Die 1. Säule des Selbstwertgefühls: Bewusst leben

Dieser Eintrag ist Teil 2 von 7 der Blogreihe Die 6 Säulen des Selbstwertgefühls

War Ihr Teller auch schon einmal plötzlich leer, ohne dass Ihnen bewusst war, dass Sie gerade gegessen haben?

Die meisten Menschen gehen schlafwandlerisch durch Ihr Leben. Das erkennen Sie daran, wenn Sie jemand fragen, was er gestern gegessen hat. Wie schnell erhalten Sie die Antwort darauf?

Warum ist das Bewusstsein wichtig? Weil es das grundlegende Instrument zum Überleben ist, die Fähigkeit, sich der Umwelt in irgendeiner Form bewusst zu sein und das Handeln entsprechend auzurichten.

Unser ganzer Tag ist ständig darauf ausgerichtet zu handeln. Wie oft sind wir uns aber unseren Handlungen bewusst? Und warum ist das so, dass wir so oft unbewusst handeln? Weil wir immer in Eile sind, ständig unter Druck stehen, und weil wir glauben, dass unser Umfeld eine Multitasking-Fähigkeit von uns fordert.

Vielleicht kennen Sie die bekannte Aussage eines Zenmeisters: „Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich.

Wenn Sie das lesen, wie schnell schaltet sich Ihr Verstand ein und sagt – ja, das wissen wir doch. Schon kommt der nächste Gedanke – und weg ist es. Wir hüpfen von einem Gedanken zum anderen und denken kaum etwas zu Ende. Das geht den ganzen Tag so, und am Abend wundern wir uns, dass wir so kaputt und ausgelaugt sind.

Müdigkeit und Abgeschlagenheit sind aber nicht das einzige Dilemma– damit müssen Sie klar kommen. Was aber hat es tagtäglich für Folgen, auch für unsere Mitmenschen, wenn wir unseren Aktivitäten nicht ein angemessenes Bewusstsein engegenbringen?

Meistens ticken wir doch so in unseren Gedanken:

  • Ich weiß, es gibt Anzeichen dafür, dass unsere Firma zunehmend in ärgere Schwierigkeiten gerät. ABER wie wir es bisher gemacht haben, funktioniert es doch, oder? Das Ganze ist auf jeden Fall ein leidiges Thema. Und wenn ich mich nicht beirren lasse, wird die Situation sich vielleicht ganz von selbst lösen.
  • Ich weiß, dass der Mitarbeiter XY im Team immer wieder für Unruhe sorgt und die anderen Kollegen sich vor ihm fürchten. ABER irgendwann wird sich der Rest des Teams schon daran gewöhnen.
  • Im Grunde genommen weiß ich, dass der Mitarbeiter XY überqualifiziert ist und wir ihm mehr Verantwortung übergeben sollten. ABER in unserer Abteilung kann er doch einiges bewegen.
  • Ich weiß, dass meine Kinder darunter leiden, dass sie so wenig von mir haben. Ich weiß, dass ich sie damit verletze und sie mir das übelnehmen. ABER eines Tages werde ich es irgendwie ändern.

Durch Zigtausende von Entscheidungen, die wir treffen zwischen Denken und Nichtdenken, der Realität verantwortlich Rechnung zu tragen oder ihr auszuweichen, etablieren wir ein Gefühl, das uns sagt, welche Art von Person wir sind. Auf der bewussten Ebene erinnern wir uns nur selten an diese Entscheidungen. Aber tief in unserer Psyche werden sie addiert. Das Resultat ist in der Summe die Erfahrung, die Selbstwertgefühl heißt.

Ein Betrug am Bewusstsein – dahinter steht ein Verstand, der sich selbst ausser Gefecht setzt. Typisch dafür ist, bestimmte Situationen zu vernebeln. Ich weiß beispielsweise, dass ich mich dem Mitarbeiter gegenüber nicht fair verhalten habe und das ich es wieder gut machen muss. Ich möchte jedoch vor meinem Mitarbeiter nicht zugeben, dass ich einen Fehler gemacht habe. Also verschleppe ich das Ganze und gebe vor, dass ich noch über die Situation nachdenke. Das ist das Gegenteil von bewusst leben. Ein Ausweichen vor der Bedeutung dessen, was ich tue. Eine Einstellung, die uns bewusst ist, die wir aber schnell mit typischen Gedanken betäuben;
„Wenn ich das vorzugshalber nicht sehe oder erkenne, existiert es auch nicht.“

