetzt schon alles geschafft haben und wie wunderbar Sie sind?

Bildquelle: Pixabay

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Über den Autor

Nicole Rieder
Nicole Rieder

Senior Trainerin Nicole Rieder arbeitete vor ihrer Zeit bei der Grundl Leadership Akademie 18 Jahre in einer Bank, wo sie nach 12 Jahren von einem auf den anderen Tag Führungsverantwortung bekam. Das erste Mal mit einer solchen Aufgabe konfrontiert, wusste sie nicht, wie sie andere Menschen führen sollte und imitierte daher den Führungsstil ihrer Vorgesetzten. Als diese Herangehensweise über längere Zeit nicht funktionierte, war sie kurz davor aufzugeben. Nach einem Fortbildungsseminar machte Nicole Rieder zwar mit neuen Ideen und etwas Aufschwung weiter, mit ihren Leistungen war sie jedoch noch nicht zufrieden.

In dieser Zeit stellte ein Kollege die entscheidende Frage: „Gibst Du Dir denn selbst die Berechtigung zu führen?“ Erst da wurde ihr bewusst, dass sie einem Glaubenssatz folgte, der ihr das Recht absprach, Menschen zu führen, die eine bessere Ausbildung genossen hatten, älter oder höhergestellt waren. An dieser Stelle begann die eigentliche Arbeit.

Als sie über Freunde dann zusätzlich von Boris Grundl erfuhr, war ihr klar, dass sie diesen Weg auch für sich einschlagen wollte – einen Weg zu mehr Selbstführung. Nicole Rieder führte sich regelmäßig und diszipliniert selbst und hatte es schließlich geschafft: Andere Menschen ließen sich von ihr führen.

Heute gibt sie ihre Erfahrungen als Trainerin bei der Grundl Leadership Akademie weiter.

3 Kommentare

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  • Hallo Frau Rieder,
    vielen Dank für diesen tollen Beitrag. Plötzlich gibt es wieder einen neue Sichtweise, welche einem zum nachdenken bringt. Klasse.

    Liebe Grüße

    Bernd Steiner aus Weingarten-Baden

    • Guten Tag Herr Steiner

      Es freut mich, dass der Beitrag Ihnen eine weitere Sichtweise aufgezeigt hat.

      Ich wünsche Ihnen mit der Erkenntnis viel Erolg.

      Viele Grüsse
      Nicole Rieder

  • Liebe Frau Rieder

    Gerade war ich im mail-Programm als plötzlich die „2. Säule des Selbstwertgefühls“ auf den Bildschirm trudelte: „Sich selbst annehmen“. Was? Mich selbst annehmen? Ich muss mich doch gar nicht annehmen, ich bin doch einfach?

    Ich habe dann den ganzen Text gelesen. Einmal, zweimal … denn was mir wichtig ist (die „6 Säulen-Texte“ interessieren mich sehr) muss ich immer mehrmals lesen. Und bei jedem Lesen bleibt dann etwas hängen.

    Nach längerem Nachdenken trat dann die Frage auf: „wer bin ich überhaupt“? Zuerst muss ich doch wissen, wer ich überhaupt bin, bevor ich darüber nachdenke wie ich mich annehmen kann.

    Dann machte ich die Übung: Ich stellte mir meinen besten Freund vor (es ist eine Freundin) um von ihm zu lernen, wie ich mit mir selbst umgehen soll. Immer wieder, so wie mit einem Freund …

    Danke Frau Rieder für den Text. Ich bin jetzt auf dem Weg mich mehr mit mir selbst zu befassen (im positiven Sinn). Mit mir, als Freund von mir selbst.

    Herzlichst
    Hans Wellenreiter

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