Was aber bedeutet oder heißt denn bewusst leben? Dazu ein paar Impulse:

  • Eigenverantwortlich leben – ich bin verantwortlich für meine Existenz und mein Glück. Ich gebe mich nicht der Illusion hin, eine andere Person könnte mich glücklich machen oder mir meine Entscheidungen abnehmen.
  • Im Geiste immer ein Anfänger bleiben – lernen, erkennen, Bewusstseinserweiterung, die Entschlossenheit zu lernen, andere Sichtweisen akzeptieren – all das, als Quelle der Freude empfinden.
  • Gezielt wichtige Tatsachen anzugehen, statt vor ihnen zurückzuweichen – wenn ich erkenne, dass der Kurs, auf dem ich mich befinde, nicht der Kurs ist, der mich dahin bringt, wo ich hin will – meinen Kurs zu ändern und meine bisherigen Annahmen zu korrigieren.
  • Sich nicht von Interpretationen oder Emotionen leitenlassen – was nehme ich tatsächlich wahr und wie interpretiere ich das Wahrgenommene? Anstatt in meinem Kopf verrückte Konstrukte zu bauen, Fragen zu stellen, um Klarheit zu bekommen.
  • Aus eigenem Interesse prüfen, ob meine Handlungen im Einklang mit meinen Absichten sind. Entspricht mein Handeln auch meinem zu erreichenden Ziel?
  • Feedback suchen – Feedback wenn es meinem Wachstum dient, auch anzunehmen – könnte es sein, dass ich etwas an mir verändern muss (Fehler erkennen und korrigieren)?
  • Mir meinen Werten bewusst sein – von denen ich mich leiten lasse und ebenso von ihren Wurzeln – so dass ich nicht von Werten beherrscht werde, die ich irrationalerweise oder unkritisch von anderen übernommen habe.

Überlegen Sie selbst, wie viele der sieben genannten Punkte bei Ihnen zutreffen.

Bewusst leben heißt also, eine Bewusstheit von allem zu haben, was mit unseren Handlungen, Absichten, Werten und Zielen zu tun hat. Nach besten Kräften, entsprechend unseren Fähigkeiten, wie diese auch immer sein mögen und uns in unserem Verhalten von dem leiten zu lassen, was wir sehen und wissen. Bewusst leben ist also eine Einstellung – die Einstellung zum Leben. Wann haben Sie zuletzt über Ihre Einstellung nachgedacht?

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Über den Autor

Nicole Rieder
Nicole Rieder

Senior Trainerin Nicole Rieder arbeitete vor ihrer Zeit bei der Grundl Leadership Akademie 18 Jahre in einer Bank, wo sie nach 12 Jahren von einem auf den anderen Tag Führungsverantwortung bekam. Das erste Mal mit einer solchen Aufgabe konfrontiert, wusste sie nicht, wie sie andere Menschen führen sollte und imitierte daher den Führungsstil ihrer Vorgesetzten. Als diese Herangehensweise über längere Zeit nicht funktionierte, war sie kurz davor aufzugeben. Nach einem Fortbildungsseminar machte Nicole Rieder zwar mit neuen Ideen und etwas Aufschwung weiter, mit ihren Leistungen war sie jedoch noch nicht zufrieden.

In dieser Zeit stellte ein Kollege die entscheidende Frage: „Gibst Du Dir denn selbst die Berechtigung zu führen?“ Erst da wurde ihr bewusst, dass sie einem Glaubenssatz folgte, der ihr das Recht absprach, Menschen zu führen, die eine bessere Ausbildung genossen hatten, älter oder höhergestellt waren. An dieser Stelle begann die eigentliche Arbeit.

Als sie über Freunde dann zusätzlich von Boris Grundl erfuhr, war ihr klar, dass sie diesen Weg auch für sich einschlagen wollte – einen Weg zu mehr Selbstführung. Nicole Rieder führte sich regelmäßig und diszipliniert selbst und hatte es schließlich geschafft: Andere Menschen ließen sich von ihr führen.

Heute gibt sie ihre Erfahrungen als Trainerin bei der Grundl Leadership Akademie weiter.

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